Navigation und Service

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Link zur Startseite) Eine Initiative für
Arbeitgeber und Beschäftigte

Zukunft sichern, Arbeit gestalten

Psychische Belastungen im Kleinstunternehmen: Chefsache bei GFT Fritze

Ein Unternehmen, das in wenigen Jahren sein 150. Jubiläum feiern kann, muss einiges richtig gemacht haben: GFT Fritze, ein Gravierbetrieb aus Bremen, besetzt nicht nur erfolgreich eine Nische in der Herstellung hochwertiger Einzelfertigungen für den industriellen Formenbau und für Kunden in aller Welt, es zählt auch zu den wenigen Kleinstunternehmen, die die psychischen Belastungen am Arbeitsplatz systematisch in den Blick nehmen.

Drei Mitarbeiter sitzen an einem Tisch, ein Mann steht vor einem Flipchart. Auf ihm zeigt ein Sternediagramm an, wo Verbesserungsbedarf im Unternehmen besteht.
Bild1 / 9

Abgleich von Realität und Wunsch der Mitarbeitenden: Ein Sterndiagramm zeigt wo Verbesserungsbedarf besteht.

Hinweis

Dieses Praxisbeispiel wurde im Rahmen des Arbeitsprogramms „Schutz und Stärkung der Gesundheit bei arbeitsbedingten psychischen Belastungen“ der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie erstellt. Mehr zum Arbeitsprogramm unter www.gda-psyche.de.

Ausgangslage

Was war die Herausforderung?

„Ich stehe jeden Morgen gerne auf und freue mich auf meine Arbeit. Aber ist das bei meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch so?“ Die Neugier auf die Antwort auf diese Frage wurde bei Rainer Fritze, Geschäftsführer des Gravierbetriebs, nach einem Vortrag zum Thema „Psychische Belastungen am Arbeitsplatz“ der Wirtschaftsförderung Stuhr geweckt. Schließlich zählt insbesondere in einem kleinen Betrieb die Gesundheit jedes Einzelnen. In einem Coaching mit einem externen Berater wurde überlegt, wie er die psychischen Belastungen in seinem Gavierbetrieb systematisch angehen kann. Denn, „…wir sind hier zwar wie eine Familie. Da denkt man, es kommt alles auf den Tisch. Aber in der Familie kommt ja auch nicht alles auf den Tisch“, so Herr Fritze. Die ausschlaggebende Frage war: Welche psychischen Belastungen sind bei GFT Fritze zu beachten und was kann der Geschäftsführer in diesem Bereich unterstützend tun?

Aktivitäten

Was wurde wie gemacht?

Mit Hilfe des externen Beraters wurde ein Plan erarbeitet, mit dem die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen bei GFT Fritze umgesetzt werden sollte. Um einen ersten Überblick zu den Belastungsfaktoren zu erhalten, einigte man sich auf den Einsatz eines Fragebogens, der die Arbeitsbedingungen im Betrieb analysiert. Darin geht es zum Beispiel um den Handlungsspielraum, den eine Tätigkeit hat oder nicht hat, um die Ganzheitlichkeit von Arbeitsaufgaben, um soziale Beziehungen am Arbeitsplatz oder um die Arbeitsumgebung. Bei der Frage welche Einschätzungen als kritisch zu bewerten sind, hilft ein Vergleich mit den Ergebnissen anderer Betriebe. Parallel dazu wurden die Einschätzungen der aktuellen Situation (Ist) den Wünschen der Befragten (Soll) gegenüber gestellt. Auch aus diesem Vergleich ergaben sich Hinweise auf kritische Ausprägungen einzelner Arbeitsbedingungen. Nachdem die fünf Beschäftigten bei GFT Fritze den Fragebogen ausgefüllt hatten, wurden die Ergebnisse mit Unterstützung des externen Beraters gemeinsam diskutiert: Wo gibt es Abweichen zwischen Soll und Ist, d.h. Handlungsbedarf? Welche Lösungsmöglichkeiten sind denkbar und wie sollen diese angegangen werden?

Ergebnisse

Was konnte erreicht werden?

Die systematische Abfrage von Belastungsfaktoren und deren Diskussion mit den Beschäftigten brachte, zum Beispiel, die folgenden Ergebnisse ans Licht:

  • Im Bereich der Führung, und hier insbesondere bei Lob, Anerkennung und Rückmeldungen wurde eine Abweichung zwischen Soll und Ist offenbar. Diesen Wunsch nimmt Herr Fritze ernst und arbeitet gemeinsam mit seinen Mitarbeitern an einer wertschätzenden Arbeitskultur. Dazu gehört beispielsweise regelmäßiges Feedback. Aber auch das Einholen von Ideen und Wünschen der Beschäftigten zur Planung des Unternehmensneubaus im Jahr 2010 war ein Weg, Rückmeldungen der Beschäftigten stärker zu berücksichtigen.
  • Auch wenn die Wege bei GFT Fritze kurz sind, der tagtägliche Austausch zwischen Chef und Beschäftigten kann strukturierte Mitarbeitergespräche nicht ersetzen. Hier war die Lösung einfach: Fortan werden regelmäßige und verbindliche Mitarbeitergespräche zu Themen wie Arbeitsabläufen, Verbesserungsmöglichkeiten und Verantwortung geführt.
  • Für Graveurinnen und Graveure gibt es nur wenige, spezifisch auf den Beruf zugeschnittene Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten gehören jedoch zu jeder gut gestalteten Arbeitsaufgabe. Die Lösungsidee bei GFT Fritze lautete deshalb: Auch mal „über den Tellerrand gucken“, das heißt Fach nahe, aber nicht ausschließlich für Graveure angebotene Schulungen und Kurse wie Laser-Schulungen oder CNC-Kurse zu besuchen. Weiterhin wurde überlegt, ob Messebesuche hilfreich sein können, um neue Anregungen für den Arbeitsalltag zu finden.

Nach all dem Aufwand stellt sich natürlich die Frage nach dem Nutzen. „Ob das wirklich etwas bringt?“, fragt sich auch Herr Fritze. Er berichtet, dass das systematische Erfassen der Belastungen zum Beispiel dabei hilft, Themen auf der Beziehungsebene zu versachlichen. Die Coachings für den Geschäftsführer wirken einer „Betriebsblindheit“ entgegen und geben neue Impulse für die Arbeit im Betrieb. Und die Beschäftigten sprechen Probleme seither frühzeitiger an. Die Befragung findet übrigens nicht einmalig statt, sondern wird in zeitlichen Abständen wiederholt. So wird auch im Zeitverlauf deutlich, wo es Verbesserungen gibt und wo weiterhin Handlungsbedarf besteht. – Eine positive Zwischenbilanz, die sich sehen lassen kann.

Erfolgsfaktoren

Was können Andere davon lernen?

  • Die Gefährdungsbeurteilung gehört nicht zum Tagesgeschäft eines Unternehmers, es braucht fachlich gute und ehrliche Partner. Das können – wie bei Herrn Fritze - produktive Informations- und Erfahrungsaustausche in Form regelmäßiger Unternehmertreffen bzw. Netzwerke zwischen Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branchen sein. Auch Unfallversicherungsträger, Krankenkassen oder Unternehmensberatungen – um nur einige zu nennen – können fachlich versiert unterstützen.
  • Unabhängig von der Unternehmensgröße ist eine zentrale Voraussetzung, dass der Unternehmer von der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen als Mittel zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen überzeugt ist.

Empfehlen und Drucken

Zusatzinformationen

Logo

Logo von GFT - Fritze

Ansprechpartner/in

Praxisunternehmen

Rainer Fritze

Geschäftsführer

GFT - Fritze
Lise-Meitner-Str. 2
28816 Stuhr

Telefon: 0421 - 374 344

Beratungsunternehmen

Wilfried Sondag

Geschäftsführer

IGLU – Unternehmensservice, Betriebliche Sozialberatung, Gesundheitsmanagement, Coaching & Training
Am Rüten 102
28357 Bremen

Telefon: 0421 - 878 395 50

Steckbrief

Themen

  • Physische & psychische Gesundheit
  • Führung

Branche

  • Verarbeitendes Gewerbe

Bundesland

  • Niedersachsen

Unternehmensgröße

  • 1 - 49 Mitarbeiter

Standort des Unternehmens

Abbildung des Unternehmensstandortes auf der interaktiven Karte