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Dezentral und differenziert: Der Wittekindshof verbessert die Arbeitssituation durch systematisches Betriebliches Gesundheitsmanagement

Die Diakonische Stiftung Wittekindshof ist ein soziales Dienstleistungsunternehmen mit rund 3.200 Mitarbeitenden an über 100 Standorten in Nordrhein-Westfalen. Die Anforderungsprofile der Mitarbeitenden und die Belastungen am Arbeitsplatz weisen eine große Bandbreite auf. Der Wittekindshof hat deshalb ein systematisches Betriebliches Gesundheitsmanagement aufgebaut, um die Arbeitssituation positiv zu gestalten - örtlich und inhaltlich differenziert.

Eine Mitarbeiterin sitzt zusammen mit einem Coach an einem Tisch und erhält eine Beratung für eine erholsame Pause.
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Bemerkenswerte Pause: Richtig Pause machen, will geübt werden - im Einzelcoaching bei Fr. Dr. Horstmann gibt es Tipps für die richtige Erholung.

Hinweis

Dieses Praxisbeispiel wurde im Rahmen des Arbeitsprogramms „Schutz und Stärkung der Gesundheit bei arbeitsbedingten psychischen Belastungen“ der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie erstellt. Mehr zum Arbeitsprogramm unter www.gda-psyche.de.

Ausgangslage

Was war die Herausforderung?

Die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Wittekindhofes sind in der direkten Förderung Betreuung und Unterstützung von Menschen mit Behinderung sowie Kindern und Jugendlichen tätig. Die Belegschaft ist vielfältig: Berufsanfänger treffen auf Mitarbeiterinnen mit jahrzehntelanger Berufserfahrung, Menschen mit Behinderungen treffen auf Menschen ohne Behinderungen, Mitarbeitende aus Pflege und Therapie auf Handwerker oder Verwaltungsmitarbeiterinnen. Dementsprechend unterschiedlich sind auch die Belastungen am Arbeitsplatz - körperlich und psychosozial. Krisensituationen (z.B. fremd- oder autoaggressives Verhalten, Sterbefälle, Traumatisierungen), Zeitmangel, eine hohe Lautstärke, Konflikte mit Angehörigen, Kostenträgern oder innerhalb des Teams gehören zum Arbeitsalltag in der Eingliederungshilfe und wollen gemeistert werden.

Aktivitäten

Was wurde wie gemacht?

Die Leitungsebene und die Mitarbeitervertretung haben die arbeitsbedingten Belastungen im Blick: „Denn was auf Menschen einwirkt, hat auch Auswirkungen auf den Menschen“, so Christian Rüter, Vorsitzender der Gesamtmitarbeitervertretung, welche maßgeblich am Zustandekommen des ersten BGM-Konzepts beteiligt war. Für die Umsetzung des Konzeptes wurde eine hauptamtliche Koordinationsstelle geschaffen und mit der Diakonin Frau Lange-Riechmann besetzt. Sie steht in enger Verbindung zu den Mitarbeitenden an den einzelnen Standorten und hat zugleich kurze Wege zur Ressortleitung Personal und Bildung. Nun kann eine Frau allein die Herkulesaufgabe eines systematischen Betrieblichen Gesundheitsmanagements für mehr als 3.000 Mitarbeitende nicht stemmen. Als Knotenpunkt aller Aktivitäten wurde deshalb ein interdisziplinärer und überregionaler Fachzirkel BGM gebildet. Hier sind alle Akteure beteiligt: Schwerbehindertenvertretung und BEM Koordinator, Fachkraft für betriebliche Suchtprävention, Personalentwicklung, Fort- und Weiterbildung, Mitarbeitervertretung, Brüder/Schwesternpfarrer, therapeutischer Dienst, psychologisch-pädagogischer Fachdienst und bei Bedarf Betriebsmediziner.

Um die so geschaffene Struktur mit Leben zu füllen, braucht es natürlich die Ideen und das Engagement der einzelnen Regionen. Um das zu fördern kommen Mitarbeitende in dezentralen Gesundheitsarbeitsgruppen zusammen, bunt gemischt von der operativen Basis bis zur Führungskraft. Sie arbeiten zeitlich begrenzt an konkreten Zielen. Wünsche und Probleme am Arbeitsplatz werden aufgegriffen und Lösungsansätze erarbeitet, die mit der BGM-Koordinatorin nach Freigabe durch die Ressortleitung umgesetzt werden, z.B. Weiterbildungen, Schnuppertage, Vorträge, strukturelle oder bauliche Veränderungen zur Förderung der Gesundheit der Mitarbeitenden. So wurden u.a. Kurse zum Energiemanagement für die Erzieherinnen und Erzieher in den Familienzentren organisiert. Basis für das Energiemanagement waren die Ergebnisse einer Bachelorarbeit und der STEGE Studie „Strukturqualität und Erzieher_innengesundheit in Kindertagesstätten“, die die arbeitsbedingten psychischen Belastungen in diesem Berufsfeld deutlich benennen: zahlreiche Störungen und Unterbrechungen bei der Arbeit, viele gleichzeitig anfallende Aufgaben sowie hoher Zeitdruck und Probleme sich in der Pause zu erholen.

Das Energiemanagement will aktives Handeln zur Reduzierung von Stress unterstützen. Zum Einstieg erfahren die Mitarbeitenden, was Stress eigentlich ist, welche Folgen er für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit haben kann und welche Rolle die eigenen Energien dabei spielen. Persönliche Energieräuber werden ebenso in den Blick genommen, wie Verbesserungsbedarf und Wünsche an den Arbeitsplatz. Im Team und in Einzelgesprächen wird analysiert wofür am Arbeitsplatz besonders viel Energie aufgewendet werden muss, aber auch woraus neue Energie geschöpft werden kann. Dabei geht es um berufliche und persönliche Prioritäten, die Strukturierung von Arbeitsaufgaben und die Stärkung einer guten Zusammenarbeit im Team. Das Energiemanagement hilft, das Wechselspiel von Be- und Entlastung im Gleichgewicht zu halten. Auch in besonderen Situationen, z.B. bei kurzfristigem Personalausfall bewährt sich der Ansatz, weil Mitarbeitende prüfen welche Prioritäten bestehen und was sie selbst oder nur mit Unterstützung bewältigen, aber auch was eventuell mal nicht erledigt werden kann.

Das Einverständnis der Mitarbeitenden vorausgesetzt, werden identifizierte, ausfindig gemachte, arbeitsbedingte Energieräuber an die BGM-Koordinatorin weitergegeben – eine wertvolle Informationsquelle für organisatorische Maßnahmen im BGM. So führte zum Beispiel die Rückmeldung der Mitarbeitenden, dass die Kooperation mit Angehörigen teilweise schwierig und konfliktträchtig ist dazu, dass eine entsprechende Schulung angeboten wurde.

Ergebnisse

Was konnte erreicht werden?

  • Insgesamt ist das Thema Gesundheit am Arbeitsplatz präsenter. Die Mitarbeitenden nehmen die vielfältigen Angebote gut an und geben positives Feedback. Proaktiv werden weitere Gesundheitsarbeitsgruppen eingefordert.
  • Das BGM ist fest in der Organisationsstruktur der Gesamtstiftung verankert. Eine verlässliche Zusammenarbeit und nachhaltige Maßnahmenumsetzung wird so überhaupt erst möglich.
  • Jedes Projekt und jede Maßnahme wird mit einem standardisierten Verfahren evaluiert. Dadurch erfolgt eine gute Einpassung in das Qualitätsmanagement.
  • Mit dem Projekt „Steigerung der Gesundheitskompetenz durch bemerkenswerte Pausen“ wurde der Wittekindshof Bundessieger des Deutschen BGM-Förderpreises.

Erfolgsfaktoren

Was können Andere davon lernen?

  • Feste Strukturen schaffen Rückendeckung: Feste Strukturen und eine hauptverantwortliche BGM-Koordination, die konsequent an der Zielerreichung arbeitet, sowie ein mit allen Beteiligten verabschiedetes BGM-Konzept sind eine entscheidende Arbeitsgrundlage.
  • Wertschätzende, ermutigende Haltung. Der Anspruch der Leitungsebene muss sein: Wir wollen die Mitarbeitenden verstehen, sie befähigen und Ängste nehmen.
  • Motivation der Führungskräfte: Im Wittekindshof haben 170 leitende Mitarbeitende am Training „Gesundes Führen“ teilgenommen.
  • Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt: Gezielte, kleine Schritte gehen, damit die ganze Energie nicht gleich „verpufft“. Dabei sind realistische Lösungsansätze und Maßnahmen gefragt und keine „Hochglanz-Gefährdungsbeurteilungen“, die in der Schublade liegen.
  • Unterstützung suchen und in Anspruch nehmen: Der betriebsärztliche Dienst, die Wirtschaftsförderung, das Diakonisches Werk Rheinland-Westfalen-Lippe als Dachverband, Fachhochschulen und Universitäten sind wertvolle Partner, wenn es um gesunde und motivierende Arbeitsbedingungen geht. Fördergelder und -möglichkeiten bieten z.B. Krankenkassen und Rentenversicherungsträger.
  • Gutes tun und darüber sprechen: Nicht zu unterschätzen ist eine gute Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache, so werden Informationen weitergetragen und Erfolge bekannt gemacht.

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Zusatzinformationen

Logo

Logo der Diakonische Stiftung Wittekindshof

Ansprechpartner/in

Dr. Lieseltraud Lange-Riechmann

Koordinatorin Betriebliches Gesundheitsmanagement

Wittekindshof - Diakonische Stiftung für Menschen mit Behinderungen
Zur Kirche 2
32549 Bad Oeynhausen

Telefon: 05734 - 611 046

Steckbrief

Themen

  • Gesundheit
  • Partizipation & Motivation

Branche

  • Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen

Bundesland

  • Nordrhein-Westfalen

Unternehmensgröße

  • mehr als 250 Mitarbeiter

Standort des Unternehmens

Abbildung des Unternehmensstandortes auf der interaktiven Karte