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Zukunft sichern, Arbeit gestalten

Pressemitteilung: Fit oder fertig? Die Zukunftsfrage für den Einzelhandel

2. Fachhearing zum Thema "Gesundheitsmanagement und gesunde Arbeit im Einzelhandel": In Köln diskutierten Tarifexperten der Spitzenverbände des Handelsverbandes Deutschland HDE und der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di gemeinsam mit Arbeitswissenschaftlern Strategien zur Bewältigung des demografischen Wandels.

Bei einem Fachhearing in Köln diskutierten heute rund 80 Demografie-Experten und Mitglieder der Tarifkommissionen der beiden Spitzenverbände des deutschen Einzelhandels HDE und ver.di gemeinsam mit Arbeitswissenschaftlern und Arbeitsschutz-Experten über das Thema "Gesundheitsmanagement und Gesunde Arbeit" sowie konstruktive Maßnahmen und innovative Lösungsansätze für den Einzelhandel. Das 2. Fachhearing ist eine von insgesamt vier Veranstaltungen des bislang größten Demografie- und Tarifprojektes "ZusammenWachsen-ArbeitGestalten" für die Dienstleistungsbranche, das unter dem Dach der Initiative Neue Qualität der Arbeit durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) gefördert wird.

Stehen, bücken, knien oder sitzen und dabei schwere Lasten heben, tragen und verräumen, Kunden freundlich beraten und schließlich die Waren über das Laufband der Kasse ziehen: Die Arbeit im Einzelhandel ist körperlich und psychisch ausgesprochen anspruchsvoll. Fit oder fertig? Die Antwort auf diese Frage hängt für die Beschäftigten im Einzelhandel maßgeblich von der Qualität ihrer Arbeitsbedingungen ab - gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, der die Dienstleistungsbranche seit Jahren immer härter trifft.

Wissenschaftler/innen und Gesundheitsexpert/innen informierten die Spezialisten der Tarifarbeit zunächst über neue Erkenntnisse der gesundheitsförderlichen Arbeitsgestaltung: Das reichte von ergonomischen Anforderungen für Steh- und Kassenarbeitsplätze, über Qualitätskriterien des Gesundheitsmanagements bis hin zur Ausbildung von Gesundheitsmultiplikatoren, die für die Verankerung von gesunder Arbeit in den vielen Filialbetrieben des deutschen Einzelhandels sorgen könnten. Es folgte eine intensive Diskussion über die Möglichkeiten, die Arbeit im deutschen Einzelhandel mit einer Mischung aus Vereinbarungen, Beratungs- und Qualifizierungsangeboten alternsgerecht und gesundheitsförderlich zu gestalten: "Für eine alternsgerechte und gesundheitsförderliche Arbeitsgestaltung brauchen wir tarifvertragliche Vereinbarungen", sagte Silke Zimmer von ver.di (siehe auch unten). Und Heribert Jöris vom HDE stellte klar: "Bis Frühjahr 2016 wollen die Sozialpartner erste Vorschläge zum Thema Demografie sowie alternsgerechte und gesundheitsförderliche Arbeitsgestaltung erarbeiten und verhandeln."

Silke Zimmer, Landesfachbereichsleiterin Handel der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) in Nordrhein-Westfalen: "Die Gestaltung gesundheitsförderlicher und alternsgerechter Arbeitsplätze im Einzelhandel hat entscheidenden Einfluss auf den Erhalt und die Förderung der Gesundheit und Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten in den einzelnen Unternehmen. Wir werden am 29. Oktober beginnen, tarifvertragliche Regelungen zur Gestaltung gesunder und alternsgerechter Arbeit im Einzelhandel zu verhandeln. Nur so können wir die Herausforderungen des demografischen Wandels meistern und einen Verdrängungswettbewerb auf Kosten der Gesundheit der Beschäftigten im Einzelhandel verhindern. Gesunde und gute Arbeitsbedingungen müssen in Zukunft für alle gelten."

Heribert Jöris, Geschäftsführer des Bereichs Arbeit, Bildung, Sozial- und Tarifpolitik des Handelsverbands Deutschland (HDE): "Die Fachhearings von HDE und ver.di bieten den Experten von Gewerkschaft und Arbeitgeber eine wichtige Hilfestellung, um ein gemeinsames Selbstverständnis für die zukünftige Arbeit zu entwickeln. Die Herausforderung dabei besteht darin, eine Balance zwischen Rahmenregelungen und guten Angeboten für die Betriebe zu finden. Wir wollen unseren Mitgliedsunternehmen eine Toolbox für die Arbeitsgestaltung im demografischen Wandel anbieten."

André Große-Jäger, Referatsleiter im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS): "Der Einzelhandel mit 3,5 Millionen Beschäftigten ist eine der wichtigsten Branchen in Deutschland. Es ist ein bedeutender Meilenstein, dass sich die Tarifexperten von HDE und ver.di jetzt gemeinsam auf den Weg gemacht haben, um Lösungen zur Bewältigung des demografischen Wandels zu finden. Denn Gewerkschaften und Arbeitgeber gestalten mit ihren Tarifverträgen entscheidend die Arbeit im demografischen Wandel. So können sie auch in Zukunft den Erfolg der Branche gewährleisten."

Tatjana Fuchs, Gesellschaft für gute Arbeit: "Investitionen in die Qualität des betrieblichen Gesundheitsmanagements sind die Voraussetzung für eine gesundheitsförderliche und demografieorientierte Arbeitsplatzgestaltung. Langfristig lohnen sie sich für Unternehmen wie Beschäftigte - das zeigen verschiedene wissenschaftliche Studien: Durch eine gesundheits- und alternsgerechte Gestaltung von Arbeitsplätzen können Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Beschäftigten bis zum Rentenalter erhalten werden. Das spart dem Unternehmen Geld und schützt die Beschäftigten vor der Gefahr von Altersarmut durch frühzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben."

Hintergrund:

Nach dem ersten erfolgreichen Fachhearing im Frühjahr zum Thema „Gesunde Führung“ haben HDE und ver.di im Juli/August diesen Jahres in den Demografie-Schwerpunktbezirken Bayern und Nordrhein-Westfalen Tarifvereinbarungen geschlossen. Darin wurden von den beiden Tarifparteien im Einzelhandel folgende Eckpunkte zum Thema Demografie verabredet:

  • Die Tarifvertragsparteien sind sich einig, die Verhandlungen über die tarifvertraglichen Regelungen zur Gestaltung des demografischen Wandels im Einzelhandel fortzusetzen.
  • Tarifvertragliche Vereinbarungen zum Thema Demografie haben das Ziel, altersgerechte Arbeitsgestaltung und lebensphasenorientierte Personalarbeit zu unterstützen und zu fördern.
  • Dabei sollen die verschiedenen Themenbereiche des demografischen Wandels in einzelnen Tarifvereinbarungen geregelt werden.
  • Unterstützt werden die Tarifverhandlungen durch die wissenschaftliche Begleitung aus dem Demografie- und Tarifprojekt "ZusammenWachsen-ArbeitGestalten" der Initiative Neue Qualität der Arbeit, gefördert durch das BMAS.
  • Erklärtes Ziel der Tarifvertragsparteien ist es, eine erste Tarifvereinbarung bis zum Ende des 1. Quartals 2016 abzuschließen.

Die Fachhearings von HDE und ver.di finden im Rahmen des Projekts "ZusammenWachsen-Arbeit-Gestalten" statt. Es ist das bisher größte Demografie- und Tarifprojekt zur Zukunft der Arbeit in Dienstleistungsbranchen. Das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales seit 2011 geförderte Projekt bringt unter dem Dach der Initiative Neue Qualität der Arbeit bedeutende Spitzenvertreter der Tarif- und Betriebspolitik aus verschiedenen Dienstleistungsbranchen mit dem Ziel zusammen, Arbeit mit Hilfe verbindlicher Regelungen alternsgerecht und demografieorientiert zu gestalten. Damit wollen die beiden Spitzenverbände des Einzelhandels sich gemeinsam den großen Herausforderungen des demografischen Wandels stellen und Lösungen finden.

Kontakte:

Silke Zimmer, verdi Landesfachbereichsleiterin Fachbereich Handel NRW
Tel.: 0211 61824-382, Mobil: 0171 972 98 62 mobil, E-Mail: silke.zimmer@verdi.de

Heribert Jöris, Geschäftsführer 
Bereich Arbeit, Bildung, 
Sozial- und Tarifpolitik, Handelsverband Deutschland (HDE)
Tel.: 030 726250-40, Mobil: 0162 230 65 93, E-Mail: joeris@hde.de

André Große-Jäger, Referatsleiter Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
Tel.: 0228 99 527 2906, Mobil: 0170 569 59 59, E-Mail: andre.grosse-jaeger@bmas.bund.de

Tatjana Fuchs, Gesellschaft für Gute Arbeit und wissenschaftliche Leiterin des Demografie- und Tarifprojekts "ZusammenWachsen-ArbeitGestalten"
Mobil: 0170 916 80 57, E-Mail: fuchs@gesellschaft-fuer-gute-arbeit.de

Stand: 14.09.2015

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