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26.08.2015

"Weniger Arbeitsbelastung, mehr Handlungsspielraum"

Die Berliner Senatorin Dilek Kolat hat sich vergangene Woche im Seniorenzentrum Köpenick über das vom Land Berlin und der Initiative Neue Qualität der Arbeit unterstützte Förderprogramm unternehmensWert:Mensch informiert. Die Pflegeeinrichtung wurde ein halbes Jahr lang von einer Beraterin dabei unterstützt, die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten zu verbessern.

Gruppenfoto mit Dilek Kolat (2. v. l.), Senatorin für Arbeit, Frauen und Integration des Landes Berlin.

Die Bedingungen im Berufsfeld der Altenpflege werden für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Pflegedienstes ebenso wie für deren Organisation und Geschäftsführung zunehmend schwieriger: Demographischer Wandel und Fachkräftemangel sorgen in vielen Pflegeeinrichtungen für eine nicht ausreichende Personaldecke und damit eine erheblich zunehmende Arbeitsdichte. Nichtsdestotrotz brauchen Menschen, die in Pflegeeinrichtungen leben, nicht nur eine fachgerechte, sondern auch eine zugewandte und empathische Pflege. Noch dazu werden in Zukunft vornehmlich in Ballungszentren vermehrt multimorbide Pflegebedürftige ohne Familienanschluss im Heim untergebracht sein, was zusätzliche Kapazitäten im Pflegebereich erfordert. All dies in Einklang miteinander zu bringen, wird für Pflegeeinrichtungen zunehmend zu einer ernst zu nehmenden Herausforderung.

Das Seniorenzentrum Köpenick wollte dieser Entwicklung nicht länger tatenlos zusehen und ließ sich daher im Rahmen des vom Land Berlin und der Initiative Neue Qualität der Arbeit unterstützten Förderprogramms unternehmensWert:Mensch durch eine zertifizierte Beraterin ausführlich über einen Zeitraum von einem halben Jahr zu der Frage beraten, wie die Arbeitsbedingungen im Pflegedienst verbessert werden können. Die gemeinsame Arbeit dieser Berater und interner Projektgruppen des Heims brachte handfeste Ergebnisse - Grund genug für Dilek Kolat, Senatorin für Arbeit, Frauen und Integration des Landes Berlin, sich direkt vor Ort über dieses Projekt des Förderprogramms unternehmensWert:Mensch zu informieren.

Am 19. August 2015 besuchte sie daher das Seniorenzentrum Köpenick. In ihren einleitenden Worten würdigte sie die gemeinsamen Anstrengungen des Seniorenzentrums sowie des Forschungsinstituts Betriebliche Bildung (f-bb) und des Arbeit und Leben e.V., die die Erstberatung durchführten und das Unternehmen während der Beratung vor Ort mit der autorisierten Beraterin begleiteten.

Die Pflegemanagerin des Zentrums, Gunta Dostert, erklärte in einer Präsentation den Ablauf der Beratungen: Anlass für die Inanspruchnahme von unternehmensWert:Mensch war die zunehmende Arbeitsdichte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Pflegedienst, die sich in einer erhöhten subjektiv empfundenen Arbeitsbelastung und einem steigenden Krankenstand der Beschäftigten niederschlug. Hinzu kommt, dass für viele Mitarbeiter ein Übergang in den Ruhestand zeitlich absehbar ist, was Strategien zur Neugewinnung von Mitarbeitern und damit zur Attraktivitätssteigerung der Pflegestellen notwendig macht.

Ziel der Beratung im Unternehmen war es, nach einer Belastungs- und Altersstrukturanalyse konkrete Maßnahmen für ein betriebliches Gesundheitsmanagement abzuleiten. Denn nur auf diese Weise, so Gunta Dostert, könnten Motivation und Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufrechterhalten werden. Hierzu wurden unter den Beschäftigten moderierte Fokusgruppen gebildet, in denen Problemfelder und mögliche Lösungen identifiziert werden konnten.

In der Folge konnte die Leitung des Seniorenzentrums Arbeitsbelastungen in einzelnen Bereichen reduzieren, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mehr Handlungsspielräume für bestimmte Arbeitsbereiche geben, aber auch das Thema Gesundheit stärker in den Fokus rücken - beispielsweise durch klare Arbeitszeit- und Pausenregelungen, zusätzlichen Arbeitszeitausgleich für besonders belastete Beschäftigtengruppen und die Schaffung neuer Gesundheitsprogramme, wie z.B. der Einrichtung einer Laufgruppe. Alle diese neuen - aber auch die bestehenden - Maßnahmen sollen künftig strukturiert an alle Teammitglieder des Seniorenzentrums kommuniziert werden, unter anderem über eine Mitarbeiterzeitung, Informationsblätter und neu gestaltete Einarbeitungspläne.

In der abschließenden Fragerunde äußerte sich die Senatorin Dilek Kolat positiv über das Projekt und die Konkretheit der neuen Maßnahmen:

"Das Programm unternehmensWert:Mensch hilft kleinen und mittleren Unternehmen dabei, bessere Arbeitsplätze anzubieten. Davon profitieren die Unternehmen und die Mitarbeitenden gleichermaßen. Deshalb unterstützt der Senat das Programm." Sie unterstrich bei dieser Gelegenheit, wie wichtig es sei, Mittel und Wege zu finden, die Pflegeberufe schon bei Schülern attraktiver darzustellen: "Flyer und Broschüren sind gut. Noch besser ist es aber, Schülerinnen und Schüler mit echten, positiven Role Models in Kontakt zu bringen, so wie es beispielsweise schon in den MINT-Berufen geschieht."

Susanne Kretschmer, Standortleiterin des f-bb in Berlin, ergänzte: "Das Seniorenzentrum Köpenick ist ein tolles Beispiel dafür, was unternehmensWert:Mensch bewirken kann. Das Unternehmen hat in der Modellphase des Programms bereits sehr strukturiert viele Maßnahmen umgesetzt, die zu einer besseren Arbeitskultur geführt haben. Darauf kann das Unternehmen nun aufbauen und diese weiterentwickeln."

Nach einer erfolgreicher Modellphase wird das Beratungsprogramm unternehmensWert:Mensch nun bundesweit angeboten. Interessierte Unternehmen können sich hier informieren. Neue Beratungsschecks werden ab Oktober ausgegeben.

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