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22.01.2016

INQA-Themenbotschafter Sattelberger: "Es lohnt der Blick nach Norden"

Thomas Sattelberger, Themenbotschafter Personalführung der Initiative Neue Qualität der Arbeit, über die wichtigsten Trends und Entwicklungen im Jahr 2016.

Foto des Themenbotschafters Personalführung Thomas Sattelberger © Fotoagentur FOX/Uwe Völkner

"Wenn Sie mich nach einer zukunftsfähigen Personalpolitik fragen, dann antworte ich Ihnen: Personalpolitik allein mit einer Binnensicht auf das eigene Unternehmen genügt nicht, sie muss eingebettet sein in ein gesellschaftliches Umfeld. Wir sollten den Blick nach Norden wagen - den Blick auf das skandinavische Modell des so genannten "Dritten Weges". Dort agieren Unternehmen nicht, wie es hierzulande noch gelebte Praxis ist, im luftleeren Raum - im Gegensatz zur Zivilgesellschaft oder einem ständigen Disput mit der Politik - ,sondern in einer Art gemäßigtem Kapitalismus: einem Kapitalismus, der beim unternehmerischen Handeln das Gemeinwohl nicht außer Acht lassen darf.

Führung braucht differenzierte Sichtweisen. Das Führen erfordert heute und in der Zukunft jenseits des simplen Managens von Organisation und Mensch eine erweiterte Perspektive - mit spezifischem Ermöglichen der Netzwerk-Dynamik und der konsequenten Stakeholder-Orientierung - intern wie extern! - und der Renaissance von persönlichen und Team-Coachings. Mit der breit beachteten INQA-Studie "Führungskultur im Wandel" hat das Team von nextpractice rund um den visionären Peter Kruse, dessen Tod im Mai des vergangenen Jahres ich sehr betrauere, eindrucksvoll bewiesen: Führung nach Zahlen und numerischen Zielvorgaben funktioniert so nicht mehr.

Technische und soziale Innovationen dürfen nicht länger getrennt voneinander betrachtet werden. Denn soziale Innovationen können technische Innovationen treiben und umgekehrt. Soziale Innovationen mögen nicht nur die Produktivität erhöhen, sie beflügeln zudem die Innovationsfähigkeit von Mitarbeitern, Unternehmen und sonstigen Organisationen. Der im Februar 2015 vorgelegte KfW-Innovationsbericht Mittelstand zeigt die nachlassende Innovationsfähigkeit des deutschen Mittelstands. Ich bin überzeugt davon, dass wir diese Innovationsfähigkeit in Unternehmen und Organisationen nur dann wiederherstellen können, wenn wir Arbeitswelten ermöglichen, die Menschen zu innovativem Denken und Handeln animieren. Dazu gehört eine kluge Führung mit ehrlicher Feedback- und Scheiternskultur, mit demokratischen Strukturen und Prozessen wo nötig und selbstregulierenden Einheiten wo möglich - und ein Management, das dem Einzelnen Beachtung schenkt und keine KPIs sozialistisch wie Planwerte kaskadiert.

Führung hat mehr den je die Aufgabe, innovative Spielfelder, ja regelrechte Ökosysteme zu schaffen. Die ersten großen Konzerne machen es - oft aus schierer Not - vor: Energieunternehmen versuchen, sich radikal neu zu erfinden, große Handelsketten schaffen Acceleratorprogramme - die Zauberworte heißen Transformation und Innovation.

Der Spielball liegt aber nicht nur im Feld der Unternehmensführung. Auch die Sozialpartnerschaft unterliegt einem Transformationsprozess, denn die von Teilhabe- und Freiheitserwartungen getriebene Individualisierung der Arbeitsorganisation und -prozesse sowie eine sich öffnende Führungskultur fordern maßgeschneiderte Lösungen statt einer "One size fits all"-Lösung.

Ich sehe die Initiative Neue Qualität der Arbeit als Motor, ja als Treiber einer solchen Innovationskultur. Hierfür möchte ich mich in diesem Jahr mit besonderem Engagement einsetzen."

Ihr Thomas Sattelberger

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