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Praxisbeispiel

Spielräume schaffen: Mit individuellen Arbeitszeiten zu mehr Zufriedenheit in der Pflege

Freie Absprache von Arbeitsbeginn und Arbeitsende, Kurzsabbaticals oder betrieblich unterstützte Tagespflege für die Betreuung von Kindern - im Alfried Krupp Krankenhaus in Essen sorgt ein individuelles Angebot flexibler Arbeitszeit- und Arbeitsorganisation für gesunde und motivierte Mitarbeiter. Persönliche Wünsche und Bedarfe werden bereits im Einstellungsgespräch thematisiert und als zentrales Element der Personalentwicklung verstanden.

Lutherhaus

"Ein grundlegendes Ziel ist es, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern und auf diesem Weg Fluktuation und Krankenstände zu senken - das haben wir erreicht", erläutert Anette Ehrke-Schön als Sprecherin des Alfried Krupp Krankenhauses. Wenn Kinder krank werden oder ein Familienangehöriger gepflegt werden muss, haben die Beschäftigten zahlreiche Möglichkeiten, diese Situationen mit ihrer Erwerbsarbeit in Einklang zu bringen.

Der offensive Umgang mit Arbeitszeitmodellen reicht im Lutherhaus bis 1972 zurück: Mit dem Umzug des Krankenhauses mussten mit einem Schlag 100 neue Betten eingerichtet und entsprechend mehr Personal rekrutiert werden. Die attraktiven Arbeitszeitansätze halfen dabei, qualifizierte Kräfte an das Haus zu binden.

Einen zusätzlichen Schub bekamen die Maßnahmen durch den Audit "Beruf & Familie". Hierbei ermittelten externe Berater, welche Unternehmenskultur im Hinblick auf die familiale Situation des Pflegepersonals tatsächlich gelebt wird. In einem Auftakt-Workshop wurde eine Projektgruppe aus Mitarbeitern des Alfried Krupp Krankenhauses gebildet, die entlang vorgegebener Handlungsfelder den Ist-Zustand im Krankenhaus erfassen sollte. In einem weiteren Workshop wurden anschließend Handlungsempfehlungen und Zielvereinbarungen erarbeitet.

Konkrete Maßnahmen wurden daraufhin in folgenden Handlungsfeldern umgesetzt: Arbeitszeit, Arbeitsabläufe und Arbeitsinhalte, Informations- und Kommunikationspolitik, Führungskompetenz, Personalentwicklung und ein flankierender Service für Familien.

Eine Arbeitsgruppe trifft sich zweimal pro Jahr, um sich über die Entwicklungen auszutauschen und neue Ziele festzulegen.


Ergebnisse

Mit dem maßgeschneiderten Modell ist es gelungen, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit flexiblen Arbeitszeitmodellen und flankierenden Angeboten zu entlasten. Eine geringe Fluktuation, ein sehr niedriger Krankenstand und zahlreiche Betriebsjubiläen zwischen 10 und 40 Jahren werden als Erfolgsindikatoren gewertet.

Als Instrumente wurden dazu folgende Arbeitszeitregelungen umgesetzt:

  • etwas mehr als ein Drittel der Beschäftigten ist teilzeitbeschäftigt
  • Job-Sharing: von 11 Stations- und Abteilungsleitungsstellen sind 9 mit Teilzeitkräften besetzt
  • freie Absprache von Arbeitsbeginn und Arbeitsende, insbesondere bei Teilzeitbeschäftigten
  • Abstimmung von Dienstplänen von Ehe- beziehungsweise Lebenspartnern über verschiedene Abteilungen hinweg
  • Einrichtung von Zeitkonten, mit Plus- und Minusstunden, Gleitzeit und familienorientierten Kernzeiten. Die Einführung der Zeitkonten soll vor allem auch ausländischen Mitarbeitern einen über den tariflichen Urlaub hinausgehenden Heimaturlaub ermöglichen
  • flexible Änderung monatlicher Sollarbeitszeiten
  • verschiedene Altersteilzeitmodelle
  • Kurzsabbaticals
  • Schichtmodelle mit erhöhter Flexibilität für akute familiäre Notfälle
  • Beurlaubung zur Pflege von Angehörigen bei weiter bestehendem Vertrag
  • unbezahlter Zusatzurlaub aus familiären und anderen Gründen

Die Arbeitzeitregelungen sind Teil eines umfassenden familienfreundlichen Konzepts des Alfried Krupp Krankenhauses, das außerdem beinhaltet:

  • betrieblich unterstütze Tagespflege (B.u.T.) für die Betreuung von Kindern. Ein Modellprojekt des Vereins alleinerziehender Mütter und Väter.
  • Tageseinrichtungen für Kinder zwischen 3 und 14 Jahren des Fördervereins "Kindervilla e.V."
  • Kooperation mit 2 Kindergärten und einem Altenpflege Zentrum, um unbürokratische Unterstützung zu ermöglichen.
  • einen psychosozialen Dienst (PSD)
  • Kunst- und Kulturprogramm als Ausgleich für die berufliche Tätigkeit


Erfolgsfaktoren
  • Eine kinder- und familienfreundliche Unternehmenskultur
  • Ein ausgeprägtes Vertrauensverhältnis zu den Mitarbeitern
  • Rücksichtnahme und Verständnis von Mitarbeitern ohne familiäre Verpflichtungen
  • Leistungsfähige Personalplanungs- und Zeiterfassungssoftware
  • Bereichsübergreifende Zusammenarbeit


Hemmende Faktoren
  • Das familienfreundliche Konzept muss auch von den Mitarbeitern ermöglicht und getragen werden, die keine familiären Verpflichtungen haben
  • Unterschiedliche Nutzung des Teilzeitangebotes in den einzelnen Krankenhausbereichen

Weiterführende Informationen

Audit Beruf & Familie der Hertie-Stiftung

Zur Gesamtübersicht aller Beispiele Guter Praxis


Steckbrief

Themen:

  • Arbeitsorganisation
  • Arbeitszeit
  • Beruf und Familie
  • Betriebliche Gesundheitsförderung
  • Führungskompetenz
  • Handlungsspielraum / Teamarbeit

Branchen:

  • Gesundheitswesen

Region:

  • Nordrhein-Westfalen

Unternehmensgröße:

  • Großunternehmen

Profitierende Mitarbeiter: 359

Kontakt

Ansprechpartner im Unternehmen:
Anette Ehrke-Schön
Öffentlichkeitsarbeit
Alfried Krupp Krankenhaus Essen
Hellweg 100
45276 Essen
Tel.: 0201 - 805 2612
Fax: 0201 - 805 2622
info@krupp-krankenhaus.de
http://www.krupp-krankenhaus.de