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Praxisbeispiel

Doppelstrategie: Traumatische Ereignisse vermeiden und im Ernstfall schnell und professionell handeln.

Nach Extremerlebnissen wie Verkehrsunfällen mit verletzten oder getöteten Verkehrsteilnehmern oder gewalttätigen Übergriffen, fühlt sich das Fahrpersonal von Bussen und Bahnen häufig psychisch belastet - eine posttraumatische Belastungsreaktion. Polizei und die Kölner Verkehrsbetriebe AG versuchen, es gar nicht soweit kommen zu lassen und sensibilisieren Fußgänger für die Gefahren. Und wenn der Ernstfall dennoch eingetreten ist? Dann steht professionelle Hilfe für die Beschäftigten schnell bereit.

Szene mit Straßenbahn, Fahrgästen und Polizei

Die beste Möglichkeit, Extremerlebnissen zu begegnen, ist, sie im Voraus zu vermeiden. Deshalb starteten Beschäftigte der Service-Abteilung der KVB und Beamtinnen und Beamte der Verkehrssicherheitsberatung der Polizei Köln zahlreiche Aktionen im Kölner Stadtgebiet. Das Fahrpersonal wird bereits in der Fahrschule und durch Schulungen auf die Gefahrenmomente, aber auch auf die Möglichkeit eines Unfalls vorbereitet.

Wenn es tatsächlich zu einem traumatischen Ereignis für Fahrerinnen und Fahrer kommt, dann ist professionelle Hilfe besonders wichtig, um Spätfolgen zu vermeiden. Gerät ein Beschäftigter in eine Unfallsituation, unterstützen psychologisch ausgebildete Erstbetreuer den Betroffenen unmittelbar nach dem Vorfall, übernehmen Begleitgänge und informieren über Möglichkeiten der Nachsorge. Der Betriebsarzt steht für den Betroffenen bei Bedarf zur Verfügung. Dabei wird dann geklärt, ob Gespräche bei der betrieblichen Psychologin oder eine psychotherapeutische Behandlung erforderlich sind. Schnelle Abläufe in Bezug auf die Kostenübernahme für Behandlungsmaßnahmen ermöglichen die umgehende Unterstützung der Beschäftigten. Die Kostenzusage für die Behandlung wird durch die Berufsgenossenschaft im Regelfall noch am Tag der Antragstellung geprüft und erteilt.

Um die Betroffenen wieder in den Fahrdienst einzugliedern,

  • wird eine diagnostische Probefahrt noch während der Therapiephase in Begleitung eines Psychologen und eines Lehrfahrers durchgeführt
  • klären Psychologen und Betriebsarzt vor Abschluss der Therapie, ob der Beschäftigte seine Tätigkeit mit oder ohne Auflagen wieder aufnehmen kann
  • wird von Psychologen und dem Betriebsarzt die verkehrspsychologische Fahrtauglichkeit vor Dienstantritt bestätigt und die Fahrdienstleitung davon unterrichtet.

Auch nach der Therapiephase gibt es für die Betroffenen immer ein offenes Ohr. Betriebsarzt, betriebliche Psychologin und externe Psychologen stehen für Gespräche zur Verfügung. Es besteht die Gelegenheit, mit erfahrenen Kollegen über die persönliche Betroffenheit zu sprechen. Die emotionale Zuwendung und das Verständnis für die persönliche Situation auf der kollegialen Ebene ist der Schlussstein des Betreuungskonzeptes.


Ergebnisse

  • der Betroffene fühlt sich nicht allein gelassen
  • gesundheitliche und berufliche Fehlentwicklungen werden vermieden
  • verstärkte Inanspruchnahme von psychologischer Hilfe durch positive Erfahrungsberichte
  • positive Auswirkungen auf die Motivation und die Einstellung zum Betrieb


    Erfolgsfaktoren
    • ein umfassendes Betreuungskonzept, welches präventive, akute und nachsorgende Elemente beinhaltet
    • unmittelbar nach dem Ereignis einsetzende Betreuung
    • Zusammenarbeit mit externen erfahrenen Psychologen
    • wiederholte Gesprächsangebote und Aufklärung über das betriebliche Unterstützungssystem

    Weiterführende Informationen

    INQA-Broschüre >Herausforderung berufsbedingte Traumatisierung<

    Bundesweites Netz der Unfallnachsorge

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    Steckbrief

    Themen:

    • Arbeitssicherheit
    • psychische Faktoren
    • Trauma
    • Unternehmenskultur / Betriebsklima

    Branchen:

    • Verkehr allg.

    Region:

    • Nordrhein-Westfalen

    Unternehmensgröße:

    • Großunternehmen

    Profitierende Mitarbeiter: 3300

    Kontakt

    Ansprechpartner im Unternehmen:
    Dipl.-Psych. Ursula Reimering
    Kölner Verkehrs-Betriebe AG
    Scheidtweilerstraße 39
    50933 Köln
    Tel.: 0221 - 54 733 274
    ursula.reimering@kvb-koeln.de
    http://www.kvb-koeln.de

    Kooperationspartner:
    Prof. Dr. Wilfried Echterhoff
    Leiter
    Institut für Psychologische Unfallnachsorge (ipu)
    Mauritiussteinweg 1
    50676 Köln
    Tel.: 0221 - 96 920 39
    Fax: 0221 - 96 926 77
    echterhoff@unfallnachsorge.de
    http://www.unfallnachsorge.de