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Praxisbeispiel

Insourcing statt Outsourcing: die Eingliederungsprojekte der Berliner Stadtreinigung

Die Arbeit in einem großen Entsorgungsunternehmen ist trotz vieler technischer Hilfen kein leichter Job. Körperliche Beschwerden und Einschränkungen hindern gerade ältere Beschäftigte, mit vollem Einsatz zu arbeiten. Die Berliner Stadtreinigung (BSR) bietet den Mitarbeitern, die gehandicapt sind, eine zweite Chance.

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Mit etwa 5400 Beschäftigten gehört die Berliner Stadtreinigung zu den Großen in der Branche Abfallentsorgung. Die BSR kümmert sich in der Hauptstadt um Straßenreinigung, Recycling, Winterdienst sowie Abfallbeseitigung, Abfallverwertung. Angesichts der hohen körperlichen Belastungen in der Müllabfuhr, der Straßenreinigung und der Müllverbrennung ist der Anteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit gesundheitlichen Einschränkungen branchentypisch hoch. Die krankheitsbedingten Ausfallzeiten lagen im Jahre 2008 bei einem Zehntel. Von den rund 5400 Mitarbeitern haben 13 Prozent eine anerkannte Schwerbehinderung oder Gleichstellung und 175 Mitarbeiter eine anerkannte Leistungsminderung, d.h. dass ihnen aufgrund eines früheren Tarifvertrages bei festgestellter Leistungsminderung der Gesamtlohn gesichert wurde.

Die Berliner Stadtreinigung will auf ihre langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch bei möglichen gesundheitlichen und konstitutionellen Einschränkungen nicht verzichten und hat deshalb zwei innovative Projekte auf Initiative der Schwerbehindertenvertretungen  ins Leben gerufen. Wer nicht mehr als Straßenreiniger arbeiten kann, hat die Chance auf einen Arbeitsplatz in den beiden Modellprojekten, Papierkorbreparatur und Scout. Für den Betrieb Müllabfuhr wird 2009 ein eigenes "Integrationsprojekt" anlaufen.

Das Unternehmen hat gezielt nach neuen Einsatzmöglichkeiten gesucht, weil 'Schonarbeitsplätze' nur begrenzt vorhanden sind. Bei den in den beiden Projekten neu geschaffenen Aufgabenfeldern handelt es sich um folgende: 

Insourcing der Papierkorb-Reparatur

Jahrelang wurden die Reinigung, Reparatur und Lackierung der ca. 20.000 Berliner Papierkörbe von einer Fremdfirma ausgeführt. Durch Insourcing wurden diese Tätigkeiten - mit Blick auf die alternde Belegschaft und um neue Einsatzmöglichkeiten für gesundheitlich beeinträchtigte Mitarbeiter zu finden - wieder in das Unternehmen zurückgeholt. Unterstützend wirkte dabei die Förderung des Integrationsamtes. An den neu eingerichteten Arbeitsplätzen für 'Leistungsgewandelte' und Schwerbehinderte führen mittlerweile rund 16 Beschäftigte alle Wartungs- und Reparaturarbeiten an den Papierkörben aus. Auch für das Unternehmen hat sich das Insourcing gelohnt: die Arbeitszufriedenheit ist gestiegen und die Ausfallzeiten der Beschäftigten haben sich deutlich vermindert.

Die Papierkorbreparaturwerkstatt konnte mit Hilfe des Integrationsamtes schon zweimal modernisiert werden und die Anzahl der Mitarbeiter wurde auf 20 erhöht.

2005 wurde mit dem Unternehmen eine Vereinbarung zum betrieblichen Eingliederungsmanagement abgeschlossen. Zur Wiedereingliederung der Mitarbeiter wird die Möglichkeit genutzt, eine Arbeitserprobung in der Papierkorbreparaturwerkstatt durchzuführen.

● Scout-Projekt

Mit Unterstützung des Integrationsamtes Berlin konnte ein Projekt realisiert werden, das leistungs­geminderten Mitarbeitern und Schwerbe­hinderten als sog. 'Scouts' neue Tätigkeitsfelder bei der BSR eröffnet. Paarweise sind die Scout-Mitarbeiter in mobilen Einsatzteams zu außerplan­mäßigen Reinigungseinsätzen hochfrequentierter innerstädtischer Plätze und Straßen unterwegs. Ihre Aufgabe ist die 'Blitzreinigung' der Straßen (Beseitigung von "Tretminen" und Dreckhaufen) und der Papierkörbe. Darüber hinaus sind sie ers­te Anlaufstelle und Ansprechpartner für Passanten bei Fragen zur Berliner Stadtreinigung und zur Müllentsorgung. Die mobilen Einsatzteams sind mit auffällig lackierten tigerfarbenen Mini-Vans samt Anhänger an sieben Tagen der Woche in zwei Schichten unterwegs, um Berlins Zentren sauber zu halten. Durch die auffällige Farbgebung der Trans­portmittel ist der Wiedererkennungseffekt bei den Passanten hoch. Auch aufgrund der öffentlichen Anerkennung, die den Scout-Mitarbeitern bei der Erledigung ihrer Aufgaben entgegengebracht wird, identifizieren sich diese besonders stark mit dem Projekt.

Und da sich die Scouts auch bei den Berlinerinnen und Berlinern großer Beliebtheit erfreuen, stockte die BSR das ursprünglich 15-köpfige Team schon ein Jahr nach dem Startschuss (2007) um weitere elf Kollegen auf.

In Sachen Integration leistungsgeminderter oder behinderter Menschen ins Berufsleben nimmt die Berliner Stadtreinigung eine Vorreiterrolle für sich in Anspruch.


Ergebnisse

  • Senkung der Krankenstände (von 1293 auf 451 Arbeitstage)
  • Die vorhandene Leistungsfähigkeit der Kollegen sollte erhalten bleiben und im vollen Umfang genutzt werden.


Erfolgsfaktoren
  • gute Zusammenarbeit zwischen einzelnen Zuständigkeitsbereichen (Personalabteilung, Einkauf, Bauabteilung)
  • Unterstützung durch den Vorstand, die zuständige Personalvertretung
  • Unterstützung von der Geschäftseinheit Einkauf, der die Kostenvoranschläge für Bauleistungen und Maschinen eingeholt hatte, und von der internen Bauabteilung zur Überwachung der Umbaumaßnahmen.

Weiterführende Informationen
Die Praxishilfe "Länger Arbeiten in gesunden Organisationen" kann auch als Printausgabe unter modellprogramm@baua.bund.de bestellt werden.

Praxishilfe: Länger Arbeiten in gesunden Organisationen

Entsorgen - aber sicher (Medienprojekt)

Gute Praxis Beispiel: Gesundheitslotsen bei der BSR

Scout-Projekt von der BSR

Zur Gesamtübersicht aller Beispiele Guter Praxis


Steckbrief

Themen:

  • Arbeitszufriedenheit / Motivation
  • Betriebliche Gesundheitsförderung
  • Demographischer Wandel
  • Personalentwicklung

Branchen:

  • Abwasser- und Abfallbeseitigung, Entsorgung

Region:

  • Berlin

Unternehmensgröße:

  • Großunternehmen

Profitierende Mitarbeiter: 46

Kontakt

Ansprechpartner im Unternehmen:
Helmfried Hauch
Gesamtschwerbehindertenvertretung
Berliner Stadtreinigung (BSR)
Ringbahnstr. 96
12103 Berlin
Tel.: 030 - 7592 2202
helmfried.hauch@bsr.de
http://www.bsr.de

weitere Ansprechpartner:
Andreas Scholz-Fleischmann
Vorstand für personelle und soziale Angelegenheiten, technische Dienstleistungen
Berliner Stadtreinigung (BSR)
Ringbahnstr. 96
12103 Berlin
Tel.: 030 - 7592 2390
andreas.scholz-fleischmann@bsr.de
http://www.bsr.de

Kooperationspartner:
Dr. Ingrid Matthäi
Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft
Trillerweg 68
66117 Saarbrücken
Tel.: 0681 - 954 24 20
matthaei@iso-institut.de
http://www.lago-projekt.de

Downloads

BSR-Unternehmensportrait

PDF: 655.2 KB