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Praxisbeispiel

Hilfen für helfende Berufe: Ein Leitfaden weist den Weg zu mehr Gesundheit in der Altenpflege

Überdurchschnittliche Fehlzeiten waren für die Leitung des Marie-Juchacz-Hauses in Würzburg ein Alarmzeichen. Ein Leitfaden der AOK Bayern wies den Weg zu einer systematischen Verbesserung der Arbeitssituation im Haus. Mehr Gesundheit für die Beschäftigten und eine höhere Pflegequalität - so lautet die erste Zwischenbilanz.

Pflegerin hilft Seniorin

Das Marie-Juchacz-Haus in Würzburg bietet drei Formen der Seniorenbetreuung: Lang- und Kurzzeitpflege sowie Betreutes Wohnen. Die Pflegetätigkeit zeichnet sich insbesondere durch unregelmäßige Arbeitszeiten, ein hohes Arbeitspensum sowie besondere physische und psychische Belastungen aus. Häufig führen diese hohen Belastungen zu pflegeberufstypischen Erkrankungen wie Haut-, Muskel-Skelett- oder Infektionserkrankungen, aber auch zum Burnout-Syndrom.

Überdurchschnittliche Fehlzeiten im Marie-Juchacz-Haus waren bei der AWO Würzburg ein Zeichen, etwas tun zu müssen. Die Verantwortlichen holten sich Rat bei der AOK Bayern. Mithilfe des branchentypischen Leitfadens "Gesundheit für Beschäftigte in der Altenpflege" wurden zunächst die wesentlichen körperlichen, psychischen und organisatorisch bedingten Belastungen ermittelt. Die AOK berät die Unternehmen bei der Anwendung des Leitfadens im Vorfeld, bei der Durchführung und bei der Umsetzung der Ergebnisse.

Im Anschluss wurde ein Team aus sechs Pflegekräften und einem Pflegemanagement-Praktikanten gebildet. Gemeinsam mit dem Projektkoordinator wurde der Leitfaden bearbeitet, der ein Selbstbewertungsverfahren enthält. Dabei werden Schwerpunkte körperlicher, psychischer oder psychosozialer und organisatorischer Arbeitsbelastungen abgefragt.

Der Leitfaden wurde während der Arbeitszeit besprochen und so organisatorisch in den Arbeitsalltag der Pflegeinrichtung integriert. In drei zeitlich und thematisch voneinander getrennten Sitzungen wurde jeder Belastungsbereich getrennt behandelt. Auf diese Weise wurden auch Arbeits- und Organisationsstruktur, Personalplanung und Dienstplangestaltung hinterfragt.

Es entstand so ein individueller, betriebsspezifischer Maßnahmenkatalog, der sowohl Aspekte der Verhaltens-  als auch der Verhältnisprävention berücksichtigte:

  • Schulungen zu Schwerpunktverlagerung, Bewohneraktivierung, Gebrauch von Hilfsmitteln, Ausgleichsübungen
  • Anschaffung fehlender Hilfsmittel (Gleitmatten, Haltegürtel, Liftertücher)
  • Fortbildungen zu Entspannungstechniken, Sterbebegleitung, Kritikgesprächen, Demenz
  • Einführung von Fallbesprechungen
  • Verbesserung der Kommunikation und Information der Pflegekräfte und im gesamten Unternehmen
  • gemeinsame Aktivitäten außerhalb der Arbeit zur Stärkung des Betriebsklimas
  • Verstärkung von Lob und Anerkennung


Ergebnisse

  • Im körperlichen wie im psychosozialen Belastungsbereich wurden Verbesserungen der Arbeitsverhältnisse und des Verhaltens am Arbeitsplatz erzielt.
  • Dadurch erhöhte sich die Leistungsbereitschaft, das Wohlbefinden und die Gesundheit der Pflegekräfte.
  • Es konnte eine Steigerung der Pflegequalität erreicht werden.


Erfolgsfaktoren
  • intensive Kommunikation und Einbindung der Mitarbeiter (als eigentliche Experten)
  • zeitnahe Umsetzung geplanter Veränderungen
  • ganzheitliche Erfassung der Arbeitsbelastungen
  • Nutzung des branchentypischen Leitfadens
  • Einführung und Beratung durch AOK Bayern

Weiterführende Informationen

AOK Bayern: Leitfaden Gesundheit für Beschäftigte in der Altenpflege. AOK Bayern - Die Gesundheitskasse, Zentrale Gesundheitsförderung 2004. (nur für die interne Betreuung)

INQA Publikationen zum Thema Pflege

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Steckbrief

Themen:

  • Arbeitsorganisation
  • Arbeitsplatzgestaltung
  • Betriebliche Gesundheitsförderung
  • Krankenstand

Branchen:

  • Gesundheitswesen
  • Sozialwesen

Region:

  • Bayern

Unternehmensgröße:

  • Kleinunternehmen

Profitierende Mitarbeiter: 40

Kontakt

Ansprechpartner im Unternehmen:
Raimund Binder
Einrichtungsleiter
AWO Marie-Juchacz-Haus
Jägerstr. 15
97082 Würzburg
Tel.: 0931 - 41905 0
marie-juchacz-haus@awo-wuerzburg.de
http://www.awowuerzburg.de/

Kooperationspartner:
Volker Weißmann
Berater für Betriebliche Gesundheitsförderung
AOK Bayern
Kardinal-Faulhaber-Platz 1
97072 Würzburg
Tel.: 0931 - 388 175
volker.weissmann@by.aok.de
http://www.aok-business.de/bay