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Praxisbeispiel

Wenn Helfer Hilfe brauchen - Psychologische Vorteile durch selbstbewusstes Auftreten im Pflegeberuf

Dass hohe Arbeitsbelastungen im Pflegeberuf auftreten, ist allgemein bekannt. Die psychiatrische Fachklinik MediClin an der Lindenhöhe verzeichnet durch dieses Problem einen erhöhten Krankenstand. Um diesem Trend entgegenzuwirken, beschloss die Leitung, ein Programm der BGW (Berufsgenossenschaft Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege) umzusetzen.

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Die MediClin Klinik an der Lindenhöhe in Offenburg ist eine psychiatrische Fachklinik und bietet dementsprechend psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an. Die Klinik verfügt über 125 Betten und 30 tagesklinische Plätze für ihre Patienten, für deren Betreuung 219 Mitarbeiter zuständig sind.

Die hohe Arbeitsbelastung in der Klinik resultiert aus einer überdurchschnittlich hohen Belegung. Aber nicht nur die Fülle an Patienten beansprucht die Klinikmitarbeiter, auch Kommunikationsprobleme zwischen Pflegekräften und Ärzten sowie vereinzelte Gewalteskalationen der Patienten machen das Arbeiten der Beschäftigten nicht gerade einfacher.

Angesichts dieser Umstände ist es nicht verwunderlich, dass sich ein hoher Krankenstand einstellt, in einzelnen Teams gibt es Dauerkranke und Suchtprobleme. Um da Abhilfe zu schaffen, wollte man das Programm „Betriebliche Gesundheitsförderung durch Personalentwicklung“ (BGWgesu.per) des BGW umsetzen.

Ziel des Programms ist, die (methodischen, sozialen und personalen) Kompetenzen der Mitarbeiter weiterzuentwickeln und zu stärken, d. h. eigene Handlungsmöglichkeiten besser einzuschätzen und zu nutzen. Denn kompetente Pflegekräfte wissen Krisensituationen zu bewältigen, da sie selbstbewusster, motivierter und zufriedener sind mit ihrer Arbeit. Ein Kompetenzerwerb mit "Schneeballeffekt": Jedes erfolgreich bewältigte Problem ist für die Mitarbeiter ein Erfolgserlebnis, was sie wiederum für künftige Stresssituationen stärkt. Das neue Selbstbewusstsein trägt zu einer erhöhten Arbeits- und Lernmotivation, zu mehr Zufriedenheit und Gesundheit bei.

Die Planung und Durchführung der Maßnahmen lag im Wesentlichen in den Händen des Steuerkreises und des Beraters. Eine im Vorfeld durchgeführte Bedarfsanalyse ergab folgende Zielsetzungen für die zwei verschiedenen Ebenen:

auf der Leitungsebene

  • Strukturierung der Arbeit nach vorgegebenen Zielen
  • Delegation von Arbeitsaufgaben
  • besser für sich selbst sorgen können.
auf der Mitarbeiterebene
  • gemeinsame Formulierung von Unter- und Obergrenzen, ab wann der Krankenstand noch als „normal“ gilt und ab wann er zu hoch ist
  • offenere und direktere Kommunikation mit dem Vorgesetzten
  • größere Klarheit über die eigene Verantwortung
  • offene Ansprache von Konflikten und mehr Selbstbewusstsein
  • für sich selbst besser sorgen können.

Für beide Zielgruppen wurden die Maßnahmen an mehreren Terminen durchgeführt: Leitungskräfte mit der Thematik „Führungskräften den Rücken stärken“ (3 Termine / insgesamt 4 Tage mit 16 bzw. 13 Teilnehmer) und Mitarbeiter der Pflege mit den Themen „Konflikte konstruktiv bewältigen“ und „Eigenverantwortung entwickeln“ (je 1 Tag mit 6 - 9 Teilnehmern).

Trotz einzelner Probleme wurde das Projekt insgesamt positiv bewertet. Gerade die Methode der kollegialen Beratung stieß bei den Beteiligten auf großen Anklang und soll auch über den Projektzeitraum hinaus weiter im Arbeitsalltag angewandt werden. Auch der Steuerkreis wird weiterhin aktiv bleiben und z. B. weitere Schulungen für die Mitarbeiter koordinieren.


Ergebnisse

  • Senkung der Belastungen durch die Stärkung die Kompetenzen von Pflegekräften im Umgang mit ihnen
  • Verbesserung der „Schlüsselqualifikationen“: Zeit- und Selbstmanagement, Kommunikations- und Teamfähigkeit sowie Selbstwahrnehmung.
  • Das neue Selbstbewusstsein trägt zu einer erhöhten Arbeits- und Lernmotivation, zu mehr Zufriedenheit und Gesundheit bei.


Erfolgsfaktoren
  • systematische Vorgehensweise im Steuerkreis von der Bedarfsermittlung bis zur Erfolgskontrolle
  • Verbindlichkeit mit der das Programm von den Führungskräften eingeführt und umgesetzt wird
  • zuverlässige Umsetzung der vorgesehenen Maßnahmen zur Transfersicherung
  • angemessene Gruppengröße, geeignete Seminarausstattung in den Einrichtungen, positive Kommunikationskultur und grundsätzliche Offenheit für Veränderungen


Hemmende Faktoren
  • Einstellung: >Es sollen sich erst einmal die anderen verändern, bevor ich etwas verändere!<
  • zu wenig Mitarbeiter an der Basis mit einbezogen

Weiterführende Informationen

Unter dem untenstehenden Link finden Sie die aktuelle Multiplikatorenliste im Bereich der Pflege-/Behindertenhilfe. Sofern Sie Interesse an der Umsetzung des Programms "Betriebliche Gesundheitsförderung durch Personalentwicklung" in Ihrer Einrichtung haben, können Sie die für Ihr Postleitzahlgebiet zuständigen Multiplikatoren direkt kontaktieren.

Qualifizierungsprogramm BGWgesu.per

Betriebliche Gesundheitsförderung durch Personalentwicklung - Ein Qualifizierungsprogramm für die Pflegenden

Liste Multiplikatoren >Betriebliche Gesundheitsförderung durch Personalentwicklung<

Zur Gesamtübersicht aller Beispiele Guter Praxis


Steckbrief

Themen:

  • Führungskompetenz
  • Handlungsspielraum / Teamarbeit
  • Kommunikation
  • Personalentwicklung
  • Stress

Branchen:

  • Gesundheitswesen
  • Sozialwesen

Region:

  • Baden-Württemberg

Unternehmensgröße:

  • Mittelständisches Unternehmen

Profitierende Mitarbeiter: 50

Kontakt

Ansprechpartner im Unternehmen:
Christian Meier
Klinik an der Lindenhöhe
Bertha-von-Suttner-Str. 1
77654 Offenburg
Tel.: 0781 - 9192 241
christian.meier@mediclin.de
http://www.mediclin.de

Berater
Andreas Zimber
Qualifizierung/Organisations- und Personalentwicklung/Wissenschaftliche Begleitung
Schlossberg 13
69117 Heidelberg
Tel.: 06221 - 656 865
andrzimber@aol.com

Kooperationspartner:
Sabine Gregersen
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
BGW
Pappelallee 35/37
22089 Hamburg
Tel.: 040 - 202 073 230
sabine.gregersen@bgw-online.de
http://www.bgw-online.de