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Altersdifferenzierte Tarifpolitik zur Förderung der Innovations- und Beschäftigungsfähigkeit Älterer

Projekt-Nr.: 03-08

Ältere Verkäuferin im Einzelhandel

Dieses INQA-Projekt befasste sich mit den Auswirkungen des demographischen Wandels auf Betriebe der Metall- und Elektroindustrie, der Chemie- und Pharmaindustrie und des Einzelhandels. Hierzu wurden Experteninterviews und Betriebsfallstudien durchgeführt. Ergebnisse des Forschungsprojekts wurden in der Broschüre "Arbeitsfähigkeit erhalten und fördern" aufbereitet.

Die Analysen in der Chemie- und Pharmaindustrie, der Metall- und Elektroindustrie und im Einzelhandel zeigen, dass Differenzierung bei der Diskussion der möglichen Aus­wirkungen des demographischen Wandels Not tut: Problemlagen, Handlungsbedarfe und betriebs- und tarifpolitische Lösungsansätze unter­scheiden sich zwischen Branchen und auch zwischen Betrieben innerhalb gleicher Branchen teilweise erheblich.

Problemlagen:

  • Die Altersstrukturen in der Chemie- und Pharmaindustrie sind durch eine besondere Altershomogenität und aus­ge­prägte "Rechtsverschiebung" in den Alterskohorten 40+ gekennzeichnet und heben sich insofern sowohl von jenen in der Metall- und Elektroindustrie, insbesondere aber von jenen des Einzelhandels ab.
  • Zukünftig erwarten aber Betriebe aller drei Branchen verstärkt Probleme in zwei Feldern:
    1. Verlust von Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit wegen zunehmendem Fachkräfte- und Nachwuchs­­mangel sowie des wellenartigen Ausscheidens besonders qualifizierter älterer Beschäftigter und
    2. Zunahme und Akkumulation von körper­lichen und verstärkt psychischen Belastungswirkungen.

Betriebspolitik:

  • Eine auf die Verbesserung der Arbeitsfähigkeit bereits älterer Beschäftigter (50+) orientierte Arbeits- und Betriebspolitik fristet in den Branchen nach wie vor ein Schatten­dasein.
  • Betriebe, die sich vom Demografischen Wandel betroffen fühlen, sind hinsichtlich des Angebots von alter(n)sgerechten Maßnahmen aktiver.
  • Ein Umsteuern in der Arbeits- und Personalpolitik wird durch eine normativ noch immer wirksame "Vorruhestandsorientierung" - und zwar sowohl bei den Arbeit­gebern wie unter den Beschäftigten - erschwert.
  • Auch das Spannungs­verhältnis zwischen einer demografiesensiblen, notwendiger­weise langfristig orientierten Personalpolitik einerseits und kurzfristigen ökonomi­schen Interessen seitens der Betriebe andererseits blockiert alternsgerechte Arbeits- und Betriebspolitik.

Tarifpolitik:

  • Tarifpolitik setzt wirksame Impulse durch eine betriebliche Thematisierung und Legitimierung veränderter arbeits- und betriebspolitischer Orientierungen, wie die Erfahrungen mit dem Demografie-Tarifvertrag in der Chemie- und Pharmaindustrie zeigen. Prozedurale Regelungen dieser Art stellen aber erhöhte und teilweise neue Anforderungen an die Strategie- und Handlungsfähigkeit der Betriebsparteien. Hier ist (weitere) externe Unterstützung sinnvoll.

Das INQA-Projekt wurde am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Universität Kassel in Kooperation mit dem Soziologischen Forschungsinstitut  Göttingen (SOFI) durchgeführt und mit einem Abschlussworkshop im Dezember 2010 erfolgreich beendet.


Kontakt

Johannes Grabbe
Universität Kassel
Mönchenbergstr. 19
34109 Kassel
Tel.: 0561 8047-246
E-Mail: j.grabbe@uni-kassel.de

Dr. Knut Tullius
Universität Göttingen
Friedländer Weg 31
37085 Göttingen
Tel.: 0551 5220-511
E-Mail: knut.tullius@sofi.uni-goettingen.de

Steckbrief

Themen:
Demographie

Projekt-Nr.: 03-08