Mein nächster Beruf - Personalentwicklung für Berufe mit begrenzter Tätigkeitsdauer
Modellberuf Reinigungsberufe / Projekt-Nr.: 16-09
Insbesondere Berufe mit hohen physischen und psychischen Belastungen haben häufig eine begrenzte Tätigkeitsdauer, d. h. sie können oft nicht bis zur Rente ausgeübt werden. Als Ergänzung zu klassischen Präventionsansätzen, die die Arbeitsfähigkeit im aktuellen Beruf erhalten sollen, wird mit diesem Projekt ein neuer Weg eingeschlagen: Der rechtzeitige Wechsel in eine alternative Tätigkeit oder einen neuen Beruf.
Tätigkeits- und Berufswechsel vor dem Auftreten arbeitsbedingter Leistungs- und Gesundheitseinschränkungen sind eine Möglichkeit, die Beschäftigungsfähigkeit älter werdender Arbeitnehmer zu erhalten. Gleichzeitig können so Folgekosten für Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Versicherungsträger gesenkt werden. In zwei Berufen, nämlich der stationären Krankenpflege sowie im Straßen- und Tiefbau, wurde das Projekt bereits modellhaft erprobt. Als dritter Modellberuf wurde nun die Gruppe der Reinigungsberufe (Glas- und Gebäudereiniger/in sowie Raum- und Hausratreiniger/in) untersucht.
Beschäftigte in Reinigungsberufen sind vielfältigen Belastungen ausgesetzt, sowohl aufgrund der körperlich anstrengenden Arbeit als auch durch psychische Faktoren, beispielsweise durch zunehmenden Zeitdruck, mangelnde Wertschätzung und das negative Image in der Gesellschaft. Im Gegensatz zu den ersten beiden Modellberufen stellt der Reinigungsberuf für die Beschäftigten häufig bereits einen "nächsten Beruf" dar. Meistens haben die Personen vorher einen anderen Beruf gelernt und in diesem gearbeitet, konnten aber nach einer Unterbrechung, beispielsweise wegen Elternzeit, Krankheit oder Arbeitslosigkeit, nicht mehr dahin zurückkehren. Viele Beschäftigte besitzen für die Reinigungstätigkeit keine Qualifikation, sondern wurden im Unternehmen angelernt, was in der Regel einen Berufswechsel eher schwierig macht.
Die in den vorangegangenen Modellprojekten entwickelten Maßnahmen und Konzepte wurden auf die neue Berufsgruppe übertragen und weiterentwickelt. So wurde u. a. erneut ein Anforderungsprofil für Auszubildende und Bewerber erstellt, Frühwarnindikatoren der häufigsten Erkrankungen in Reinigungsberufen aufgelistet, sowie Wege beschrieben, um länger im Beruf zu verweilen oder in einen alternativen Beruf zu wechseln. Zudem wurden leicht verständliche und einfach zu handhabende Praxishilfen für den betrieblichen Einsatz erstellt sowie Hinweise für die Umsetzung in die Praxis gegeben.