Dem Alternsverlauf ein Schnippchen schlagen
Das "Programm zur Förderung und zum Erhalt intellektueller Fähigkeiten für ältere Arbeitnehmer" (PFIFF) will die Zusammenhänge von kognitiven und hirnphysiologischen altersbedingten Veränderungen mit persönlichkeits- und arbeitsbezogenen Faktoren genauer untersuchen und mit diesem Wissen Konzepte zur Bewahrung der Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit Älterer entwickeln. PFIFF wird im Rahmen der Initiative Neue Qualität für Arbeit (INQA) vom Bundesarbeitsministerium gefördert.
Jetzt haben die Projektpartner des Instituts für Arbeitsphysiologie an der Universität Dortmund (IfADo) erste Ergebnisse zur Verfügung gestellt. Die IfADo-Wissenschaftler Michael Falkenstein und Nele Wild-Wall untersuchten verschiedene internationale Studien in Hinblick auf den Einfluss von Sport, kognitivem Training und Ernährung auf die geistige Leistungsfähigkeit.
Die gute Nachricht lautet: Wir können den Alternsverlauf beeinflussen. Ebenfalls erfreulich: Die Empfehlungen stimmen mit den generellen Tipps für einen gesunden Lebensstil überein. Die weniger gute Nachricht: Es hilft nichts, außer - selbst aktiv werden. Unterschiedliche Studien wiesen nach: Durch körperliches Training, v.a. Ausdauersport, werden vor allem diejenigen geistigen Funktionen verbessert, die im Alter am ehesten nachlassen, die so genannten exekutiven Kontrollfunktionen. Diese beinhalten z.B. die Resistenz gegenüber Ablenkung und die Hemmung vorschneller Reaktionen. "Dabei können wir gar nicht früh genug damit anfangen. Zum einen beginnt der Alternsprozess bereits im frühen Erwachsenenalter - zum anderen wird es aber im Laufe der Jahre immer schwieriger, seine Lebensgewohnheiten zu ändern", mahnt Wild-Wall.
Geistige Funktionen können durch geeignete Aufgaben auch direkt trainiert werden ("formales Training" oder "Hirnjogging"). Hier gibt es große Studien, die schon vor Jahren in den USA durchgeführt wurden,. Sie zeigen, dass das formale Training die trainierten Funktionen verbessert. Was wichtiger ist: In neueren Studien konnte gezeigt werden, dass auch praktische Fähigkeiten wie das Autofahren, durch formales kognitives Training verbessert werden können. Im Projekt PFIFF wird daher ein seit langem bewährtes kognitives Trainingsprogramm (Mentales Aktivierungstraining, MAT) in ein Maßnahmenpaket zur Förderung der geistigen Leistungsfähigkeit bei älteren Arbeitnehmern integriert.
Schließlich können wir auch über die Ernährung wir die geistige Fitness im Alter steigern - und dabei durchaus genießen. In Fisch stecken Omega-3-Fettsäuren, die nachweislich positiv auf das geistige Altern wirken. Diese Fette stecken, in geringeren Mengen, auch in Fleisch. Dabei ist die Herkunft entscheidend: Rinder, die im Sommer auf der Weide grasen, haben die dreifache Menge davon in ihrem Fleisch. Auch Käse als fermentiertes Milchprodukt wirkt sich positiv aus. Und sogar Alkoholgenuss, natürlich in Maßen, hilft den Geist im Alter zu erhalten. Rotwein wirkt doppelt positiv, da er neben dem Alkohol auch so genannte Polyphenole aus der Traubenschale besitzt. Alkoholfrei können diese aber auch mit Traubensaft genossen werden.
Natürlich ist der Verzehr von Gemüse und Obst (am besten mit Schale, solange diese keine Schadstoffe enthält) unentbehrlich für eine Ernährung, die die geistige Leistung im Alter fördert. Vitamin C, z.B. aus Zitrusfrüchten, und Vitamine der E-Familie, wie z.B. sie in Nüssen und Pflanzenölen vorkommen, verlangsamen den geistigen Abbau. Vitaminpräparate sind bei einer ausgewogenen Ernährung nicht notwendig. Obst und Gemüse enthalten so genannte Antioxidanzien, die die Zellen vor einer Schädigung schützen, die durch Abfallstoffe des Stoffwechsels entstehen. Diese Schutzstoffe finden sich auch in Trockenfrüchten, Nüssen und Schokolade sowie in Kaffee und grünem Tee.
Alle drei Faktoren sind einfach anzuwenden und sollten daher in Kombination angewendet werden. Deshalb rät Michael Falkenstein: "Um erfolgreich zu altern, müssen wir in möglichst allen diesen Bereichen aktiv werden - Bewegung, geistige Betätigung und Training, sowie Ernährung."