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20.3.2008

Berufseinstieg auf Umwegen

Junger Mann blickt in die Kamera, im Hintergrund ein Computerbildschirm

Junge Berufseinsteiger auf Jobsuche kennen diesen Wortlaut: "An unserem Firmensitz suchen wir zum nächstmöglichen Zeitpunkt für die Dauer von 2-3 Monaten für den Bereich Marketing eine/n Praktikant/in. Vergütung: Keine". Für jeden fünften Berufseinsteiger im Alter zwischen 18 und 34 Jahren mit abgeschlossener Berufsausbildung führt der Weg zu einem regulären, unbefristeten Vollzeitarbeitsverhältnis über Stellenausschreibungen wie diese. Insgesamt muss nahezu die Hälfte (43 Prozent) der Berufsanfänger Umwege über atypische Beschäftigungsverhältnisse wie Praktika, befristete Tätigkeiten oder Leiharbeit zu einem Vollzeitjob nehmen. Lediglich ein Drittel (31 Prozent) wechselt nach der Ausbildung nahtlos in ein Normalarbeitsverhältnis. Das sind Ergebnisse der am Dienstag vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) vorlegten Studie "Was ist gute Arbeit? - Anforderungen an den Berufseinstieg aus Sicht der jungen Generation".

Die Untersuchung steht in der Tradition der repräsentativen INQA-Studie "Was ist gute Arbeit?" aus dem Jahr 2004. Sie basiert auf einer repräsentativen, telefonischen Befragung von jungen Qualifizierten, die ihre Berufsausbildung oder ihr Studium bereits abgeschlossen haben.

Die Zeit als Praktikant wird von den betreffenden Befragten im Rückblick überwiegend negativ bewertet. Was vor allem auf die Vergütung und die Arbeitssituation zurückzuführen ist. Von allen freiwilligen Erst-Praktika, die nach Abschluss der Berufsausbildung absolviert wurden, waren 51 Prozent nach Angaben der Befragten unbezahlt, 12 Prozent unangemessen und 37 Prozent angemessen vergütet. Dabei wurden mehr als 80 Prozent der freiwilligen Praktikanten mindestens zu 50 Prozent ihrer Praktikumszeit als normale Arbeitskraft eingesetzt. Knapp ein Viertel der Befragten ist denn auch der Meinung, Praktika verhinderten dauerhafte Beschäftigung und 36 Prozent empfinden diese Tätigkeitsform als unangenehm, wobei sie dennoch Chancen sehen. Von jenen, die als freiwillige Praktikanten tätig waren oder sind, fühlte sich ein knappes Drittel (30 Prozent) ausgenutzt.

Neben Praktika sind Leiharbeit, Teilzeit, befristete Tätigkeiten und Arbeitslosigkeit als Stationen beim Berufseinstieg weit verbreitet. Von allen Befragten, die nach ihrer Ausbildung mindestens einmal erwerbstätig waren, haben 10 Prozent als Leiharbeiter gearbeitet, 32 Prozent waren befristet beschäftigt, 21 Prozent in Teilzeit (unbefristet) und 37 Prozent haben Phasen der Arbeitslosigkeit erlebt.

Diesen Schwierigkeiten und den negativen Empfindungen der 18- bis 34-jährigen Erwerbstätigen beim Übergang von der Ausbildung zur Berufstätigkeit stehen ihre persönlichen Vorstellungen von "guter Arbeit" diametral entgegen. Unter den 25 wichtigsten Aspekten guter Arbeit werden als Top 5 genannt:

  1. Festes, verlässliches Einkommen
  2. Arbeit soll Spaß machen
  3. Sicherheit des Arbeitsplatzes
  4. Behandlung "als Mensch" durch Vorgesetzte
  5. Unbefristetes Arbeitsverhältnis

Die Studie zeigt: Es besteht Handlungsbedarf. Ausgehend von den Ergebnissen der Studie zum Berufseinstieg von jungen Menschen strebt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales gesetzliche Klarstellungen an, mit denen der Missbrauch von Praktikantenverhältnissen verhindert werden soll. Allerdings sollen darunter Angebot und Attraktivität von Praktikumsplätzen nicht leiden; die Chancen, als Praktikant oder Praktikantin in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen zu werden, sollen nicht geschmälert werden.

Praktika nach Ausbildung oder Studium helfen bei der beruflichen Orientierung, oft beim Job-Einstieg. Sie sind wichtig, ja  unverzichtbar. Aber sie müssen angemessen vergütet werden. Und Praktikanten sollen nicht Billig-Arbeitnehmer sein, sondern lernen und sich qualifizieren können.

Die Ergebnisse der Studie - durchgeführt vom Internationalen Institut für Empirische Sozialökonomie (inifes) im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) - können Sie als Datenblatt und Bericht im PDF-Format herunterladen.


Downloads

Bericht zu den Studienergebnissen

PDF: 820,1 KB

Datenblatt zu den Studienergebnissen

PDF: 34,5 KB