Ehrung für beispielhafte Integration am Arbeitsplatz
Es gibt sie doch, die mitarbeiterorientierten Unternehmen. Gestern wurde in Berlin erstmals die Auszeichnung "RheumaPreis - Aktiv mit Rheuma am Arbeitsplatz" an drei Preisträger mit Rheuma aus den Unternehmen Hennes & Mauritz, Michael Spielvogel GmbH & Co. KG und der Stadt Nürnberg verliehen. Der Preis honoriert vorbildliche Ideen und Beispiele zur dauerhaften Einbindung von Menschen mit Rheuma in den Arbeitsalltag.
Christa Sedlatschek, Geschäftsführerin der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) und Laudatorin, war beeindruckt von den Mut machenden Bewerbungen: "Mir haben besonders die Kraft und die Begeisterung der Preisträger imponiert, mit der sie sich - dem Rheuma zum Trotz - täglich ihrer Arbeit widmen. Mein Dank gilt allen Unternehmen, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit Rheuma einen Arbeitsplatz mit Perspektive bieten, der ihren besonderen Bedürfnissen voll und ganz entspricht."
Die drei Preisträger Steffen Grandetzka, Janine Wallasch und Karin Schmitt erhielten ein Preisgeld in Höhe von jeweils 3.000 Euro. Ihre Arbeitgeber H&M, Michael Spielvogel GmbH & Co. KG und die Stadt Nürnberg wurden mit einer Auszeichnung für bemerkenswertes Engagement für Arbeitnehmer mit Rheuma geehrt.
Mut machen, Rheuma enttabuisieren
Initiatoren des RheumaPreises sind die Arbeitsgemeinschaft Regionaler Kooperativer Rheumazentren in der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, der Verband deutscher Betriebs- und Werksärzte, die Bundesgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen, die Initiative Neue Qualität der Arbeit, die Rheuma-Liga Hessen, Kerstin Bleuel als Patientenvertreterin sowie das Gesundheitsunternehmen Abbott. Abbott vergibt im Rahmen des RheumaPreises zusätzlich den "Abbott RheumaPreis für besonderen Mut" in Höhe von 3.000 Euro, mit dem in diesem Jahr die Grafikerin Patricia Strohm aus Eislingen ausgezeichnet wurde. Obwohl sie von dem SAPHO-Syndrom, einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung, betroffen ist, wagte sie vor zwei Jahren den Sprung in die Selbstständigkeit. Heute ist sie eine erfolgreiche Unternehmerin, die sich darüber hinaus noch ehrenamtlich in der Rheuma-Liga engagiert.
Die Auswahl der Gewinner erfolgte durch eine unabhängige Jury aus Vertretern der Initiatoren. Das Gremium suchte aus 27 eingegangenen Bewerbungen die besten Beispiele partnerschaftlicher Lösungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern aus, die eine dauerhafte berufliche Einbindung von Mitarbeitern mit Rheuma ermöglichen. Zu den aufgezeigten Lösungen gehören neben dem Angebot einer besser geeigneten Stelle mit folgender Einarbeitung und Schulung die patientengerechte Umgestaltung des Arbeitsplatzes sowie die Eingliederung des Betroffenen durch Rücksichtnahme und Unterstützung seitens des Arbeitgebers. Mit den prämierten Beispielen möchten die Initiatoren andere Patienten dazu ermutigen, mit dem Arbeitgeber und den Kollegen offen über die Erkrankung zu reden.
Integration statt Resignation
In Deutschland leiden rund 1,5 Millionen Menschen an entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Morbus Bechterew oder Psoriasis-Arthritis. Rund fünf Prozent der Betroffenen geben bereits im ersten Jahr ihrer Erkrankung den Beruf auf; nach drei Jahren sind es sogar bereits 20 Prozent. Welche Lösungsmöglichkeiten stattdessen zur Einbindung Rheumakranker ins Berufsleben bestehen, zeigen die in diesem Jahr mit dem RheumaPreis ausgezeichneten Beiträge in vorbildlicher Weise.
"Nachdem ich meine Service-Tätigkeit an der Autobahnraststätte Rimberg auf Grund meiner rheumatoiden Arthitis nicht mehr ausüben konnte, hat mir mein Arbeitgeber, die Michael Spielvogel GmbH &Co. KG, eine körperlich weniger belastende Stelle als Betriebsleiterin angeboten und mich entsprechend eingearbeitet und geschult", so Preisträgerin Karin Schmitt. "Ohne das Einfühlungsvermögen und Verständnis der Betriebsleitung wäre ich heute wohl arbeitslos."
Auch Preisträgerin Janine Wallasch leidet an rheumatoider Arthitis und ist seit einigen Jahren auf den Rollstuhl angewiesen. Trotz eines Behinderungsgrads von 100 arbeitet sie heute im Jugendamt der Stadt Nürnberg. "Schon während meiner Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten wurde ich in allen möglichen Belangen gefördert und unterstützt", sagt sie. "Das hat sich auch in meinen verschiedenen Tätigkeiten bei der Stadt Nürnberg fortgesetzt, wo mir meine Arbeit durch den behindertengerechten Umbau des Arbeitsplatzes, verschiedene Hilfsmittel und flexible Arbeitszeiten sehr erleichtert wurde. Ich wünsche mir, dass ich noch lange voll arbeiten kann - schon um zu zeigen, dass man auch mit einem Handicap gut ins Berufsleben integrierbar ist."
Preisträger Steffen Grandetzka ist als Verkäufer beim Modeunternehmen Hennes & Mauritz in Berlin tätig. Nachdem bei ihm 2005 ein Morbus Bechterew diagnostiziert wurde, belasteten ihn die starken Schmerzen so enorm, dass er kaum noch arbeiten konnte. "Ich hatte die Krankheit beim Bewerbungsgespräch verschwiegen und als mich mein Chef auf meine Schwierigkeiten ansprach, fürchtete ich, gekündigt zu werden", so Grandetzka. Doch das Gegenteil war der Fall. "Sowohl die Betriebsleitung als auch die Kollegen haben mich rückhaltlos unterstützt und alles getan, damit ich meine Tätigkeit weiter ausüben kann. Auch wenn es mir heute durch eine neue Behandlung deutlich besser geht, weiß ich, dass ich bei einer möglichen Verschlechterung immer auf meinen Arbeitgeber zählen kann."
Der RheumaPreis 2010 wird Anfang des kommenden Jahres ausgeschrieben.
Weitere Informationen finden Sie unter www.rheumapreis.de.