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5.2.2010

Stell' Dir vor, es herrscht Pflegenotstand und keiner ist da

Pfleger kümmert sich im Altenheim um eine Frau

Pflegeberufe haben bei den meisten Jugendlichen kein gutes Image. Das gilt vor allem für Schüler an Gymnasien. Lediglich 3,4 Prozent der Jungen und Mädchen dort können sich vorstellen, später in einem Pflegeberuf zu arbeiten. Das ergab eine Studie der Universität Bremen, die dabei helfen soll, gezielte Strategien für eine Image- und Ausbildungskampagne für Pflegeberufe zu entwickeln. Einer der Gründe für die ablehnende Haltung bei den Jugendlichen sei, dass sie nur wenig über den Job als Pflegekraft wissen, berichten die Wissenschaftler vom Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP).

Schon jetzt ist auf Grund der demografischen Entwicklung klar: In den nächsten Jahren wird es zu einem erhöhten Bedarf an qualifizierten Fachkräften in der Pflege kommen, bei gleichzeitig schrumpfenden Nachwuchsjahrgängen. Bereits heute sind die Bewerberzahlen rückläufig.

Im Sommer 2008 wollte die damalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt dem Pflegenotstand in deutschen Kliniken mit einem Sonderprogramm begegnen. Schmidt stellte 650 Millionen Euro für 17 000 neue Pflegestellen binnen drei Jahren zur Verfügung. Im Dezember 2009 zog der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) allerdings eine ernüchternde Zwischenbilanz. Die Situation in den Krankenhäusern habe sich am Ende des ersten Förderjahres kaum verbessert. Als wichtigsten Grund dafür, dass das Förderprogramm in ihrer Klinik nicht genutzt wird, nannten die meisten Pflegemanager das fehlende Fachkräfteangebot auf dem Arbeitsmarkt.

Null Bock auf Pflege

Als Gegenmaßnahme will das Norddeutsche Zentrum zur Weiterentwicklung der Pflege (NDZ) das Image der Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege verbessern und so mehr junge Menschen zur Wahl eines Pflegeberufes motivieren. Die vom NDZ beauftragte Studie "Imagekampagne für Pflegeberufe auf der Grundlage empirisch gesicherter Daten" erhebt erstmals Zahlen über Berufswünsche von Jugendlichen in Norddeutschland. Ziel der Untersuchung ist es, Handlungsempfehlungen für Werbeaktionen zu entwickeln, die Jungen und Mädchen für eine Ausbildung in der Pflege begeistern.

Zentrales Zwischenergebnis der Bremer Studie ist, dass Pflegeberufe zurzeit sowohl für Schüler als auch für deren Eltern ein eher negatives Image haben. Nur wenige können sich vorstellen, als Pfleger oder Krankenschwester zu arbeiten. Gerademal 1,9 Prozent der Jungen und lediglich jedes zehnte Mädchen (10,4 Prozent) an allgemeinbildenden Schulen können sich die Ausübung eines Pflegeberufes für sich vorstellen. Für Hauptschüler komme die Berufswahl noch am ehesten (11,4 Prozent) in Betracht, so die Bremer Wissenschaftler. Dagegen schließen fast alle Realschüler (94,7 Prozent) und Gymnasiasten (96,6 Prozent) einen Job in der Pflege für sich aus. Am wenigsten (3,8 Prozent) können die Schüler sich den Beruf der Altenpflege vorstellen - gerade in diesem Pflegebereich bestehen aber die größten Personalprobleme.

Mangelndes Interesse und fehlende persönliche Voraussetzungen sind laut Studie die häufigsten Gründe für die ablehnende Haltung. Zudem sind die Schüler insgesamt nur in geringem Maße über Pflegeberufe informiert. Ihre Kenntnisse entsprechen in weiten Teilen bekannten Klischees über Pflegeberufe. Dies gelte insbesondere für die Jungen.

Auszubildende Pflegekräfte haben Spaß an ihrem Job

Anders dagegen das Ergebnis einer Befragung derjenigen, die bereits in Pflegeberufen tätig sind: So würden 94,4 Prozent der im Zuge der Studie befragten Auszubildenden den Pflegeberuf wieder wählen. Viele von ihnen betonen dabei den Spaß und die Freude am Beruf. Und das, obwohl sie nach einem Jahr Ausbildung auch die mit Pflegeberufen verbundenen Belastungen kennen.

"Klar ist, dass ohne zusätzliche Bemühungen keine Veränderung der Berufswahlmotivation für Pflegeberufe zu erwarten ist", sagt Stefan Görres vom IPP der Uni Bremen. Politik und Akteure des Gesundheitswesens seien zukünftig stärker als bisher gefragt, vermehrte und gezieltere Bemühungen zur Imagesteigerung vorzunehmen.

Zur Imagesteigerung trägt beispielsweise auch die Attraktiviät von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen als Arbeitgeber bei. Der Wettbewerb "Beste Arbeitgeber im Gesundheitswesen" - in Kooperation mit der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) - prämiert Betriebe für ihre mitarbeiterorientierte Unternehmenskultur. Am Mittwoch wurden in Berlin die 25 besten Einrichtungen des vergangenen Jahres ausgezeichnet.