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1.6.2010

Psychisch bedingte Fehlzeiten seit 2000 erheblich gestiegen

Verzerrte Wahrnehmung von Personen in einem Gang
© Colourbox.com

Der Krankenstand in Deutschland hat mit 3,3 Prozent wieder das Niveau von vor 10 Jahren erreicht hat. Psychisch bedingte Krankschreibungen bei Erwerbstätigen haben allerdings im selben Zeitraum um fast 40 Prozent zugenommen. Zu diesem Ergebnis kommt der Gesundheitsreport 2010 der Techniker Krankenkasse (TK). Auffällig ist ebenfalls, dass Patienten mit psychischen Erkrankungen sehr lange arbeitsunfähig sind. Je länger Mitarbeiter ausfallen, umso schwerer fällt oftmals die Wiedereingliederung in den Arbeitsalltag.

Gründe für diesen Anstieg psychisch bedingter Fehlzeiten sind vor allem in den veränderten Arbeitsbedingungen der letzten 10 Jahre zu finden. Immer und überall erreichbar zu sein erzeugt Termindruck und Zeitmangel und führt ebenso zu überhöhtem Stress wie prekäre Beschäftigungsverhältnisse, die seit einigen Jahren immer zahlreicher werden. Norbert Klusen, Vorsitzender des TK-Verbandes weiß: "Die Veränderungen in unserer Arbeitswelt gehen an den Beschäftigten nicht spurlos vorbei." Er sieht die heutige Arbeitswelt als "Pop up-Gesellschaft", in der der Arbeitsrhythmus immer seltener selbstbestimmt ist. Viele Arbeitnehmer können diesen stressgeprägten Arbeitsbedingungen nicht standhalten.

Die Hälfte der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Erkrankungen stehen auch in direkter Verbindung mit dem Führungsverhalten. Davon ist Oliver Sträter, Leiter des Fachgebiets Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Kassel, überzeugt: "Führen wird oft mit Kontrolle verwechselt" und sei eine der häufigsten Ursachen für psychischen Stress am Arbeitsplatz.

Vorgesetzte würden oft das Potential und die Loyalität ihrer Mitarbeiter unterschätzen, so Sträter weiter. Dieser Umstand führt zu Widerspruch und Missverständnissen bei Entscheidungen im Arbeitsalltag. Bei schlechter Führungsarbeit wird dann nicht auf Erfahrung und Fähigkeit der Mitarbeiter gesetzt, sondern eine strikte Anweisung erteilt, die die Mitarbeiter auszuführen haben.

Wie Sie es besser machen können, darüber informiert die Broschüre "Gute Mitarbeiterführung - Psychische Fehlbelastungen vermeiden" der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA). Weitere Publikationen, Praxisbeispiele und Informationen zum Thema finden Sie auch im Themenbereich "Gesundheitsförderung".

Der vollständige Gesundheitsreport 2010 steht auf den Internetseiten der TK zum kostenlosen Download bereit.