Fehlzeiten-Report 2010: Wettbewerbsvorteil Vielfalt
Nicht nur die deutsche Fußballnationalmannschaft profitiert von der multikulturellen Sozialisation ihrer Spieler. Immer mehr Unternehmen in Deutschland stellen gezielt Menschen wegen ihres Migrationshintergrundes ein und nutzen deren sprachliche und kulturelle Kenntnisse. Zugleich sind Beschäftigte mit ausländischen Wurzeln vergleichsweise größeren körperlichen Belastungen ausgesetzt, fühlen sich weniger von Vorgesetzten unterstützt und nicht integriert. Sie haben deshalb deutlich öfter gesundheitliche Beschwerden und sind häufiger krank. Das ist das Ergebnis einer im Fehlzeiten-Report 2010 vorgestellten Befragung in 500 Unternehmen.
Der Report, der gemeinsam vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) und der Universität Bielefeld herausgegeben wird, zeigt exemplarisch, wie Unternehmen durch betriebliche Gesundheitsförderung Belastungen verringern, die durch unterschiedliche Lebens- und Arbeitsbedingungen entstehen. Mit dem Schwerpunktthema 'Vielfalt managen: Gesundheit fördern - Potenziale nutzen' wolle man zeigen, "wie Betriebe es schaffen können, vor dem Hintergrund der Globalisierung und des demografischen Wandels ihre Mitarbeiter zu fördern, neue Fachkräfte zu gewinnen und damit letztendlich wettbewerbsfähig und innovativ zu bleiben", erläutert Helmut Schröder, Mitherausgeber des Fehlzeiten-Reports und stellvertretender WIdO-Geschäftsführer. Zudem liefert der Fehlzeiten-Report 2010 aktuelle Daten und Analysen zu den krankheitsbedingten Fehlzeiten in der deutschen Wirtschaft.
Gezielte betriebliche Gesundheitsförderung
Die Vielfalt verschiedener Kulturen, Werte, Überzeugungen innerhalb der Belegschaft und die Veränderung der Altersstrukturen stellen viele Unternehmen vor neue Herausforderungen. Als Beispiel nennt der Fehlzeiten-Report einen bayerischen Betrieb, dessen türkische Beschäftigte häufiger krank waren als die deutschen Kollegen. In Zusammenarbeit mit der AOK Bayern hat das Unternehmen neben körperlich anstrengender Akkord- und Schichtarbeit weitere belastende Faktoren identifiziert: ungleiche Behandlung durch Vorgesetzte, Sprachprobleme und damit verbundene Informationsdefizite sowie starre Arbeitszeiten während des islamischen Fastenmonats Ramadan. Gemeinsam mit den Mitarbeitern hat der Betrieb Lösungen gefunden. Jetzt gibt es zum Beispiel Wunschschichten während der unterschiedlichen Feiertage. Vier Wochen Betriebsurlaub ermöglichen den türkischen Mitarbeitern einen längeren Aufenthalt in der Heimat. Führungskräfte lernen Türkisch und in der Kantine stehen internationale Gerichte auf der Speisekarte. Der Krankenstand ist auch dadurch gesunken und das Betriebsklima hat sich deutlich verbessert.
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Längere Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen
Laut Fehlzeiten-Report 2010 hat die Zahl der Krankheitstage erneut zugenommen. Insgesamt sei der Krankenstand 2009 gegenüber dem Vorjahr leicht auf 4,8 Prozent von 4,6 Prozent gestiegen. Im Durchschnitt dauere eine Arbeitsunfähigkeit 17,3 Tage. Die Daten basieren auf den Fehlzeiten von 9,7 Millionen bei der AOK versicherten Erwerbstätigen. Ältere Arbeitnehmer sind laut Statistik weniger, aber dafür länger krank. Frauen sind häufiger, aber kürzer krank. Männer leiden vermehrt unter Muskel-Skelett-Erkrankungen und Verletzungen, Frauen eher unter Atemwegserkrankungen und Depressionen. "In den letzten Jahren nehmen psychische Erkrankungen kontinuierlich zu", erläutert Helmut Schröder. Im Vergleich zu anderen Krankheiten seien sie aber häufig mit langen Ausfallzeiten verbunden. "Bei einer Atemwegserkrankung fehlt ein Beschäftigter im Schnitt 6,5 Tage, bei einer psychischen Erkrankung sind es fast 23 Tage", so Schröder.