Arbeitsbedingungen und Belastungen
Viele Pflegekräfte haben ihren Beruf gewählt, weil ihnen die Betreuung, Versorgung und Pflege von kranken und gebrechlichen Menschen Spaß macht. Sie kümmern sich gerne und empfinden es als befriedigend, wenn sie hilfebedürftigen Menschen das Leben im Alter oder mit einem Leiden erleichtern können. Sie helfen mit präventiven, diagnostischen und therapeutischen Massnahmen, mit Diensten im Alltag und fast immer mit einem hohen persönlichen, mitmenschlichen Einsatz.
Die medizinische Seite des Pflegeberufs stellt eine weitere reizvolle Facette der Tätigkeit dar. Das nötige Wissen um Anatomie, Hygiene, Krankheits- und Medikamentenlehre macht die Pflege zu einem gleichermaßen anspruchsvollen wie faszinierenden Metier. Doch der Berufsstand leidet sowohl unter Nachwuchsmangel als auch unter zunehmender Unzufriedenheit und Frust des Pflegepersonals. Immer mehr melden sich öfter und länger krank, satteln ganz um oder kapitulieren als Frührentner. Gründe sind u.a. die problematischen Arbeitsbedingungen und die hohen Belastungen in Krankenhäusern, Pflegeheimen und in der mobilen Pflege.
Allgemeine Probleme
- Kostendruck
- permanenter Zeitdruck, Arbeitsverdichtung
- Sich verändernde Anforderungen durch das Qualitätsmanagement
- Pflegedokumentation, administrative Aufgaben nehmen zu
- Personalengpässe: Fehlzeiten, Fluktuation, Ausstiege aus dem Beruf, Personalabbau
- steigender Pflegebedarf
- älter werdende Beschäftigte und älter werdende Bevölkerung
- Zunahme von Pflegehilfskräften, die keine oder unzureichende Ausbildung haben
- Informationsdefizite
- Kombination physischer und psychischer Belastungen: Gefahr der Überforderung
- Schnittstellen in Einrichtungen und zwischen den Einrichtungen, z. B. schlechte Kommunikation zwischen Pflegekräften und Ärzten
- Negativimage der Pflegeberufe, geringe oder fehlende gesellschaftliche Anerkennung des Berufsstandes der Pflegekräfte und ähnlicher Berufe, geringe Bezahlung
- kaum Aufstiegschancen
- Beschäftigte vorwiegend weiblich, damit Doppelbelastung, geringe Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Familienplanung schwierig
- ungünstige Arbeitszeiten: Schichtarbeit, Arbeit am Wochenende und an Feiertagen, Bereitschaftsdienste und -zeiten, geteilte Dienste
- Ansteckungsgefahr (Bakterien, Pilze, Viren)
- Allergien, z.B. durch Benutzung von Latexhandschuhen, scharfen Desinfektionsmitteln u.a.
- ständige Emotionsarbeit: Mitgefühl, Freude, Trauer und z. T. Strenge
- tägliche Konfrontation mit Leid, Sterben und Tod
- eigene Ansprüche und hohes eigens Engagement: Gefahr der Entstehung von Burnout
- Reflexion über eigenen physischen und psychischen Gesundheitszustand eher unzureichend
- hohe Anforderungen und Erwartungen von PatientInnen, Pflegebedürftigen und/oder den Angehörigen
- Gewalt bei der Arbeit, z.B. körperliche Attacken durch demente PatientInnen oder Pflegebedürftige, verbale Angriffe von PatientInnen, Pflegebedürftigen oder deren Angehörige
- Widerspruch zwischen sehr hohen Anforderungen in der Ausbildung und Berufsalltag
- soziale Betreuungsleistungen kaum möglich