Studie: Schon Pflegeschüler bei schlechter Gesundheit
Einer Untersuchung des Instituts für Public Health und Pflegeforschung (IPP) der Universität Bremen zufolge, muss die Gesundheitsförderung von Pflegekräften bereits in der Ausbildung mehr Aufmerksamkeit erhalten. Denn laut der Erhebung beurteilt ein Drittel der Auszubildenden in der Pflege den eigenen körperlichen Gesundheitszustand und das allgemeine Wohlbefinden als nur befriedigend bis mangelhaft.
Gestiegene Arbeitsbelastungen, Überforderung und Burn-out bei Pflegekräften sind schon lange bekannt. Ebenso die damit verbundenen krankheitsbedingten Fehlzeiten, die hohe Fluktuationsrate und das schlechte Image des Pflegeberufs. Angesichts dieser Tendenzen und aufgrund der demographischen Entwicklung ist in naher Zukunft ein Mangel an professionellen Pflegekräften zu befürchten.
Es wird daher noch mehr als bisher auf die Gesunderhaltung der Pflegekräfte ankommen und wie sich nun zeigt, muss damit deutlich früher begonnen werden, als bislang angenommen: Die Studie "Bundesweite Vollerhebung zu Gesundheitsförderung und Prävention an Pflegeschulen" macht erstmals die Defizite der Ausbildungsstätten bei ihren Bemühungen deutlich, zukünftig Pflegende gesund zu erhalten.
Bereits die Hälfte der Schülerinnen und Schüler (52,6 Prozent) klagt über Kreuz- bzw. Rückenschmerzen, die täglich bis wenigstens einmal wöchentlich auftreten. 49 Prozent geben Nacken- oder Schulterschmerzen an. Unter Kopfschmerzen leiden 45,9 Prozent der angehenden Pflegekräfte mindestens einmal wöchentlich. Gut ein Drittel (36 Prozent) gibt an, täglich bis mehrmals wöchentlich schlecht zu schlafen. Bei 26 Prozent kommt es zu Bauch- und Magenschmerzen.
"Klar ist, dass aus den Ergebnissen deutliche Konsequenzen gezogen werden müssen. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege besteht ein deutlicher Bedarf an gesundheitsförderlichen Konzepten gerade angesichts alternder Belegschaften", mahnt Professor Stefan Görres vom IPP der Uni Bremen. Neu ist - das zeigen die Ergebnisse der IPP-Studie -, dass damit schon in der Ausbildung begonnen werden muss.
Bewährte Handlungshilfen und vielfältige Informationen zum Themenbereich Sicherheit, Gesundheit und Wettbewerbsfähigkeit in der Pflegebranche stellt der Thematische Initiativkreis INQA-Pflege zur Verfügung. Weitere Materialien finden Sie auch im Themenbereich Gesundheitsförderung.
Im Rahmen der Studie, die von Oktober 2009 bis Juli 2010 erfolgte, wurden alle 1.314 Pflegeschulen in Deutschland erfasst. Zusätzlich wurden 1.119 Pflegeauszubildende zu ihrem Gesundheitsverhalten befragt. Mehr Informationen zum Forschungsprojekt finden Sie unter www.public-health.uni-bremen.de.