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Startseite Themen Lebenslanges Lernen
23.6.2010

Wirtschaftskrise: Weniger Betriebe bilden weiter

Ein älterer Herr erklärt drei jungen Mitarbeitern etwas am Laptop
© Colourbox

Immer weniger Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern Weiterbildungen an. Das berichtet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift IAB-FORUM. Mit 45 Prozent lag der Anteil der Betriebe, die ihren Beschäftigten regelmäßig Weiterbildungen ermöglichen, im Jahr 2009 vier Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Grund für den Rückgang sei die Wirtschaftskrise. Vielen Arbeitgebern würde es in der aktuellen Situation schwer fallen, die mit der Weiterbildung verbundenen Aufwendungen zu tragen, so die IAB-Forscher Lutz Bellmann und Ute Leber.

Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten beinhalten Weiterbildungsangebote jedoch die wichtige Botschaft für die Beschäftigten, dass der Betrieb trotz der gegenwärtigen Probleme weiter mit ihnen plant. Dies wiederum könne die Motivation und Leistungsfähigkeit stärken, argumentieren die Wissenschaftler.

Bedenklich ist der Rückgang der betrieblichen Weiterbildungsaktivitäten auch, weil die Bedeutung von lebenslangem Lernen für die gesellschaftliche Bewältigung des demographischen Wandels außer Frage steht. Qualifizierte Mitarbeiter sind die Voraussetzung für eine leistungsfähige Wirtschaft, für wettbewerbsfähige Betriebe. Gerade im Zusammenhang mit einer verlängerten Lebensarbeitszeit und dem absehbaren Fachkräftemangel kommt es darauf an, dass alle Beschäftigten ihr Wissen auf dem neuesten Stand halten und sich unabhängig vom Alter weiterbilden.

Positiv ist deshalb, dass in den Betrieben, die 2009 Weiterbildungen angeboten haben, sogar mehr Beschäftigte teilgenommen haben als ein Jahr zuvor: Der Anteil stieg hier von 33 auf 35 Prozent. "Es ist anzunehmen, dass dies insbesondere auf solche Unternehmen zutrifft, in denen Weiterbildung integraler Bestandteil der Personalentwicklung ist. Hier werden möglicherweise die zeitlichen Freiräume in Phasen nicht voll ausgelasteter Produktionskapazitäten dazu genutzt, mehr Mitarbeiter als sonst üblich zu qualifizieren", so Bellmann und Leber.

Insgesamt hat sowohl 2008 als auch 2009 etwa ein Viertel aller Beschäftigten an Weiterbildungsmaßnahmen teilgenommen, zeigen die Daten des IAB-Betriebspanels, einer jährlich durchgeführten repräsentativen Befragung von rund 16.000 Arbeitgebern.

Zur stabilen Teilnehmerquote hat vermutlich auch das WeGebAU-Programm beigetragen, mit dem die Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen gefördert wird. Laut einem am Dienstag veröffentlichten IAB-Kurzbericht (PDF: 2,17 MB)   nutzen immer mehr mittlere und größere Betriebe die Beihilfe der Bundesagentur für Arbeit. Im Jahr 2009 gab es mehr als 100.000 Förderfälle. 2008 nutzten rund 40 Prozent der Betriebe mit über 100 Beschäftigten, die das Programm kannten, die Fördermöglichkeiten. Zwei Jahre zuvor waren es noch weniger als 30 Prozent gewesen. Schwer zu erreichen sind hingegen Kleinstbetriebe mit weniger als zehn Beschäftigten. Nur 20 Prozent der Kleinstbetriebe, die zumindest Teile des Programms kannten, nahmen die Förderung in Anspruch. Mehr Arbeitgeberinformationen zur Förderung der beruflichen Weiterbildung Beschäftigter finden Sie unter www.arbeitsagentur.de.

Die aktuelle Ausgabe 1/2010 der Zeitschrift IAB-FORUM mit dem Schwerpunktthema "Berufliche Weiterbildung" ist für 5,50 Euro zuzüglich Versandkosten erhältlich beim IAB-Bestellservice, E-Mail IAB-Bestellservice@wbv.de.