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23.4.2010

Deutsche Wirtschaft entdeckt ihr Herz für Familien

Ein Vater sitzt mit zwei Kindern auf einer Couch und liest aus einem Buch vor.
© Colourbox.com

Immer mehr Unternehmen in Deutschland setzen auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie - und das trotz der Wirtschaftskrise. Für mehr als die Hälfte (60 Prozent) der Betriebe sind familienfreundliche Angebote ein zentraler Bestandteil der Personalentwicklung. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Unternehmensbefragung, die das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Auftrag des Bundesfamilienministeriums nach 2003 und 2006 jetzt zum dritten Mal durchgeführt hat.

Der "Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2010" zeigt auf, wie sehr die Arbeitgeber ihre Beschäftigten bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützen. Der Untersuchung zufolge schätzen fast 80 Prozent mittlerweile Familienfreundlichkeit als wichtig ein. Das sind deutlich mehr als noch 2006 (72 Prozent) oder gar 2003 (46 Prozent). Dabei spielt neben der Unterstützung junger Eltern die Organisation von Pflege von Familienangehörigen zunehmend eine Rolle. In knapp 35 Prozent der Unternehmen können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Arbeit - über die gesetzlichen Regelungen hinaus - unterbrechen, fast jedes elfte Unternehmen macht finanzielle oder anderweitige Angebote für die Inanspruchnahme eines Pflegedienstes oder einer Kurzzeitpflege.

"Die Vereinbarkeit von Beruf und Pflegeaufgaben wird uns künftig noch stärker beschäftigen. Angesichts des wachsenden Fachkräftemangels ist das eine große Herausforderung für die Betriebe. Damit das gelingt, wollen wir unter anderem Best-Practice-Beispiele von Unternehmen bekannter machen", kündigte Hans Heinrich Driftmann, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), bei der Vorstellung des Unternehmensmonitors am Mittwoch in Berlin an.

Die Motive für die Einführung von familienfreundlichen Maßnahmen machen deutlich, dass sich die Unternehmer der Bedeutung ihrer Beschäftigten für die Zukunftsfähigkeit des Betriebes sehr bewusst sind: Die wichtigsten Argumente sind laut Unternehmensmonitor "Qualifizierte Beschäftigte halten und gewinnen" (93 Prozent), "Arbeitszufriedenheit bzw. Produktivität erhöhen" (93 Prozent bzw. 80 Prozent) und "aus der Elternzeit zurückkehrende Beschäftigte schnell integrieren" (77 Prozent).

"Zeit für Verantwortung in der Familie und Zeit für qualifizierte Arbeit dürfen sich in unserer Gesellschaft nicht ausschließen", appellierte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder bei dem zentralen Mitgliedertreffen des Unternehmensnetzwerkes "Erfolgsfaktor Familie" im Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin vor mehr als 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Otto Kentzler, Präsident des Netzwerkspartners Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), wies in einer ersten Stellungnahme darauf hin, dass "eine geringe Fluktuation und ein niedriger Krankenstand zeigen, dass sich familienfreundliche Maßnahmen auch betriebswirtschaftlich rechnen."

Die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) hat Hilfen für eine familienfreundliche Unternehmenskultur für Personalverantwortliche in großen, mittleren und kleinen Unternehmen zusammengestellt.

Der Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2010 steht auf den Internetseiten des Bundesfamilienministeriums als kostenloser PDF-Download (1,1 MB) bereit. Weitere Informationen finden Sie unter www.erfolgsfaktor-familie.de.