Frauen in Führungspositionen: Stillstand bei der Chancengleichheit
Der Frauenanteil unter den Führungskräften der deutschen Privatwirtschaft stagniert. Selbst als Führungskräfte verdienen Frauen weniger als ihre männlichen Kollegen. Zudem sind Frauen in den Spitzenpositionen der großen Unternehmen nach wie vor kaum vertreten. Das sind zentrale Ergebnisse des Führungskräfte-Monitor 2010 des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).
Vor allem die Familienbildung und die Ungleichverteilung auf dem Arbeitsmarkt wirkten sich negativ auf die Karrierechancen von Frauen aus. Elke Holst, Expertin des DIW, fordert verbindliche Zielgrößen zur Erhöhung des Frauenanteils im Management: "Frauen haben zwar bei der Qualifikation aufgeholt, treten aber auf der Stelle".
Der Anteil der Frauen an den Führungskräften in der Privatwirtschaft liegt seit 2006 bei 27 Prozent, obwohl über die Hälfte der Angestellten Frauen sind. Männer dominieren auf allen Führungsebenen - mit einem klaren Hierarchiegefälle zwischen den Geschlechtern: Auf der unteren Managementebene sind Frauen nach Angaben des DIW Berlin mit 39 Prozent am häufigsten vertreten, in den Vorständen großer Unternehmen kommen sie so gut wie gar nicht an.
Der Frauenanteil in Führungspositionen ist mit 37 Prozent am höchsten in jüngeren Jahren, wenn noch keine Kinder vorhanden sind, und sinkt in der Kernerwerbsphase zwischen 35 bis unter 55 Jahren auf ein Viertel. Die in Führungspositionen üblichen langen Wochenarbeitszeiten lassen sich zum Beispiel mit Hausarbeit und Kindererziehung kaum in Einklang bringen, so die Studie.
Bei immerhin knapp jeder zweiten weiblichen Führungskraft ist die Arbeitsteilung im Haushalt mit dem Partner gleichberechtigt organisiert, wenn auch nicht von einem Trend zum Rollentausch gesprochen werden kann.
Der Führungskräfte-Monitor 2010 basiert auf dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) und Sondererhebungen und ist ein Update des Führungskräfte-Monitor 2001-2006. Sie können die Publikation auf den Seiten des DIW Berlin kostenlos herunterladen (PDF: 1,39 MB).
Frauen in Führungspositionen ist auch das Thema eines Langzeitprojektes, das die Initiative Neue Qualität (INQA) und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) im Rahmen der Forschungsaktivitäten des Instituts für Unternehmensführung (IBU) der Universität Karlsruhe (TH)/KIT fördern.
Das BMAS hat darüber hinaus im Januar die neue Bundesinitiative "Gleichstellung von Frauen in der Wirtschaft" gestartet, mit der Projekte gefördert werden, die gezielt die beruflichen Rahmenbedingungen und Chancen der Frauen verbessern sollen.