Nur jedes siebte deutsche Unternehmen betreibt betriebliche Stressprävention
Die Besorgnis über psychosoziale Risiken wie etwa Stress, Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz nimmt zu. Laut der Studie "Europäische Erhebung unter Unternehmen zu neuen und aufkommenden Risiken" (ESENER) ist Stress am Arbeitsplatz für die befragten Unternehmen damit ebenso bedeutsam wie etwa Arbeitsunfälle. Die Ergebnisse der Erhebung wurden von der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) erstmals vorgestellt.
Dennoch wendet nur jedes siebte deutsche Unternehmen Verfahren an, die der Stressprävention dienen - insgesamt knapp 15 Prozent. Damit liegt Deutschland unter dem europäischen Durchschnitt: In der Europäischen Union engagiert sich immerhin jeder vierte Betrieb systematisch gegen die negativen Folgen von Stress im Job.
"Während die Finanzkrise um sich greift, äußern 79 Prozent der europäischen Manager Besorgnis über arbeitsbedingten Stress", präzisiert Jukka Takala, der Leiter der EU-OSHA. "Es stimmt jedoch sehr bedenklich, dass trotz der starken Besorgnis, die dieses Phänomen auslöst, nur 26 Prozent der Unternehmen in der EU angemessene Verfahren nutzen, um dem Problem Stress zu begegnen."
Die ESENER-Studie zeigt außerdem, dass vor allem mangelnde Ressourcen wie Zeit, Personal oder Geld (36 Prozent) sowie ein mangelhaftes Bewusstsein (26 Prozent) die größten Hemmnisse für den Umgang mit Arbeitsschutzfragen sind. Zudem halten es 42 Prozent der Befragten aus dem Management für schwieriger, psychosoziale Risiken zu bewältigen als mit anderen Sicherheits- und Gesundheitsproblemen umzugehen.
Für die Studie wurden 36.000 Manager und Arbeitsschutzbeauftragte aus den 27 Ländern der Europäischen Union und aus Norwegen, Kroatien, der Türkei sowie der Schweiz befragt. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse finden Sie auf einer Übersichtsseite der EU-OHSA.
Dem Thema "Psychische Belastungen und Beanspruchungen" widmet sich auch eine Veranstaltung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in Dortmund. Vom 23. bis 24. Juni werden den Seminarteilnehmern geeignete Analysemethoden zum Ermitteln und Bewerten psychosozialer Risiken sowie Maßnahmen zur Verhaltens- und Verhältnisprävention vorgestellt.
Wie Unternehmen wirkungsvoll Stressprävention betreiben können, darüber informiert die Broschüre "Gute Mitarbeiterführung - Psychische Fehlbelastungen vermeiden" der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA).
Weitere Publikationen, Praxisbeispiele und Informationen zum Thema finden Sie auch im Themenbereich "Gesundheitsförderung".