INQA-Projekt: Eintönige Arbeit lässt Beschäftigte geistig schneller altern
Wer viele Jahre stumpfe, eintönige Arbeit am Fließband verrichtet, der altert im Kopf schneller als Kollegen mit abwechslungsreichen Tätigkeiten. Das hat eine Forschergruppe vom Institut für Arbeitsphysiologie (IfADo) der Technischen Universität Dortmund im Rahmen eines Projektes der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) jetzt herausgefunden. Im Mittelpunkt stehen die Stärken und Schwächen älterer Arbeitnehmer und die Besonderheiten bei der Fließbandarbeit. Über die Ergebnisse berichtet die aktuelle Ausgabe 12/10 von mundo, dem Forschungsmagazin der TU Dortmund.
Das Wissenschaftlerteam um den Leiter der Projektgruppe Michael Falkenstein ist bundesweit das erste, das sich dieser Thematik genauer angenommen hat. Dass Fließbandarbeiter mit schwierigen Arbeitsbedingungen zu kämpfen haben, ist schon länger bekannt. Durch eintönige Arbeit in teils unbequemen Positionen tragen sie häufiger körperliche Schäden davon und werden so im Alter häufiger und länger krank. Welche Auswirkungen Fließbandarbeit aber auch auf die Gehirnleistung habe kann, ist bisher kaum untersucht worden.
Falkenstein hat dafür 46 Fließbandarbeitern der Adam Opel GmbH in Bochum im Rahmen des INQA-Projektes PFIFF (Programm zur Förderung und zum Erhalt intellektueller Fähigkeiten für ältere Arbeitnehmer) in die Köpfe geschaut. Das IfADo arbeitet daran zusammen mit der Ruhr-Universität Bochum und der Gesellschaft für Gehirntraining. Der neue INQA-Bericht Nr. 39 dokumentiert Forschungs- und Umsetzungsergebnisse des Projekts.
Die Ergebnisse seiner Auswertung nennt Falkenstein "ernüchternd, aber nicht anders erwartet": Ältere Teilnehmer, die seit vielen Jahren stumpfe, eintönige Arbeit am Fließband verrichten, sind im Kopf deutlich schneller gealtert als ihre Kollegen mit gleicher Ausbildung, aber anregenden Tätigkeiten. Die Schwachstelle im Hirn der älteren Fließbandarbeiter ist das Arbeitsgedächtnis. "Eine zentrale Gedächtnisfunktion, die wir täglich brauchen und die immer wieder aufgefrischt werden muss", erklärt Falkenstein.
Genau hier dockt der dritte Teil des PFIFF-Projekts an. Im ersten PFIFF-Teil, einer Literaturstudie, wurde anhand vorliegender Forschungsergebnisse zusammengestellt, was Menschen fit hält: gesunde Ernährung, viel Bewegung, geistige Anregung und erfolgreiche Stressbewältigung. Im zweiten Teil wurden die Schwachstellen in älteren Hirnen aufgespürt. Der dritte Teil setzt die Ergebnisse um in ein Trainingsprogramm.
Mentales Training kann den Fließbandarbeitern helfen, ihre grauen Zellen wieder zu aktivieren. Daher hat das IfADo in einem Schulungsraum im Bochumer Opel-Werk 25 Computer aufgebaut und mit einem geeigneten Trainingsprogramm bestückt. Auch den Erfolg des Trainings will Falkenstein beobachten: "Vor Beginn des Trainings haben wir die Hirnströme gemessen, und nach Abschluss werden wir es auch tun, um zu schauen, ob sich durch das Gehirnjogging etwas verändert hat im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die das Training noch nicht gemacht hat."
Vom 14. bis 16. Oktober 2010 findet in Dortmund die vom IfADo organisierte internationale Tagung "Aging & Cognition" statt, die Altersforscher aus aller Welt zusammenbringt. Die Schwerpunkte des Kongresses lauten Altern und Kognition, Altern und Gehirn sowie Interventionen zur Beeinflussung kognitiver Veränderungen im Alter.