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Büroarbeit: "Genügend Potenziale, die noch nicht ausgereizt sind"

Interview mit Dr. Jörg Kelter, Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Dr. Jörg Kelter, Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO
  • Herr Dr. Kelter, Sie haben vor gut einem Jahr den "Office Excellence Check" ins Internet gestellt. Worum geht es in dem Test, und für wen ist er gedacht?
    Der Test wurde von uns im Rahmen des Projektes "Neue Qualität der Büroarbeit" entwickelt, das von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin sowie von INQA-Büro gefördert wurde. Die Ergebnisse sollen mit dazu beitragen, den in der Konvention von INQA-Büro verankerten ganzheitlichen Ansatz zur Schaffung einer neuen Qualität der Büroarbeit in die Praxis zu transferieren. Unsere Fragestellung lautete deshalb: Wie kann ich für das Thema sensibilisieren und wie kann ich eine nachhaltige Qualität im Büro erzeugen?
    Zu den Zielgruppen: Das sind zum einen die direkt Betroffenen, also alle, die einer Bürotätigkeit nachgehen. Das sind zum anderen aber auch die Verantwortlichen auf der Managementebene, also alle, die für die internen Prozesse, die Planung, Einrichtung und Ausstattung von Büros zuständig sind.
  • Welchen Nutzen kann der Einzelne aus der Teilnahme an diesem Test ziehen?
    Erstens kann jeder ein Ergebnis für sich ermitteln und damit die Qualität seiner persönlichen Arbeits- und Bürosituation spiegeln. Zweitens erhält er die Möglichkeit, sein Ergebnis einschätzen und einordnen zu können: Er kann seine Position im Vergleich zu anderen bestimmen. Und drittens erhält er zu jedem Themenblock weiterführende Hinweise in Form von Literaturtipps und zahlreichen downloadfähigen Links. Das Mitmachen ist übrigens kostenlos.
  • Rund 3.000 Teilnehmer haben bereits bei dem Test mitgewirkt. Und Sie haben eine erste Zwischenauswertung vorgenommen: Was ist denn das wichtigste Ergebnis?
    Ich denke, die zentrale Frage lautet: Wo stehen wir in puncto Produktivität im Büro? Die Zwischenauswertung hat ergeben, dass die durchschnittliche Produktivitätsrate bei rund 60 Prozent liegt. Das deutet darauf hin, dass da noch ordentlich Luft nach oben ist. Oder anders gesagt: Es gibt offensichtlich genügend Potenziale, die noch nicht ausgereizt sind.
    Zu den wichtigsten Faktoren, die diese Rate beeinflussen, zählt eine hohe Gestaltungsqualität des Büros - sowohl unmittelbar am Schreibtisch, aber auch im weiteren Arbeitsplatzumfeld und im gesamten Bürohaus. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Frage, wie gut jede Art von Kommunikationsarbeit unterstützt wird, also wie spontan, schnell und problemlos man mit Kollegen kommunizieren, sich mit ihnen adhoc zusammensetzen und ohne lange Umwege austauschen kann. Und wir können sagen: Je qualitätsvoller ein Büro in dieser Hinsicht geplant und gestaltet ist, desto höher fällt auch die Produktivitätsrate aus. Steigerungen von bis zu 36 Prozent sind hier möglich.
    Arbeitszufriedenheit und Wohlbefinden, also ein Gefühl, das Kopf- und Bauchebene idealerweise verbindet, entsteht aber nicht nur durch ein positives Ambiente, sondern auch durch ein stetiges Feedback vom Management: Dazu gehören Lob, aber auch durchaus konstruktive Kritik.
  • Was bedeuten diese Erkenntnisse für die Praxis? Glauben Sie, dass Arbeitgeber in Deutschland auf diese Ergebnisse reagieren werden?
    Zunächst einmal hoffe ich, dass diese Themen wahr- und auch ernst genommen werden. Wer die Ergebnisse liest, sie dann aber ignoriert, handelt in meinen Augen fahrlässig und macht einen Fehler. Bei der Aussicht auf so hohe Renditen - und ich denke da an mögliche Produktivitätssteigerungs-Quoten von bis zu 36 Prozent - muss man doch einfach reagieren. Insofern gehe ich schon davon aus, dass sich in diesem Bereich ein Stück weit was tut.

Weitere Informationen unter: http://www.inqa-buero.de/