Studie zur erfolgreichen Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen
Das Aktionsbündnis für Seelische Gesundheit hat im August den Abschlussbericht einer wissenschaftlichen Studie zur Wirksamkeit von Maßnahmen zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen vorgelegt. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hatte die Studie in Auftrag gegeben, um systematisch erfassen zu lassen, wie die Stigmatisierung seelischer Erkrankungen verhindert werden kann und was bei der Planung von Gegenmaßnahmen berücksichtigt werden sollte.
"Jeder dritte bis vierte Deutsche erkrankt im Laufe seines Lebens an einer psychischen Störung. Dennoch sind psychische Erkrankungen ein Tabu in unserer Gesellschaft und mit Diskriminierung und Stigmatisierung in der Schule, am Arbeitsplatz, in der Familie und im Freundeskreis verbunden", so die Verfasser der Studie.
Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass bestimmte Interventionen kontraproduktiv wirken können. So kann öffentlicher Protest gegen diskriminierende Darstellungen, der nicht von anderen Maßnahmen begleitet wird, den Wunsch nach sozialer Distanz erhöhen und weiteres stigmatisierendes Verhalten hervorbringen. Interventionen sind vor allem dann wirksam, wenn sie die Aufklärung über psychische Erkrankungen mit persönlichem Kontakt zu Betroffenen verbinden.
Über 60 Bündnispartner beteiligen sich an dem bundesweiten Aktionsbündnis Seelische Gesundheit, darunter Experten der Psychiatrie und Gesundheitsförderung, Betroffene und ihre Angehörigen. Das Netzwerk informiert über die Chancen der Früherkennung und fördert sowohl den Austausch der beteiligten Akteure als auch die Möglichkeiten der sozialen und beruflichen Integration von psychisch erkrankten Menschen und die gesellschaftliche Teilhabe von Betroffenen und ihren Familien.
Die Studie "Konzeption und Umsetzung von Interventionen zur Entstigmatisierung seelischer Erkrankungen: Empfehlungen und Ergebnisse aus Forschung und Praxis" finden Sie auf den Seiten des BMG zum kostenlosen Download.
Weiterführende Informationen zum Thema finden Sie im INQA-Themengebiet "Stress". Zudem findet Ende November der dritte bundesweite Kongress "Psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz" in Berlin statt.