Beschäftigte mit hoher Arbeitsbelastung sind stark benachteiligt
Beschäftigte, die bei der Arbeit körperlichen und seelischen Belastungen ausgesetzt sind, halten nicht so lange durch wie andere. Dies ist eine der zentralen Ergebnisse einer Studie über Arbeitsbedingungen und Erwerbsverläufe in Deutschland, die von der Hans-Böckler-Stiftung gefördert wurde.
Die Forscher Falko Trischler und Professor Ernst Kistler haben die Lebensläufe von Beschäftigten über einen Zeitraum von 25 Jahren untersucht, um die Spätfolgen schlechter Arbeitsbedingungen zu identifizieren. Die Wissenschaftler vom Internationalen Institut für Empirische Sozialökonomie (Inifes) belegen in ihrer Studie: Wer 1985 sein Geld in einem physisch anstrengenden Beruf verdiente, musste sich häufig vorzeitig aus dem Arbeitsleben verabschieden.
Zudem müssen körperlich Belastete mit zahlreichen Nachteilen leben: Neben den gesundheitlichen Problemen und dem vorzeitigen Abschied sind sie auch stärker von Arbeitslosigkeit bedroht als andere Erwerbstätige. Von den 2001 in einem anstrengenden Beruf Beschäftigten war in den folgenden fünf Jahren jeder Dritte mindestens einen Monat arbeitslos. Die weniger belasteten Beschäftigten hatten ein geringeres Risiko: Von ihnen stand nur jeder Achte einmal ohne Job da. Die Gefahr der Langzeitarbeitslosigkeit ist für Schwerarbeitende dreimal so groß, so die Studie.
Die Wissenschaftler stellten ebenfalls fest, dass Menschen mit vergleichsweise geringen Qualifikationen eher gezwungen sind, Arbeitsplätze mit körperlichen Belastungen zu übernehmen. Sie erledigen selbst in den Branchen mit vergleichsweise guten Arbeitsbedingungen die besonders anstrengenden Aufgaben. In diesen Jobs summieren sich die Nachteile der Arbeitswelt: Schwerarbeitende haben nur wenig Freiräume bei der Arbeit und bekommen von ihren Arbeitgebern kaum Qualifizierungsangebote. Sie sind häufig als Zeitarbeiter, befristet oder in Teilzeit beschäftigt und beziehen oft nur einen Niedriglohn.
Früher erwerbsunfähig, häufiger arbeitslos und schlecht vergütet - all das schlägt sich auch in der Alterssicherung nieder. Wer im Beruf körperlichen Belastungen ausgesetzt ist, sammelt weniger Rentenansprüche. Beschäftigte mit Belastungen waren von 2001 bis 2006 durchschnittlich nur 43 von 60 Monaten in Vollzeit beschäftigt, alle anderen dagegen sieben Monate länger.
Das in der gesetzlichen Rentenversicherung angenommene Normalarbeitsleben werde für immer mehr Beschäftigte zur Illusion, so die Forscher. Das Gros der körperlich hart Arbeitenden könne nicht bis 65 arbeiten - und erst recht nicht bis 67.
Zentrale Ergebnisse der Studie finden Sie in der Zeitschrift Böckler Impuls Ausgabe 12/2010, die Sie hier kostenlos herunterladen können.