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Offenheit und Respekt: Flüchtlinge erfolgreich in den Betrieb integrieren in der Bauernkäserei Wolters

Für landwirtschaftliche Betriebe ist es nicht leicht, geeignetes Personal zu finden. Gerade in strukturschwachen Regionen sind deshalb ungewöhnliche Wege und viel persönliches Engagement notwendig, um freie Stellen erfolgreich besetzten zu können, wie das Beispiel der Bauernkäserei Wolters in der Uckermark zeigt.

Der Geschäftsführer Pieter Wolters kniet gemeinsam mit dem Angestellten Jackson auf dem Boden des Kuhstalls. Links im Bild ist eine Kuh zu sehen, die von Jackson gefüttert wird.
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Geschäftsführer Pieter Wolters mit dem Angestellten Jackson auf dem Futtertisch im Kuhstall.

Ausgangslage

Was war die Herausforderung?

Die aus den Niederlanden stammende Familie Wolters bewirtschaftet auf ihrem Hof in der Uckermark rund 1000 Hektar Acker- und Weideland. 55 Beschäftigte kümmern sich zudem um 1300 Kühe, 200 Kälber und Jungtiere. Eine Schaukäserei, ein Bauernhof-Café und ein Hofladen stehen für Kunden aus der Region offen. Die Suche nach geeigneten Fachkräften und Auszubildenden ist in dieser strukturschwachen Region Brandenburgs allerdings eine besondere Herausforderung, zumal die Landwirtschaftsbranche – zu Unrecht – als wenig zukunftsträchtig eingeschätzt wird.

Aktivitäten

Was wurde wie gemacht?

In der Personalakquise hat die Familie Wolters bereits in der Vergangenheit gute Erfahrungen mit Beschäftigten aus dem Nachbarland Polen gemacht. So gab es auch keine Berührungsängste, das nahegelegene Flüchtlingsheim in Prenzlau in die Suche nach Bewerbern einzubeziehen. Der Kontakt wurde über die diakonische Einrichtung Base Camp Prenzlau e.V. hergestellt. Dabei zeigten sich vier geflüchtete Menschen interessiert und absolvierten zunächst ein mehrwöchiges Praktikum. Es diente dem gegenseitigen Kennenlernen und der praktischen Erprobung. Bei der Auswahl geeigneter Kandidaten wurde weniger auf Sprachkompetenz und Fachwissen geachtet, sondern „weiche“ Faktoren wie Empathie, Zuverlässigkeit und Offenheit priorisiert. Nach Beendigung des Praktikums entschieden sich drei Männer aus Kamerun und dem Tschad dafür, auf dem Hof zu bleiben. Einer von ihnen nahm eine Ausbildung in der Landwirtschaft auf, die beiden anderen wurden als Melker und Bauingenieur angestellt.


Die Leitung bezog die anderen Beschäftigten des Hofes von Beginn an in das Vorhaben ein, erläuterte ausführlich die Ziele und die Notwendigkeit des Vorhabens. Bestehende Ängste und Zweifel aufseiten der Stammbelegschaft konnten während der gemeinsamen Mahlzeiten durch Gespräche ausgeräumt werden. Organisatorisch und finanziell wurde die Familie Wolters durch die Ausländerbehörde und die Agentur für Arbeit unterstützt (Eingliederungshilfe, Einrichtung einer Wohnung im Dorf). Der Hof half den Geflüchteten bei der Wohnungssuche und -einrichtung sowie bei Behördengängen und bürokratischen Anliegen. Zudem wurden Deutschkurse am Oberstufenzentrum in der Uckermark organisiert, an denen die Angestellten nun teilnehmen. Um die notwendige Mobilität und ein gewisses Maß an Eigenständigkeit zu ermöglichen, finanzierte der Hof den Erwerb der Fahrerlaubnis.

Ergebnisse

Was konnte erreicht werden?

  • Der Betrieb konnte einen offenen Ausbildungsplatz sowie zwei weitere offenen Stellen als Melker und Bauingenieur mit engagierten Geflüchteten besetzen.
  • Mit seinem Engagement vermittelt der Betrieb Werte wie Weltoffenheit und Toleranz im Umgang mit geflüchteten Menschen im eigenen Team sowie in der Region.
  • Landrat und Regionalchef der Unternehmervereinigung haben die Initiative der Bauernkäserei aufgenommen und konnten unter den Flüchtlingen weitere, für die Region benötigte Fachkräfte, z. B. im Sanitär- oder Elektrobereich ausfindig machen.
  • Die Weltoffenheit des Unternehmens wirkt sich positiv auf die langfristige Kundenbindung aus. Der respektvolle Umgang mit den Beschäftigten wird von den Kunden positiv aufgenommen. Respekt als wichtiger Wert der Unternehmensphilosopie wird so nach außen deutlich.
  • Die vermittelten landwirtschaftlichen Fachkenntnisse können von den Geflüchteten auch nach einer möglichen Rückkehr in ihr Herkunftsland sinnvoll für die dortige Entwicklung genutzt werden.

Erfolgsfaktoren

Was können andere davon lernen?

  1. Die Geschäftsführung lebt Werte wie Respekt, Toleranz und Offenheit vor.
  2. Integration muss aktiv gestaltet werden. Gemeinsames Essen, die Unterstützung und Begleitung der Geflüchteten bei Behördengängen und die Integration in die Dorfgemeinschaft sind Beispiele für ein gelungenes und respektvolles Miteinander.
  3. Externe (finanzielle) Unterstützung, z. B. durch die Ausländerbehörde oder die Agentur für Arbeit erleichtern die Umsetzung der Maßnahmen.
  4. Investition von Zeit und Geld, etwa die Kostenübernahme für die Fahrerlaubnis, zahlen sich aus.
  5. Das Kennenlernen und Erleben anderer Kulturen ist eine gegenseitige Bereicherung, auch im Arbeitsalltag.

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Zusatzinformationen

Logo

Logo der Bauernkäserei Wolters GmbH

Ansprechpartner/in

Pieter Wolters

Geschäftsführer

Bauernkäserei Wolters GmbH
Bandelow 50/81
17337 Uckerland

Telefon: 039740 - 202 74

Steckbrief

Themen

  • Chancengleichheit & Diversity

Branche

  • Land- und Forstwirtschaft

Bundesland

  • Brandenburg

Unternehmensgröße

  • 1 - 49 Mitarbeiter

Standort des Unternehmens

Abbildung des Unternehmensstandortes auf der interaktiven Karte