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Pflegen und arbeiten – Das Zellstoffwerk Stendal hilft seinen Beschäftigten, neben dem Beruf ihre Angehörigen zu pflegen

Viele der Beschäftigen im Zellstoffwerk Stendal pflegen zu Hause ihre Angehörigen. Das Unternehmen aus der Altmark unterstützt sie durch das Angebot individueller Beratungen zum Thema häusliche Pflege, und hilft dabei, diese Aufgaben mit den beruflichen Pflichten in Einklang zu bringen.

Ausgangslage

Was war die Herausforderung?

Im Zellstoffwerk Stendal, 80 km nördlich von Magdeburg, arbeiten rund 600 Menschen. Das Durchschnittsalter der Belegschaft liegt bei etwa 42 Jahren. Die Beschäftigten gehören zur sogenannten „Sandwich-Generation“: Bei Vielen sind die Kinder noch nicht „aus dem Haus“ oder durch Studium bzw. Ausbildung noch immer auf die Unterstützung der Eltern angewiesen. Gleichzeitig werden aber auch die eigenen Eltern pflegebedürftig. Das Unternehmen möchte durch eine Sensibilisierung eine positive und offene Einstellung für die Pflege von Angehörigen erreichen und durch individuelle Beratung die zusätzliche Belastung mildern, die entsteht, wenn die Beschäftigten neben ihrer Erwerbsarbeit Angehörige zu Hause pflegen.

Aktivitäten

Was wurde wie gemacht?

Eine zum Thema „Beruf und Familie“ durchgeführte Analyse zeigte, dass nicht die Kinderbetreuung ein Problem für die Beschäftigten darstellt, sondern die Pflege ihrer Angehörigen. Mithilfe einer externen Beraterin des Qualifizierungsförderwerks Chemie (QFC) sollten daher im Rahmen des DGB-Projekts „Zwischen Beruf und Familie passt kein Oder“ geeignete betriebliche Unterstützungsangebote erarbeitet werden.

Die Fokussierung gerade auf dieses Thema war das gemeinsame Anliegen von Personalabteilung und Betriebsrat. Dazu wurde zunächst eine Arbeitsgruppe aus jeweils zwei Kollegen der Personalabteilung bzw. des Betriebsrates sowie der externen Beraterin des QFC gebildet. Im nächsten Schritt wurden Workshops durchgeführt, in denen die Erwartungen, Zielvorstellungen und Strategien von Betriebsrat und Personalabteilung erörtert und festgelegt wurden. Im Laufe dieses Prozesses wurde die Belegschaft mittels interner Informations- und Kommunikationsmedien kontinuierlich einbezogen. Im Rahmen des Projektes fand zudem ein Workshop mit Interessierten und Betroffenen aus der Belegschaft statt, in dem über die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung informiert, betriebliche Unterstützungsmöglichkeiten diskutiert und ein Erfahrungsaustausch angeregt wurden.

Zur Vorbereitung auf eine mögliche Pflegeverantwortung und zur Unterstützung bei Pflege und Betreuungsaufgaben ist schließlich ein schriftlicher Ratgeber entwickelt worden, der den Beschäftigten im Intranet und in gedruckter Form zur Verfügung steht. Darin finden sich kompakte Informationen zu den Unterstützungsleistungen des Unternehmens und zu Ansprechpartnern für die Angehörigenpflege sowohl im Unternehmen als auch außerhalb. Außerdem gibt es Informationen darüber, welche Dinge beim Eintritt eines Pflegefalls und in Vorbereitung darauf zu bedenken sind.

Weiterhin bietet das Zellstoffwerk Stendal seinen Beschäftigten unterschiedliche Arbeitszeitlösungen an, die sich an ihren individuellen Aufgaben orientieren. Über das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) hinaus, gibt es außerdem die Möglichkeit, Arbeitszeitreduzierung oder Beurlaubung aus familiären Gründen zu beantragen. Während der Pflegezeit besteht bis zum Zeitpunkt des vollständigen Lohnausgleichs Kündigungsschutz, die Pflegezeit wird auch als Beitragszeit in der Rentenversicherung anerkannt.

Um die Nachhaltigkeit des Projektes zu gewährleisten, bringt eine ehrenamtliche Ansprechpartnerin aus dem Betriebsrat das Thema „Beruf und Pflege“ weiter voran. Ihre Aufgaben sind:

  • Etablierung des Themas im Unternehmen
  • Verbreitung des Ratgebers in den verschiedenen Bereichen des Unternehmens
  • Einführung in die Möglichkeiten der Nutzung des Ratgebers
  • Unterstützung von Betroffenen
  • Anregung eines Erfahrungsaustauschs von Betroffenen.

Ergebnisse

Was konnte erreicht werden?

  • Der Workshop wurde von der Belegschaft sehr positiv bewertet. Besonders der offene Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, aber auch die Anerkennung des Unternehmens für die privaten Pflegeleistungen haben geholfen, viele Beschäftigte für das Zukunftsthema „Vereinbarkeit von Beruf und Pflege“ zu sensibilisieren und das Thema Pflege im Betrieb zu enttabuisieren.
  • Die Zahl der Beschäftigten, die von den gesetzlichen bzw. den in den Betriebsvereinbarungen dazu festgelegten Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf Gebrauch machten, ist angestiegen.
  • Das Projekt hat das Betriebsklima positiv beeinflusst: Die Beschäftigten werden vom Unternehmen geschätzt und unterstützt.

Erfolgsfaktoren

Was können andere davon lernen?

  • Das DGB-Projekt „Zwischen Beruf und Familie passt kein ODER“, initiiert von der IG BCE, führte zur Sensibilisierung für Vereinbarkeitsthemen im Unternehmen.
  • Durch die Beratung des QFC und ein sozialpartnerschaftliches Herangehen kam es zu einer hohen Akzeptanz durch die Belegschaft und es konnte ein nachhaltiger Lösungsansatz für eine verbesserte Vereinbarkeit von Beruf und Pflege entwickelt werden.
  • Mit dem Pflege-Ratgeber ist ein Instrument erarbeitet worden, das von allen Beschäftigten genutzt und nach Bedarf aktualisiert werden kann.
  • Die permanente Ansprechpartnerin aus dem Betriebsrat sorgt dafür, dass das Thema auch nach Veröffentlichung des Ratgebers weiter im Unternehmen präsent bleibt.

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Zusatzinformationen

Logo

Logo von Zellstoffwerk Stendal

Ansprechpartner/in

Christiane Edeling

Betriebsratsvorsitzende

Zellstoff-Stendal GmbH
Goldbeckerstr. 1
39596 Arneburg

Telefon: 039321 0550455

Dr. Ute Schlegel

Bereichsleiterin

Qualifizierungsförderwerk Chemie GmbH (QFC)
Königsworther Platz 6
30167 Hannover

Telefon: 0345 - 21768 24

Steckbrief

Themen

  • Chancengleichheit & Diversity
  • Führung
  • Familie & Beruf
  • Demografie
  • Partizipation & Motivation
  • Führung & Kommunikation

Branche

  • Verarbeitendes Gewerbe

Bundesland

  • Sachsen-Anhalt

Unternehmensgröße

  • mehr als 250 Mitarbeiter

Standort des Unternehmens

Abbildung des Unternehmensstandortes auf der interaktiven Karte