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Im grünen Bereich: die Arbeitszeitvereinbarung der emco Group

Flexible Arbeitszeiten bieten idealerweise für alle Seiten Vorteile: Beschäftigte haben mehr Möglichkeiten, Beruf und Privatleben miteinander zu vereinbaren, Betriebe können zügig auf sinkende Nachfrage oder Auftragsspitzen reagieren. Für die Beschäftigten der emco Group ist in enger Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern- und Arbeitnehmervertretern eine neue Betriebsvereinbarung entstanden, die den Interessen beider Tarifpartner gerecht wird.

Das Foto stellt einen Produktionsmitarbeiter dar, der einen fertig verpackten Spiegelschrank mit einem Hebekran auf eine Palette packt.
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Ein Produktionsmitarbeiter im Produktionsbereich emco Bad packt einen fertig verpackten Spiegelschrank mit dem Hebekran auf eine Palette.

Ausgangslage

Was war die Herausforderung?

Die emco Group hat ihren Sitz im emsländischen Lingen. Das 1945 von Erwin Müller gegründete und ursprünglich inhabergeführte Unternehmen kommt aus der Metallverarbeitung. Die emco Group vereint unter ihrem Dach die Marke emco mit den Bereichen Badausstattungen, Bautechnik, Elektroroller sowie die Marken Novus Dahle. Insgesamt zählt emco über 1.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, mehr als 600 von ihnen arbeiten am Stammsitz in Lingen. Das Unternehmen zeichnet sich durch eine hohe Fertigungstiefe mit eigener Werkzeugmacherei und ein Zentrum für Forschung und Entwicklung aus.

Bei emco funktionierte die Betriebsvereinbarung zur Arbeitszeit aus den 1990er Jahren nicht mehr. Die Folge: Die Beschäftigten sammelten immer mehr Überstunden, ohne diese abbauen zu können. Überstunden mussten zudem beantragt, schriftlich begründet und von der Führungskraft genehmigt werden.
Das Ziel lautete daher, die Zeitkonten flexibler zu gestalten und dabei den Beschäftigten mehr Zeitsouveränität und Eigenverantwortung einzuräumen. Gleichzeitig sollte die Arbeitszeit unkompliziert bei saisonalen oder konjunkturellen Schwankungen angepasst werden können.

Aktivitäten

Was wurde wie gemacht?

Neue Arbeitszeitmodelle, die für beide Tarifpartner von Vorteil sind: Dies ist der Grundgedanke des INQA-Projekts ZEITREICH. Über den Betriebsrat wurde die Teilnahme von emco an diesem Projekt im Jahr 2016 vorgeschlagen. Es unterstützt Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter in Betrieben und Verwaltungen dabei, neue Zeitmodelle zu entwickeln, zu erproben und einzuführen.
Die Besonderheit des Projekts: Die Sozialpartner arbeiten gemeinsam an einer für beide Seiten vorteilhaften Regelung. So wurden bei emco zunächst die Beschäftigten zu ihren Vorstellungen befragt. In anschließenden Workshops und Projektteamsitzungen mit Vertretern der Geschäftsleitung und des Betriebsrats entstanden zwei neue Betriebsvereinbarungen zur Arbeitszeit: eine zur Regelung der flexiblen Arbeitszeit und eine weitere über die mobile Arbeit.
In der Realität sieht das so aus: Am 5. Werktag im Monat erhalten die Vorgesetzten den Stand der Zeitsalden ihres Verantwortungsbereichs automatisch per Mail. Die Zeitsalden sind in den jeweiligen Ampelfarben markiert. Die Ampelfarbe zeigt, ob jemand im grünen (bis 20 Plus- oder Minusstunden), im gelben (20 bis 30 Plus- oder Minusstunden) oder im roten Bereich (30 bis 40 Plus- oder Minusstunden) liegt. Je nach Farbe am Stichtag greifen weitere Regelungen. Bei Gelb müssen Vorgesetzte und betroffene Beschäftigte einen verbindlichen schriftlichen Auf-/Abbauplan erarbeiten: 10 Stunden in 8 Wochen. Ist jemand schon im roten Bereich, wird die wöchentliche Arbeitszeit bei Vollzeit auf 28 statt 35 Stunden reduziert, bis der grüne Bereich wieder erreicht ist.
Während diese Regelung für den Angestelltenbereich gilt, kann sich in der Produktion das Zeitkonto im Rahmen von 100 Plus- oder Minusstunden bewegen. Auch die hinter den Am-pelfarben stehenden Grenzen sind andere – in der Grünphase bis 60, in der Gelbphase 60-80 und in der Rotphase ab 80 Plus- oder Minusstunden. Im gelben Bereich muss auch hier ein Auf-/Abbauplan erstellt werden: 20 Stunden in 16 Wochen. Die Regelung für den roten Bereich gilt für Angestellte und Mitarbeiter in der Produktion gleichermaßen.
Um den Spielraum zu erweitern, wurde der Arbeitszeitrahmen für Verwaltung auf 06:00 bis 20:00 Uhr gesetzt. Für die Produktion, die im Schichtbetrieb arbeitet, gelten entsprechend längere Zeiten.
Die Funktionsbereiche organisieren ihre Arbeitszeiten selbst, die allgemeine Kernzeit ist entfallen. Die Bereiche tragen die Verantwortung für ihr Arbeitsfeld und achten selbst darauf, dass die erforderliche Anzahl an Mitarbeitern vorhanden ist. Pausenzeiten sind ebenfalls flexibel, sofern sie den gesetzlichen Vorgaben entsprechen. Die Fertigung bietet den Beschäftigten flexible Schichtmodelle zwischen 25 und 45 Stunden an drei bis fünf Arbeitstagen. Samstagsarbeit ist auf Antrag ebenfalls möglich.
Das Zeitguthaben kann tageweise oder auf Antrag blockweise abgebaut werden, beim Ausscheiden wird es entweder ausgezahlt oder durch Freizeit ausgeglichen.
Eine weitere Betriebsvereinbarung regelt die mobile Arbeit für Beschäftigte. Bisher ist vorgesehen, maximal 20 Prozent der wöchentlichen Arbeitszeit – also einen Tag – mit mobiler Arbeit abzuleisten.

Ergebnisse

Was konnte erreicht werden?

  • Die Mitarbeiter nutzen so genannte Shopfloor Boards (allgemein zugängliche Displays), um u.a. die Auslastung und die notwendige Kapazität zu erkennen und mit ihren Stundenkonten abzugleichen. Durch diese Transparenz können sie selbst entscheiden, ob kurzfristig Stunden abgebaut oder Urlaub genommen werden kann. Die Zeitsouveränität der Beschäftigten wurde so deutlich gesteigert.
  • Der Betriebsrat ist stets über die Gleitzeitsalden der Beschäftigten informiert. Ab- und Aufbaupläne müssen ihm vorgelegt werden.
  • Die Work-Life-Balance wurde verbessert, die Arbeitszufriedenheit ist gestiegen.
  • Durch den Wegfall der Kernarbeitszeit wurde die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessert.
  • Schwankungen in der Auslastung können besser kompensiert werden.
  • Das Projekt hat für den Betriebsrat und die Belegschaft sehr motivierend gewirkt.

Erfolgsfaktoren

Was können andere davon lernen?

  • Alle Beschäftigten, Arbeitgeber und Betriebsräte müssen einbezogen und an Ent-scheidungen beteiligt werden.
  • Moderierte Projektteamsitzungen und Workshops unter professioneller Leitung sind zu empfehlen.
  • Gerade für ein neues Thema mit umfangreichem Diskussionsbedarf kann ein externer Berater gut sein, um Akzeptanz für Veränderungen zu schaffen und glaubwürdige Beispiele aus anderen Unternehmen zu zeigen.
  • Das Unternehmen sollte die Beschäftigten möglichst umfassend und jederzeit über den Stand der Aktivitäten informieren – Transparenz ist oberstes Gebot.

Das Unternehmen ist mit den Auszeichnungen „Demografiefest - Sozialpartnerschaftlicher Betrieb“ des Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung sowie dem IHK-Qualitätssiegel "TOP AUSBILDUNG" prämiert worden. Zudem wurde es von der Emsländischen Stiftung Beruf und Familie als familienfreundlich zertifiziert.

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Zusatzinformationen

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emco Group

Ansprechpartner/in

Klaus Mensing

Leiter Rechtsabteilung und Personalwesen

Erwin Müller GmbH
Breslauer Str. 34-38
49808 Lingen

Telefon: 0591 9140 0

Jörg Böttcher

Betriebsratsvorsitzender

Erwin Müller GmbH
Breslauer Str. 34-38
49808 Lingen

Telefon: 0591 9140 0

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Themen

  • Führung
  • Gesundheit

Branche

  • Verarbeitendes Gewerbe

Bundesland

  • Niedersachsen

Unternehmensgröße

  • mehr als 250 Mitarbeiter

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