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Die Facharztklinik Hamburg bietet dem Fachkräftemangel die Stirn

Sie helfen jährlich mehr als 7.000 Menschen wieder gesund zu werden und müssen dafür selbst gesund bleiben: die insgesamt 200 Mitarbeitenden der Facharztklinik Hamburg, darunter, zahlreiche Mitarbeiter in Pflege, OP, Hauswirtschaft, Verwaltung sowie über 80 niedergelassene Ärzte in 10 Fachabteilungen. Ein umfassender Arbeits- und Gesundheitsschutz ist hier fester Bestandteil der Unternehmenspolitik. Dazu gehört auch die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen.

Das Bild zeigt Besprechungsraum mit sechs Mitarbeiter, eine Fachkraft für Arbeitssicherheit steht am Flipchart
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Herr Ernst und Herr Neshatrooh (Fachkraft für Arbeitssicherheit) stellen gemeinsam die Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung vor.

Hinweis

Dieses Praxisbeispiel wurde im Rahmen des Arbeitsprogramms „Schutz und Stärkung der Gesundheit bei arbeitsbedingten psychischen Belastungen“ der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie erstellt. Mehr zum Arbeitsprogramm unter www.gda-psyche.de.

Ausgangslage

Was war die Herausforderung?

Die Facharztklinik Hamburg entstand 2006 durch den Zusammenschluss zweier traditionsreicher Krankenhäuser, dem Krankenhaus Beim Andreasbrunnen und dem Michaelis Krankenhaus. Im Jahr 2008 zog das Unternehmen dann in neue Gebäude um. Veränderungen wie diese sind zunächst mit Unsicherheit innerhalb der Belegschaft verbunden: Arbeitsprozesse müssen neu organisiert und Verantwortlichkeiten vereinbart werden.

Eine zweite Herausforderung für die Facharztklinik Hamburg sind die demografischen Entwicklungen, welche sich auch im Unternehmen widerspiegeln: Knapp die Hälfte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist älter als 50 Jahre und der Bedarf an Nachwuchs groß. Nun ist gerade die Belegschaft in zweierlei Hinsicht das Aushängeschild der Klinik: In ihren Händen liegt die medizinische und pflegerische Qualität bei der Versorgung der Patientinnen und Patienten. Zugleich hat sie entscheidenden Einfluss darauf, wie Patienten und Kunden die Leistungen der Facharztklinik wahrnehmen und bewerten.

Gesunde Mitarbeitende, die gern zur Arbeit kommen, sich dem Unternehmen verbunden fühlen und eine in allen Belangen gute Arbeit leisten, sind deshalb essenziell. Um dieses Ziel zu erreichen, etablierte die Facharztklinik ein zielgerichtetes Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM), welches auf der Gefährdungsbeurteilung fußt.

Aktivitäten

Was wurde wie gemacht?

Mit fachlicher Begleitung durch das Hamburger Zentrum für Arbeitsmedizin wurde 2010 mit der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen begonnen. In einem ersten Schritt kam ein Kurzfragebogen zur Arbeitsanalyse zum Einsatz. Dieser nimmt explizit die psychischen Belastungen in den Blick und umfasst Fragen zu Arbeitsinhalten, Ressourcen und Stressoren bei der Arbeit sowie zum Organisationsklima. Ein besonderes Augenmerk sollte auf die Fusionierung und den Umzug 2008 gelegt werden. Es wurde daher auch erfragt, wer zum Zeitpunkt des Umzugs bereits in der Klinik tätig war und wer später hinzukam.

Mehr als die Hälfte der Mitarbeitenden nahm an der Befragung teil. Gemeinsam mit dem Betriebsrat wurde vorher entschieden, wie die Gruppen für die Auswertung gebildet werden, um aussagekräftige und konkrete Ergebnisse zu erhalten und gleichzeitig den Datenschutz einzuhalten. In extern moderierten Gestaltungsworkshops wurden jeder Gruppe die Ergebnisse der Befragung vorgestellt. Zugleich wurde der nächste Schritt eingeleitet: die Gruppen sammelten erste Ideen für Veränderungsmaßnahmen, mit denen Ressourcen gestärkt und Risiken gemindert werden. Die Teilnahme an diesen Gestaltungsworkshops war freiwillig, gewünscht war jedoch eine repräsentative Auswahl an Mitarbeitenden pro Gruppe und die Leitung war jeweils nicht dabei. Die Ergebnisse der Workshops wurden protokolliert und noch einmal in den Gruppen abgestimmt, so dass diese die Möglichkeit hatten, Inhalte zu korrigieren, zu streichen oder aber Ergänzungen vorzunehmen.

Die so erarbeiteten Maßnahmenvorschläge wurden schließlich der Geschäftsführung und dem Betriebsrat vorgestellt, die gemeinsam deren Umsetzung diskutierten und beschlossen. So beteiligte sich die Facharztklinik 2011 bis 2012 am EU-geförderten Projekt der Stadt Hamburg „Gesund und aktiv in Pflege und Gesundheitsberufen“. Die Angebote adressierten auch arbeitsbedingte psychische Belastungen und umfassten Schulungen zum Konfliktmanagement, zu Burn-Out-Prävention, Stressbewältigung oder auch Einzelgespräche.

Im Jahr 2014 fand eine zweite Befragung statt (Rücklauf 54 Prozent). Aus den Gestaltungsworkshops entstanden dieses Mal Angebote zur gesundheitsgerechten Führung, Kommunikationsschulungen und die Teilnahme an der „Aktion Rückengesundheit“ – einem Rückenkolleg der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW). Hier lernen die Teilnehmenden über drei Wochen lang in täglichen Trainings- und Schulungseinheiten wie sie mit den berufsbedingten Belastungen ihres Rückens und Bewegungsapparates besser umgehen. Mediziner, Therapeuten und Fachberater sensibilisieren für ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen eigener Belastbarkeit und den Belastungen, die die (pflegerische) Tätigkeit mit sich bringt.

Ergebnisse

Was konnte erreicht werden?

Mit der Befragung und den Workshops wurden verlässliche Informationen zu den Arbeitsbedingungen in der Klinik zusammengetragen. Es ging nicht länger um eine gefühlte Stimmung, stattdessen rückten die Bedingungen an den Arbeitsplätzen in den Vordergrund und die Frage, was hier verbessert werden kann. Diese mitzugestalten und kontinuierlich zu verbessern, sei Aufgabe aller Mitarbeitenden, so Christian Ernst, kaufmännischer Geschäftsführer der Klinik. Dass die Unternehmensleitung hieran ein großes Interesse hat, wird seitens der Mitarbeitenden auch als Wertschätzung erlebt. Sie stehen dem Thema psychische Belastungen bei der Arbeit aufgeschlossen gegenüber. Die Facharztklinik konnte mit ihrem BGM ihren Ruf als gute Arbeitgeberin stärken: Die Zufriedenheit und Identifikation der Beschäftigten mit dem Unternehmen sind hoch. Die Klinik hat überdurchschnittlich viele langjährige Mitarbeitende und es ist eine sehr gute Bewerberlage zu verzeichnen.

Stolpersteine

Was waren Schwierigkeiten und Hindernisse?

  • Den Erfolg messbar machen: Die Wirksamkeit einzelner Maßnahmen ist schwer einzuschätzen. Hier wird ein geeignetes, sensitives Instrument gebraucht – der nochmalige Einsatz des ursprünglichen Fragebogens zur Belastungsanalyse genügt nicht.
  • Motivation und Durchhaltevermögen: Eine regelmäßige Teilnahme an Gesundheitskursen wird erst wieder erreicht, seitdem Geschäftsführung und Betriebsrat gemeinsam auf die Anwesenheitspflicht innerhalb eines solchen Angebots hingewiesen haben.
  • Befragungen nicht überstrapazieren: Es ist zu bedenken, dass mit einer gewissen Fragebogenmüdigkeit zu rechnen ist, wenn Befragungen zu häufig aufeinander folgen.

Erfolgsfaktoren

Was können andere davon lernen?

Mit der Befragung und den Workshops wurden verlässliche Informationen zu den Arbeitsbedingungen in der Klinik zusammengetragen. Es ging nicht länger um eine gefühlte Stimmung, stattdessen rückten die Bedingungen an den Arbeitsplätzen in den Vordergrund und die Frage, was hier verbessert werden kann. Diese mitzugestalten und kontinuierlich zu verbessern, sei Aufgabe aller Mitarbeitenden, so Christian Ernst, kaufmännischer Geschäftsführer der Klinik. Dass die Unternehmensleitung hieran ein großes Interesse hat, wird seitens der Mitarbeitenden auch als Wertschätzung erlebt. Sie stehen dem Thema psychische Belastungen bei der Arbeit aufgeschlossen gegenüber. Die Facharztklinik konnte mit ihrem BGM ihren Ruf als gute Arbeitgeberin stärken: Die Zufriedenheit und Identifikation der Beschäftigten mit dem Unternehmen sind hoch. Die Klinik hat überdurchschnittlich viele langjährige Mitarbeitende und es ist eine sehr gute Bewerberlage zu verzeichnen.

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Zusatzinformationen

Logo

Logo der Facharztklinik Hamburg

Ansprechpartner/in

Christian Ernst

Facharztklinik Hamburg
Martinistraße 78
20251 Hamburg

Telefon: 040 - 490 65 4161

Steckbrief

Themen

  • Gesundheit
  • Demografie
  • Pflege
  • Physische & psychische Gesundheit

Branche

  • Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen

Bundesland

  • Hamburg

Unternehmensgröße

  • 50 - 249 Mitarbeiter

Standort des Unternehmens

Abbildung des Unternehmensstandortes auf der interaktiven Karte