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Mit System zum Erfolg: Die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen bei der Nitzbon AG

Stillstand ist Rückschritt. Traditionsreiche Kleinunternehmen wie die Nitzbon AG müssen ihre Produkte und Prozesse immer wieder auf den Prüfstand stellen, um auf dem Markt erfolgreich zu sein. Die Gesundheit der Beschäftigten ist dabei ein wichtiger Faktor, weil unzufriedene Mitarbeiter und hohe Krankenstände schnell in eine Krise führen können.
Die Geschäftsführung der Nitzbon AG nutzt vielfältige Unterstützungsangebote für KMU. Sie helfen auch bei aktuellen Themen wie der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen weiter.

Hinweis

Dieses Praxisbeispiel wurde im Rahmen des Arbeitsprogramms „Schutz und Stärkung der Gesundheit bei arbeitsbedingten psychischen Belastungen“ der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie erstellt. Mehr zum Arbeitsprogramm unter www.gda-psyche.de.

Ausgangslage

Was war die Herausforderung?

Für Ergotherapeuten ist der Name Nitzbon seit Jahrzehnten ein Begriff. Das 1934 gegründete Hamburger Unternehmen stellt unterschiedliche Therapiegeräte und Hilfsmittel für die Ergotherapie her. Die Therapietische, Therapiegeräte, Hocker, Sitz- und Stehhilfen von Nitzbon helfen den Therapeuten bei den Übungen mit den Patienten, um nach Unfällen oder Erkrankungen ein Höchstmaß an Mobilität und Bewegung wiederherzustellen.Die zwölf Beschäftigten der Nitzbon AG arbeiten als Metallbauer in der Produktion, übernehmen als Bürokauffrau administrative Aufgaben oder kümmern sich als Marketingexpertinnen um den Vertrieb der Produkte.

Als Hersteller von Therapiegeräten sieht sich Nitzbon beim Thema Arbeitsschutz auch gegenüber den eigenen Beschäftigten in der Verantwortung. So werden Hilfsmittel, etwa zum Heben schwerer Lasten, konsequent eingesetzt: „Ich möchte meine Mitarbeiter nicht in den Rehakliniken besuchen müssen, für die wir unsere Geräte bauen“, bringt es Vorstand und Geschäftsführerin Petra Nitzbon-Grimberg auf den Punkt. Außerdem gelte es, die Familientradition fortzusetzen, nach der Sicherheit und Gesundheit im Betrieb von Haus aus als ein Erfolgsfaktor für das Unternehmen gelten.

Nach der Übernahme der Unternehmensleitung ergriff Frau Nitzbon-Grimberg die Initiative für eine Modernisierung des Unternehmens. Das Thema Sicherheit und Gesundheit war dabei ein zentraler Ansatzpunkt. Die Herausforderung bestand darin, trotz der Vielzahl der täglichen Aufgaben ein Arbeitsschutzmanagementsystem zu implementieren. Es musste genau auf die Bedingungen eines kleineren Unternehmens wie die Nitzbon AG zugeschnitten sein. Frau Nitzbon-Grimberg nahm deshalb Kontakt zur Hamburger ArbeitsschutzPartnerschaft auf. In ihr kommen Wirtschaftsverbände, Handwerks- und Handelskammer, Gewerkschaften, Berufsgenossenschaften und die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV) zusammen, um die Sicherheit und Gesundheit von Beschäftigten in Hamburger Unternehmen zu fördern. Dort traf sich eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus ca. 15 Betrieben alle vier Wochen, um gemeinsam an für sie relevanten Themen zu arbeiten. Die in den Netzwerktreffen gesammelten Anregungen, der Besuch eines Arbeits- und Organisationspsychologen, die Einführung des Arbeitsschutzmanagementsystems „Sicher mit System“ und die Unterstützung durch einen Unternehmensberater führten schließlich über die Jahre zur Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen in der Nitzbon AG.

Aktivitäten

Was wurde wie gemacht?

Die für die Nitzbon AG zuständige Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) richtet sich mit dem Gütesiegel „Sicher mit System“ speziell an KMU. Diese können sich kostenlos von Fachleuten der BG beraten lassen und erhalten konkrete Vorschläge, wie ein effizientes Arbeitsschutzmanagementsystem aufgebaut werden kann. Die Informationsangebote der BGHM und das Engagement der Unternehmensleitung versetzte Nitzbon zunehmend in die Lage, das Arbeitsschutzmanagement in die eigene Hand zu nehmen. In diesem Zuge wurden die Arbeitsplätze bei Nitzbon gemeinsam mit den Beschäftigten auf Gefährdungen hin überprüft.

Angeregt durch das Audit für „Sicher mit System“ stand 2017 die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen auf dem Programm. Nach einer ersten Beratung wurde im Unternehmen ein Fragebogen entworfen. Mit 69 Einzelfragen wurden die Wünsche und Bedürfnisse der Beschäftigten zu Themen wie Qualifizierung, Organisation, Arbeitsplatzgestaltung, Arbeitszeitregelungen, Betriebsklima, Gesundheit und Arbeitsschutz erfasst. Am Ende des vierseitigen Bogens war Platz für Vorschläge, Anregungen und Kommentare.

Elf von zwölf Fragebögen kamen ausgefüllt zurück. Bei der Auswertung der Bögen erhielt Petra Nitzbon-Grimberg von einer externen Beraterin und einer Mitarbeiterin Unterstützung. Auf den ersten Blick überwogen die positiven Antworten deutlich. Eine eingehende Analyse der Befragungsergebnisse brachte schließlich Hinweise zu Tage, die Handlungsbedarf in vier Bereichen aufzeigten:

  • Arbeitsplatzgestaltung und Arbeitsumfeld
  • Organisation und Zuständigkeiten
  • Personalentwicklung
  • Rückenprobleme.

Ergebnisse

Was konnte erreicht werden?

Im Rahmen monatlicher Besprechungen wurden diese Handlungsfelder besprochen und es wurde nach Lösungsansätzen gesucht. So hatten die Beschäftigten konkrete Vorschläge zur Arbeitsplatzgestaltung, die innerhalb weniger Wochen umgesetzt wurden: Zusätzliche Leuchten wurden montiert, alte durch bessere neue ersetzt. Weil die Beschäftigten teilweise über das Raumklima am Arbeitsplatz klagten, setzte sich Nitzbon beim Vermieter für eine Verbesserung der Heizungsanlage ein.

Weiterhin wurde eine externe Beraterin zu Rate gezogen, um das Organigramm des Unternehmens zur überarbeiten und die Zuständigkeiten präzise zu regeln und es werden regelmäßig Personalgespräche geführt. Auch den Rückenproblemen der Beschäftigten wurde nachgegangen und es zeigte sich, dass hier vor allem ältere Beschäftigte betroffen waren. Das Unternehmen sorgt nun durch höhenverstellbare Arbeitstische und -stühle vor.

Die Mühe und Zeit, welche im Vorgehen der Nitzbon AG liegen, zahlen sich aus: Es gibt keine Mitarbeiterfluktuation, es herrscht ein gutes Betriebsklima, man trifft sich auch mal nach Feierabend, etwa zum Essen oder zum Kinoabend und seit Jahren wurden keine schwerwiegenden Arbeitsunfälle verzeichnet. Frau Nitzbon-Grimberg resümiert: „Wir sind gut aufgestellt und dennoch ist mir bewusst, dass wir jeden Tag neu aufstehen, um das gute Betriebsklima und viele andere positive Faktoren am Laufen zu halten.“

Stolpersteine

Was waren Schwierigkeiten und Hindernisse?

  • In kleineren Unternehmen gibt es meist niemanden, der oder die sich stetig und ausschließlich mit Arbeitsschutzthemen beschäftigt. Das „Dazwischenschieben“ fällt schwer, wenn Kunden auf Beratung oder ihr Angebot warten. Hier müssen Prioritäten gesetzt werden.
  • Notwendige Entscheidungen zu vertagen oder bei Problemen wegzusehen, vergrößert Probleme zumeist. Es braucht daher Mut und Entschlossenheit, sich auch schwierigen Fragen zu stellen.
  • In kleinen Unternehmen ist eine anonyme Befragung in der Regel schwierig. Es braucht es Vertrauen, Offenheit und Fairness im Umgang miteinander, wenn auch kritische Themen diskutiert werden sollen.
  • Auch wenn die Verständigung mit und unter den Mitarbeitenden funktioniert: Nicht immer klappt eine Veränderung im ersten Anlauf. Dann ist Durchhaltevermögen gefragt.

Erfolgsfaktoren

Was können andere davon lernen?

  • Offene Kommunikation: Bei der Nitzbon AG wird miteinander gesprochen, auch über Konflikte im Arbeitsalltag und darüber, wie diese gelöst werden können.
  • Unterstützungsangebote nutzen: Die Mitarbeit in Unternehmensnetzwerken hat sich bewährt, etwa im Rahmen der ArbeitsschutzPartnerschaft Hamburg. Auch Handwerkskammer, Innung, regionaler Unternehmensverband oder BGHM lieferten Anregungen und halten wertvolle Unterstützungsangebote bereit.

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Zusatzinformationen

Logo

Logo der Nitzbon AG

Ansprechpartner/in

Petra Nitzbon-Grimberg

Geschäftsführerin, Vorstand

Nitzbon Aktiengesellschaft
Osterrade 14
21031 Hamburg

Telefon: 040 - 739 223 0

Steckbrief

Themen

  • Gesundheit
  • Produktion

Branche

  • Verarbeitendes Gewerbe

Bundesland

  • Hamburg

Unternehmensgröße

  • 1 - 49 Mitarbeiter

Standort des Unternehmens

Abbildung des Unternehmensstandortes auf der interaktiven Karte