Navigation und Service

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Link zur Startseite) Eine Initiative für
Arbeitgeber und Beschäftigte

Zukunft sichern, Arbeit gestalten

Wirksam und diskret: Bei ThyssenKrupp Bilstein hilft ein Experten-Netzwerk bei psychischen Belastungen

Der Automobil-Zulieferer ThyssenKrupp Bilstein ist das Thema psychische Belastungen und Erkrankungen aktiv und mit viel Fingerspitzengefühl angegangen: Er hat an seinen beiden deutschen Standorten jeweils ein Netzwerk geschaffen, in dem Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von internen und externen Spezialisten bedarfsgerecht betreut und unterstützt werden. Diskretion und Vertrauenswürdigkeit stehen dabei an erster Stelle.

Sechs Personen stehen vor einem Aufsteller
Bild1 / 3

Betriebsärztin der ThyssenKrupp GmbH zusammen mit fünf weiteren Experten des Netzwerks in Mandern vor dem Aktionsplan BI-Care

Ausgangslage

Was war die Herausforderung?

ThyssenKrupp Bilstein steht weltweit für Innovation und High-Tech in der Fahrwerkstechnik. Für das gesamte Fahrwerk liefert das Unternehmen mit Produktionsstätten in Europa, Amerika und China Produkte für das komplette Dämpfungsspektrum.
Derzeit sind ca. 1.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der ThyssenKrupp Bilstein GmbH in Ennepetal und Mandern beschäftigt.
Die Herausforderungen als Zulieferer und notwendige Umstrukturierungen führten zu Krankheitsfällen an den beiden Standorten, die auf eine psychische Überlastung der Beschäftigten hinwiesen. Ständige Bereitschaft, schnelle Reaktionszeiten, der Druck die reibungslosen Arbeitsabläufe zu gewährleisten, führen besonders zu hohen psychische Belastungen. In vielen Bereichen ist insbesondere die Kommunikation an den Schnittstellen zwischen den Unternehmensstandorten sowie zu den Kunden, welche diplomatisches Geschick, aber auch schnelle Entscheidungen und Durchsetzungskraft erfordert, mit erhöhten Belastungen verbunden.

Aktivitäten

Was wurde wie gemacht?

Im Sommer 2012 startete das Unternehmen das Projekt BI-Care, um eigene Versorgungsstrukturen für die Erhaltung der psychischen Gesundheit seiner Beschäftigten zu schaffen und diese nachhaltig in die bereits bestehenden Aktivitäten des betrieblichen Gesundheitsmanagements zu implementieren.

1.       Bedarfsanalyse:

Mithilfe eines externen Beraters wurden vertrauliche Gespräche mit Betroffenen, Führungskräften, Personalverantwortlichen und Arbeitnehmervertretern in den bereits bekannten Schwerpunktbereichen mit hohen psychischen Belastungen (z.B. Instandhaltung, Logistik) geführt. Diese deckten die konkreten Bedarfe auf. Wichtige Fragen waren: Was hatte aus Sicht der Betroffenen jeweils zu der Überlastungssituation geführt? Wo war der größte Handlungsbedarf? Wie lief die Kommunikation mit den jeweiligen Vorgesetzten? Was hinderte belastete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter daran, nach Hilfe und Unterstützung zu suchen? Dadurch konnten geeignete und von allen akzeptierte Ansatzpunkte gewonnen werden.

2.       Netzwerkaufbau:

Ein Netzwerk zur schnellen, gezielten und wirksamen Beratung und Versorgung von Beschäftigten mit psychischen und psychosomatischen Beschwerden erwies sich als der dringendste Bedarf und wurde an beiden Standorten des Unternehmens jeweils als kombiniertes internes und externes Netzwerk aufgebaut. Das unternehmensinterne Netzwerk besteht in erster Linie aus Vertrauensleuten der Arbeitnehmervertretung, den Führungskräften, der Personalleitung und den Fachkräften für Arbeitssicherheit, an die sich Mitarbeiter bei Bedarf vertraulich wenden können. Im unternehmensexternen Netzwerk sind medizinische, psychologische und therapeutische sowie Coachingspezialisten organisiert. Sie werden bei Bedarf tätig, arbeiten eng zusammen und sind zum Schutz der Beschäftigten an die Schweigepflicht gebunden. Das Unternehmen hat direkt mit den Spezialisten Honorarvereinbarungen getroffen. Die Koordinierung der Betreuung übernehmen die jeweiligen Betriebsärztinnen an den Standorten.

3.       Einbindung von Führungskräften:

In Seminaren mit maximal 15 Teilnehmenden wurden alle Führungskräfte des Unternehmens – von Schichtleitern bis zur Geschäftsführung – durch externe Berater und Psychologen aus psychosomatischen Fachkliniken geschult. Vermittelt wurde etwa: Woran erkennt man, dass Mitarbeitende psychische, psychosomatische oder Suchtprobleme haben? Wie geht man damit richtig um? Ein im Netzwerk des Unternehmens zur Verfügung stehender Leitfaden zum Thema unterstützt die Führungskräfte bei der konkreten Umsetzung. Mit der Unterstützung der Geschäftsführung konnte den Führungskräften auch deutlich gemacht werden, dass der Erfolg, die Nachhaltigkeit und vor allem die Weiterentwicklung des Projekts von deren dauerhaften Unterstützung abhängt.

4.       BI-Care in Aktion

Erst nachdem das Netzwerk bereits erste Erfolge vorweisen und beteiligte Beschäftigte über positive Erfahrungen damit berichten konnten, öffnete das Unternehmen das Projekt für die gesamte Belegschaft. Bei einer Belegschaftsversammlung wurde das BI-Care-Angebot vorgestellt. Nun können sich die Beschäftigten direkt an Ihre Führungskräfte wenden, um Ihre Probleme und Bedarfe zu kommunizieren.

Ergebnisse

Was konnte erreicht werden?

Die Beschäftigten der ThyssenKrupp Bilstein GmbH können nun:

  • jederzeit: Kontakte zu qualifizierten externen Spezialisten über die Führungskräfte und Vertrauenspersonen im Unternehmen aufnehmen.
  • innerhalb einer Woche: Zugang zu professioneller und koordinierter Beratung und Unterstützung im ambulanten Bereich erhalten.
  • in maximal sechs Wochen: Zugang zu qualifizierten psychotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten im Rahmen einer stationären Behandlung oder Rehabilitation erhalten.
  • im Anschluss: Hilfe bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz im Rahmen einer zeitnahen koordinierten Wiedereingliederung erwarten.

Die Fehl- bzw. Ausfallzeiten der ratsuchenden Beschäftigten konnten in der Regel um den Faktor 4 verkürzt werden. Auch für die Folgejahre wird durch die Reduzierung der AU-Zeiten mit einem ROI von 1:4 gerechnet.

Belastende Faktoren der Arbeit wurden identifiziert und modifiziert.

Die Arbeitgeberattraktivität ist weiter verbessert worden.

Mit dem offiziellen Start des Netzwerks im September 2013 (15 Monate nach Beginn des Projekts!) sind die Kosten für den Aufbau des Netzwerks (Beratungs- und Schulungskosten, Kosten für die Leistungen der Spezialisten) von zusammen ca. 52.000 Euro durch die bis dahin erzielten Einsparungen bei den krankheitsbedingten Ausfallkosten (AU-Zeiten) mindestens wieder eingespielt worden.

Erfolgsfaktoren

Was können andere davon lernen?

  • Niederschwelligkeit und Vertrauen in das Versorgungsangebot muss gewährleistet sein. Voraussetzung dafür ist zum Beispiel ein persönlicher Bezug zu den Betriebsärztinnen und Vertrauenspersonen im Unternehmen. Es braucht Zeit und die Möglichkeit von Lernschleifen, bis Vertrauen gewachsen ist, bis dass das Versorgungsangebot etabliert ist und reibungslos funktioniert.
  • Eine garantierte und ohne Ausnahme praktizierte Vertraulichkeit im Umgang mit psychischen/psychosomatischen Belastungen/Erkrankungen und betroffenen Beschäftigten im Unternehmen ist unabdingbar.
  • Durch einen schrittweisen Auf- und Ausbau von konkreten Bedarfen und Maßnahmen sind Erfolge oder Misserfolge von Interventionen leichter erkennbar.
  • Einfache und verlässliche Regelungen und Standards der gegenseitigen Kommunikation durch persönliche Abstimmung und Zusammenarbeit der Führungskräfte untereinander, zwischen Führungskräften und den Spezialisten des Versorgungsnetzwerks sowie zwischen den internen und externen Spezialisten sorgen für einen möglichst reibungslosen Ablauf.
  • Erwartungen, Verantwortlichkeiten, Rollen und Zuständigkeiten zwischen Führungskräften, Beschäftigten und Spezialisten bei der Bearbeitung und Lösung tatsächlicher Fälle und Bedarfe sollten in persönlichen Gesprächen geklärt werden.
  • Über die Einführungsphase hinaus bedarf es eines „Treibers“ im Unternehmen.

Empfehlen und Drucken

Zusatzinformationen

Logo

Logo der ThyssenKrupp Bilstein GmbH

Ansprechpartner/in

Marcus Koch

Leitung Personal

ThyssenKrupp Bilstein GmbH
August-Bilstein-Straße 4
58256 Ennepetal

Telefon: 02333 - 791 40 62

Kooperationspartner

Dipl.Soz.-Wiss. Joachim Koch

JFKey - Entwicklung an Engpässen & Schlüsselfaktoren
Willi-Lauf-Alle 51
50858 Köln

Telefon: 0221 - 340 01 00

Steckbrief

Themen

  • Führung
  • Gesundheit
  • Führung & Kommunikation
  • Physische & psychische Gesundheit

Branche

  • Verarbeitendes Gewerbe

Bundesland

  • Nordrhein-Westfalen
  • Rheinland-Pfalz

Unternehmensgröße

  • mehr als 250 Mitarbeiter

Standort des Unternehmens

Abbildung des Unternehmensstandortes auf der interaktiven Karte