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Ihre Fragen zum Thema „Hilfe für Helfende! Herausforderungen und Lösungsansätze für eine neue Qualität der Pflege“

Im Rahmen der Themenwochen „Hilfe für Helfende! Herausforderungen und Lösungsansätze für eine neue Qualität der Pflege“ beantwortete Dr. Natalie Lotzmann, Themenbotschafterin „Gesundheit“ der Initiative Neue Qualität der Arbeit, Ihre Fragen zum Thema. Anfang Dezember 2013 konnten Interessierte auf www.inqa.de ihre Anliegen rund um das Thema einreichen. Auf die von den Besucherinnen und Besuchern der Internetseite per Abstimmung ausgewählten drei Top-Fragen gab Dr. Natalie Lotzmann per Videobotschaft Antwort; auf die anderen Fragen ging sie schriftlich ein. Hier finden Sie die Antworten auf das, was Sie zum Thema „Hilfe für Helfende! Herausforderungen und Lösungsansätze für eine neue Qualität der Pflege“ bewegt.

1. Wie lange wollen wir noch sparen und die Preise für Pflegeleistungen nach unten treiben, weil wir glauben, es sei von uns nicht bezahlbar? Wohl wissend, dass notwendige Pflege ihren Preis hat.

Dr. Natalie Lotzmanns Video-Antwort dazu finden Sie hier:

Zur Antwort

2. Viele ältere Kollegen können/dürfen aus gesundheitlichen Gründen keinen Nachtdienst mehr machen; die Belastung wird deshalb von immer weniger Personal getragen. Gibt es hier Lösungen?

Dr. Natalie Lotzmanns Video-Antwort dazu finden Sie hier:

Zur Antwort

3. Wie soll eine Pflegekraft künftig noch mehr Menschen nicht nur pflegen, sondern ihnen auch geistig und psychosozial Beistand leisten? Wie bleibt diese Pflegekraft dabei selbst geistig gesund?

Dr. Natalie Lotzmanns Video-Antwort dazu finden Sie hier:

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4. Wie kann der Pflegeberuf attraktiver gestaltet werden, so dass Kollegen über Jahre dort bleiben können und auch genügend junge Menschen den Beruf überhaupt ergreifen?

Der Pflegeberuf ist anspruchsvoll. Wir wissen, dass die Einsatzbereitschaft und das Engagement der Beschäftigten in der Pflege überdurchschnittlich hoch sind.

Fragt man Menschen in pflegenden Berufen, was ihren Beruf noch attraktiver machen kann, kommen folgende Antworten: mehr Zeit im Arbeitsalltag (mehr Zeit für die zu pflegenden Menschen), flexiblere Arbeitszeiten, bessere Bezahlung, bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, mehr Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten.

Mit der Initiative Neue Qualität der Arbeit wollen wir die Aufmerksamkeit auf diese Punkte lenken und im Austausch mit wichtigen Akteuren oder auch durch eigene Projekte Antworten entwickeln. So fördert die Initiative Neue Qualität der Arbeit Projekte, die sich unter anderem dafür einsetzen, dass Arbeitsbedingungen auch für ältere Beschäftigte verbessert werden und dazu Handlungskonzepte, Methoden und Instrumente entwickeln.

Um den Pflegeberuf für junge Menschen attraktiver zu machen, brauchen wir aber auch Menschen, die positive Botschafter für Pflege sind. Das Projekt care4future etwa möchte Schülerinnen und Schülern einen möglichst authentischen, aber motivierenden Einblick in die Pflegeberufe geben und lässt dabei auch Auszubildende zu Wort kommen, die ihre eigene Motivation für den Pflegeberuf darstellen.

Insgesamt bedarf es einer gesamtgesellschaftlichen Anstrengung, damit das Thema Pflege eine angemessene Wertigkeit erhält.

5. Wie kann es sein, dass die Bundesländer verschiedene Pflegeschlüssel haben, obwohl die Pflege, die der Bedürftige benötigt, die gleiche ist?

Der Grund für die unterschiedlichen Pflegeschlüssel ist das föderale System in Deutschland. Bund und Länder haben spezifische Aufgaben, die sie eigenständig durchführen. Das führt auch dazu, dass die Länder eigenständig gestalten und dadurch von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Entscheidungen getroffen werden, wie in Ihrem Beispiel deutlich wird. Wie bei allen Regelungen gibt es hier Vor- und Nachteile.

Die Initiative Neue Qualität der Arbeit kann nicht auf die Kompetenzverteilung von Bund und Ländern einwirken. Dennoch macht sich die Initiative grundsätzlich dafür stark, von Erfahrungen und best practices gegenseitig zu lernen und somit ggfs. auch länderübergreifende Lösungen zu finden.

6. Wie sind die Pausen der Pflegekräfte sicher zu stellen – auch bei einer Unterbesetzung von Personal und der gleichzeitigen Herausforderung, die Pflege der zu Betreuenden zu gewährleisten?

Der Anspruch auf  Pausen ist grundsätzlich im Arbeitszeitgesetz geregelt. So steht Beschäftigten bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden eine Ruhepause von mindestens 30 Minuten zu, bei einer Arbeitszeit von mehr als neun Stunden muss die Pause mindestens 45 Minuten betragen. Im Pflegealltag kann es eine Herausforderung sein, die Pausen umzusetzen. Es ist jedoch die Pflicht der Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass Pausen gemacht werden können, zum Beispiel durch ausreichende Planung der Personalkapazitäten. Und es sind auch Reserven zu berücksichtigen: Auch Pflegekräfte fallen aus wegen Krankheit oder aus anderen Gründen. Planungsgrundlage wäre daher auch zum Beispiel die durchschnittliche Krankheitsquote. Wichtig sind zudem die gelebte Kultur in einer Einrichtung und die Vorbildfunktion der Führungskräfte: Achtet die Pflegedienstleistung auf das Einhalten von Pausenzeiten und macht sie selbst Pausen?

Insgesamt betrachtet, halte ich jedoch nicht nur das Thema Pausen, sondern die Gestaltung der Arbeitszeitmodelle insgesamt für einen wesentlichen Faktor, um die Arbeitsbedingungen in der Pflege zu verbessern.

7. Wie und wann endlich will die Regierung und die Expertenrunde den Pflegebegriff neu definieren und das Personal so entlasten, dass wir eine würdevolle Pflege leisten können?

Im Koalitionsvertrag ist festgehalten, dass der Pflegebegriff neu definiert werden soll. Damit ist der erste Schritt getan. Jetzt kommt es darauf an, das Bewusstsein in der Gesellschaft weiter zu stärken. Dazu will die Initiative Neue Qualität der Arbeit beitragen. Seit vielen Jahren haben wir bei der Initiative ein aktives Netzwerk zum Schwerpunkt Pflege, in dem gesellschaftlich relevante Einrichtungen und Institutionen regelmäßig zusammenkommen. Dies umfasst Vertreterinnen und Vertreter von Bundesministerien, Berufsverbänden, Krankenkassen, Unfallversicherungsträgern und der Gewerkschaften. Darüber hinaus arbeiten im Netzwerk auch Pflege- und Arbeitswissenschaftler verschiedener Universitäten sowie freiberuflich tätige Beraterinnen und Berater mit. Die Ziele des Netzwerks sind unter anderem die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und beruflichen Perspektiven in der Pflege, die Verbesserung der Qualität der Pflegedienstleistungen und die Verbesserung der öffentlichen Wertschätzung für Pflegende; die Voraussetzung für Rahmenbedingungen, die würdevolle Pflege ermöglichen.

8. Welche Möglichkeiten sehen Sie, die psychischen Belastungen, die Pflegeberufe mit sich bringen, zu reduzieren?

Einige Hinweise zu dieser Frage finden Sie bereits in dem Videobeitrag zur Beantwortung der Frage 3. Zentral dabei ist, Möglichkeiten zum Gespräch zu schaffen. Der Austausch unter Kollegen kann bereits entlastend wirken. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass dafür Zeit vorhanden ist. Es müssen also Rahmenbedingungen bestehen, die dies ermöglichen. Zusätzlich kann das Angebot von Supervision helfen, psychische Belastungen im Pflegeberuf zu reduzieren.

Im Januar 2014 wird der INQA-Themenfilm „Neue Qualität der Arbeit in der Pflege“ erscheinen, der auch auf dieses Thema eingeht. Er stellt Projekte der Initiative Neue Qualität der Arbeit vor, die die Arbeitsqualität in der Pflege gestalten helfen. Mehr dazu finden Sie im Januar auf inqa.de.

9. Altersgemischte Teams können ja ein Ansatz sein, um die körperliche Belastung von älteren Pflegekräften zu reduzieren. Welche Erfahrungen haben Sie damit gesammelt? Wie kann man diese Teams erfolgreich aufsetzen?

Grundsätzliche Voraussetzungen für altersgemischte Teams sind gegenseitiger Respekt und Offenheit. Beide Seiten können dann voneinander lernen: Die Älteren bringen ihren Erfahrungsschatz ein, die Jüngeren ihr frisches Wissen und vielleicht neue Ideen. Um altersgemischtes Arbeiten zu fördern, bieten sich etwa Lernpartnerschaften zwischen jüngeren und älteren Beschäftigten an. Wie diese aufgesetzt werden können, auf welche Schlaglöcher man dabei treffen kann und welche Vorteile sie mit sich bringen, zeigt etwa die Broschüre „Lernfähig im Tandem“ auf. Dass Organisationen von Tandem-Bildung oder auch dem Einsatz von Mentoring zwischen jüngeren und älteren Beschäftigten in der Pflege profitieren, zeigt das Beispiel St. Gereon Seniorendienst. Das Unternehmen setzt auf einen großen Austausch zwischen Jung und Alt und gewährleistet mithilfe von Tandems und Mentoring durch Ältere für jeden Auszubildenden eine individuelle Betreuung – und sichert sich so eine hohe Ausbildungsquote.

10. Brauchen wir in Deutschland nicht dringend mehr Pflegepersonal? Wie wäre das mit der demografischen Entwicklung vereinbar?

Ja, wir brauchen in Deutschland dringend mehr Pflegepersonal als derzeit beschäftigt wird. Durch den demografischen Wandel und die gestiegene Lebenserwartung nimmt die Zahl älterer Menschen in Deutschland weiter zu. Bis 2030 sollen nach Angabe des Demografieberichts der Bundesregierung die „65-Jährigen und Älteren“ fast 30 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Damit steigt auch die Zahl der pflegebedürftigen Menschen – und der Bedarf an qualifizierten Pflegefachkräften. Dieser Entwicklung steht jedoch ein schrumpfendes und alterndes Erwerbspersonenpotenzial und damit auch eine geringere Anzahl und durchschnittlich ältere Pflegekräfte gegenüber, wie die aktuelle Studie Berufe im „Demografischen Wandel“ der Initiative Neue Qualität der Arbeit zeigt. So stellt die Studie heraus, dass schon heute deutlich mehr ältere Beschäftigte in Gesundheits- und Pflegeberufen arbeiten als noch vor 10 Jahren: Der Anteil der 55-Jährigen ist von 1993 bis 2011 um mehr als das Doppelte gestiegen. Die Zunahme von älteren Beschäftigten in Pflegeberufen ist zu begrüßen, stellt uns aber auch vor neue Herausforderungen. Es gilt, die Pflegeberufe attraktiver zu gestalten. Aufgrund der körperlichen und psychischen Belastungen, die diese mit sich bringen, ist die Verbesserung der Arbeitsbedingungen ein zentraler Ansatzpunkt, um zum einen junge Menschen für Pflegeberufe zu gewinnen und zum anderen ein gesundes Arbeiten in der Pflege auch im Alter zu ermöglichen.

11. Welche Maßnahmen, Aktionen und Strategien sind erforderlich, um den Anteil der Pflegebetriebe mit einer rechtssicheren Gefährdungsbeurteilung zu erhöhen und die Betriebe zur Umsetzung dieser Vorgaben zu veranlassen?

Die Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung ist eine zentrale Aufgabe, die der Arbeitgeber nach den Vorschriften des Arbeitsschutzgesetzes durchzuführen hat. Zudem liegt der Vorteil einer Gefährdungsbeurteilung auf der Hand. Der Arbeitgeber überprüft hierbei für jeden Arbeitsplatz, ob und ggfs. welche Gefährdungen vorliegen und welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes ggfs. erforderlich sind.

Um den Anteil der Pflegebetriebe mit einer rechtssicheren Gefährdungsbeurteilung zu erhöhen, sind die Arbeitgeber in der Pflege auf der operativen Ebene, also insbesondere die Leitungen der Einrichtungen und Krankenhäuser, in der Pflicht. Die Leitungsebene muss um die rechtliche Verpflichtung wissen und die Vorteile kennen und nutzen. Es geht letztlich darum, die Arbeitsbedingungen zu verbessern – das muss im Interesse jeder Einrichtung liegen. Die Unfallkassen, und die Berufsgenossenschaften unterstützen hierbei jeden Arbeitgeber durch Beratung, Informationen und Hilfestellungen (bspw. bgw check „Gefährdungsbeurteilung in der Pflege“). Wir brauchen zukünftig Erfolgsgeschichten, die von Anfang bis Ende aufzeigen, welche Vorteile eine Gefährdungsbeurteilung mit sich bringt. So kann ihr Mehrwert deutlich dargestellt und für die Durchführung von Gefährdungsanalysen geworben werden.

12. Macht die flächendeckende Implementierung von Advanced Practice Nurses (APN's) Ihrer Meinung nach Sinn? Angesichts steigender Anforderungen an alle Beteiligten der Patientenversorgung fehlt es an Schnittstellen und Case-Management.

Ja, Fortschritte beim Einsatz von Advanced Practice Nurses (APN’s), also akademisch ausgebildeten Pflegenden, die als Spezialisten in Bezug auf spezifische Gesundheitsprobleme arbeiten, machen Sinn. Andere Länder haben in diesem Bereich bereits sehr viel erreicht, so zum Beispiel England und die Niederlanden. Es ist wichtig, neue Wege zu gehen, die sich an den aktuellen gesellschaftlichen Anforderungen orientieren.

13. In Deutschland werden ja zunehmend auch Pflegekräfte aus dem Ausland eingesetzt. Halten Sie das für sinnvoll? Wie gelingt es uns, diese schnell und gut zu integrieren?

Eine der Strategien in Deutschland, dem demografischen Wandel zu begegnen, ist die Integration von Fachkräften aus dem Ausland. Die Bundesregierung unterstützt dies durch die Fachkräfte-Offensive, die sich dafür einsetzt, den Fachkräftebedarf in Deutschland zu sichern. Damit die Integration ausländischer Fachkräfte erfolgreich gelingt, ist es wichtig, insbesondere am Anfang in die Sprachkompetenz zu investieren und Fort- und Weiterbildung zu gewährleisten. Wir müssen allerdings auch sicherstellen, dass die Pflegebetriebe sich kulturell öffnen und die Integration von beiden Seiten vorangetrieben und unterstützt wird. Grundsätzlich kann das Anwerben von Fachkräften nicht unsere einzige Strategie sein, um Fachkräfteengpässe in der Pflege zu lösen. Wir müssen auch ungenutzte Potentiale in Deutschland aktivieren; Menschen in den Beruf zurückholen oder neue gewinnen – und das geht nur über attraktive Rahmenbedingungen.

14. Warum wird uns als freiberufliche Pflegekräfte nachgesagt, dass wir alle scheinselbständig sind? So will man uns doch nur wieder in eine Festeinstellung drängen. Haben wir nicht das Recht, so zu arbeiten, wie wir wollen?

Ich fürchte, ich bin für diese Frage leider nicht die richtige Ansprechpartnerin. Die Initiative Neue Qualität der Arbeit ist ein überparteiliches Netzwerk, das sich für eine neue Qualität von Arbeit engagiert. Auf ordnungspolitische Entscheidungen hat die Initiative Neue Qualität der Arbeit keinen direkten Einfluss.

15. Wie kann man die Pflege von besonders schwer erkrankten Patienten oder z.B. Patienten mit Demenzerkrankungen für die Pflegenden erleichtern?

Die Pflege und Betreuung von besonders schwer erkrankten Patienten oder Menschen mit Demenz stellt große Anforderungen an Pflegende. Die Frage, wie Pflegende in diesem Bereich beim Umgang mit den an sie gestellten Anforderungen unterstützt werden können, ist ein wichtiges Thema. Das Projekt "DemOS" der Initiative Neue Qualität der Arbeit setzt hier an und zielt darauf, Pflegende von Menschen mit Demenz beim Umgang mit den an sie gestellten Anforderungen zu unterstützen. Dazu wurde mit der "Medienmappe DemOS" ein Angebot entwickelt, mit dessen Hilfe die Arbeits- und Belastungssituation in der Pflege von Menschen mit Demenz verbessert werden kann. Die Materialien bieten Hilfestellungen für Pflegende, deren Führungskräfte und Einrichtungsleitungen. Darüber hinaus stellen zwei Handlungshilfen ("Die andere Welt erkennen – die Pflege Demenzkranker" und – ganz neu – "Den Alltag gestalten – Praktische Hilfestellungen für die Pflege von Menschen mit Demenz") erfolgreiche Konzepte für die Pflege demenzkranker Menschen sowie Möglichkeiten dar, die Arbeitsbelastung in der Pflege zu reduzieren.