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Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Link zur Startseite) Eine Initiative für
Arbeitgeber und Beschäftigte

Zukunft sichern, Arbeit gestalten

02.09.2015

Mit dem INQA-Audit gemeinsam Ziele definieren

Die Arbeitswelt ist im Wandel. Ganzheitliche, mitarbeiterorientierte und maßgeschneiderte Lösungen müssen her, wenn es um eine moderne Personalpolitik geht. Die Initiative Neue Qualität der Arbeit bietet mit dem INQA-Audit zukunftsfähige Unternehmenskultur vielen Betrieben konkrete Unterstützung - mit Erfolg, wie der Blick in die Praxis beweist.

Unternehmensleitung und Mitarbeiter der Hering Bau GmbH & Co. KG bei der Übergabe der Einstiegsurkunde des INQA-Audits am 27. August 2015

"Ein Unternehmen ist nichts ohne seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter", lautet die Devise beim mittelständischen Familienunternehmen Hering Bau GmbH & Co. KG mit Hauptsitz in Burbach. Bei der Baufirma aus dem nordrheinwestfälischen Siegerland ist soziale Verantwortung nicht nur ein fester Bestandteil der Unternehmenskultur, sondern gelebte Praxis. Laufbahnen werden aktiv gestaltet, Nachwuchskräfte systematisch gefördert und Mitarbeiterbefragungen haben schon eine lange Tradition. Stillstand auf dem Weg zu einer ganzheitlichen Arbeitsplatzgestaltung? Fehlanzeige. Der beste Beweis: Ende des Jahres 2014 wurde das Unternehmen auf das INQA-Audit Zukunftsfähige Unternehmenskultur, ein Angebot der Initiative Neue Qualität der Arbeit, aufmerksam und entschied: "Das machen wir." "Das Audit behandelt Themen, die uns auch unter den Nägeln brennen - Personalführung, Businessmanagement und psychische Gesundheit", sagt Nicole Trettner, Leiterin im Bereich Personalmanagement bei Hering Bau.

Alle an einen Tisch

Der erste Schritt auf dem Weg zum Ziel war die Gründung einer betriebsinternen Projektgruppe. Schon in der zweiten Januarwoche Anfang dieses Jahres saßen die Unternehmensleitung, Führungskräfte verschiedener Hierarchiestufen, der Betriebsarzt und die Fachkraft für Arbeitssicherheit, Vertreter des Betriebsrates sowie Mitarbeiter aus allen Unternehmensbereichen an einem Tisch zusammen. "Alle Beteiligten waren sehr neugierig und trieben das Geschehen engagiert mit konkreten Anliegen und Vorschlägen voran", sagt Bettina Jäkel-Schmidt, die das INQA-Audit als Prozessbegleiterin vor Ort betreut. Sehr positiv aufgefallen sei ihr zudem, wie geübt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit der Befragung umgegangen seien. Auch die Bestandsaufnahme sei sehr umfassend gewesen - insgesamt acht Schwerpunktthemen seien schlussendlich erarbeitet worden. "Die Optimierung von Mitarbeitergesprächen, die Strukturierung von Besprechungen und die interne Kommunikation waren ebenso Thema wie die Entwicklung von Verhaltenskriterien im wertschätzenden Umgang, die Ermittlung von Stressfaktoren, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Weiterbildungspläne und eine systematische Personalentwicklung", sagt Jäkel-Schmidt. In acht Projektgruppen werden die Schwerpunktthemen seit Abschluss der Bestandsaufnahme intensiv bearbeitet.

Ergebnisse und Ziele

Selbstkritisch wird das Ergebnis vonseiten des Unternehmens ins Visier genommen: "Das Ergebnis der Mitarbeiterbefragung muss man differenziert betrachten. Es gab in allen vier Handlungsfeldern interessante Rückmeldungen und Hinweise aus der Belegschaft. Ein ganz großes Thema waren die Mitarbeitergespräche. Nicht in allen Bereichen wurden die Gespräche bisher in der Form durchgeführt, in der wir es gerne gehabt hätten. Daran arbeiten wir jetzt noch intensiver", sagt Trettner. Aber auch die Regelung der Nachfolge und die Weitergabe von Wissen sind Themen, die die Belegschaft bewegen. "Ein Fünftel unserer Mitarbeiter sind älter als 50 Jahre. In einigen Bereichen arbeiten ganz gezielt ältere und jüngere Mitarbeiter zusammen, beispielsweise im Bahnbau. Zum einen geht es um den Wissensaustausch, zum anderen um die körperliche Leistungsfähigkeit, die bei einem über 50-Jährigen, der seit Jahrzehnten körperlich hart arbeitet, natürlich auch nachlässt - seine Erfahrung ist jedoch unverzichtbar", sagt Trettner. Aber auch in anderen Unternehmensbereichen würde frühzeitig darauf geachtet, Wissen zu transportieren und auf potenzielle Nachfolger zu übertragen. "In diesem Punkt besteht noch mehr Handlungsbedarf. Besser geht es immer", so Trettner. Und der erste Schritt ist auch hier schon gemacht: Eine Masterstudentin untersucht das Thema sowohl von der theoretischen als auch von der praktischen Seite in einem Bereich des Unternehmens. "Auf diese Weise erhalten wir eine sehr gute Grundlage, die wir dann auch auf die anderen Unternehmensbereiche übertragen können - mit kleinen Anpassungen, die von Bereich zu Bereich erforderlich sein werden", erklärt die Personalmanagerin.

Umfassendes Gesundheitsmanagement

Mit gutem Beispiel voran geht das Unternehmen, das auf mittlerweile 123 Jahre Firmengeschichte zurückblickt, wenn es um die Gesundheit der rund 440 Mitarbeiter geht. Ein betriebliches Gesundheitsmanagement wurde bereits Mitte der 90er Jahre aufgebaut. Im Jahr 2009 startete ein Pilotprojekt, das sich speziell der psychischen Gesundheit widmete. In einem zweitägigen Workshop wurden alle Führungskräfte des Unternehmens geschult wie sie Druck und Stress bei ihren Mitarbeitern erkennen und so Erkrankungen vorbeugen können. Ein weiteres Pilotprojekt ist für den kommenden Winter mit einem externen Partner geplant. "Der Blick richtet sich dann gezielt auf die mobilen Arbeitsplätze von Vertriebsmitarbeitern und Bauleitern, da diese Berufsgruppen bereits durch die äußeren Rahmenbedingungen verstärkt gefährdet sind, was ihre psychische Gesundheit betrifft", erklärt Trettner. Auch bei diesem Projekt sei es das Ziel, die Ergebnisse auf andere Unternehmensbereiche zu übertragen. Eine Maßnahme, die auch Jäkel-Schmidt sehr wichtig findet, denn die Mitarbeiterbefragung ergab, dass in allen Unternehmensbereichen einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter psychische Belastung empfanden. "Das erlebe ich aber im Moment immer öfter. Viele Faktoren können die Ursache sein. Wenn etwa der Ton nicht stimmt - dann kann das zu einem Belastungsfaktor werden. Hier gilt die Festlegung von Verhaltensregeln als Richtschnur", erklärt die Prozessbegleiterin.

Ein anspruchsvolles Projekt

Insgesamt hinterlässt die Mitarbeiterbefragung sowie ihre Ergebnisse ein gutes Gefühl. "Uns ist auch zurückgemeldet worden, dass die Mitarbeiter sich als Menschen im Unternehmen sehr wertgeschätzt fühlen und das insgesamt eine hohe Zufriedenheit herrscht", sagt Trettner. Als Vorreiter in vielerlei Hinsicht sieht Prozessbegleiterin Jäkel-Schmidt die Firma Hering Bau. "Die Mitarbeiterbefragung hat eine lange Tradition. Es wird seitens des Managements immer wieder bei den Mitarbeitern nachgefragt bis klar ist, was für diese wichtig und gut ist - das ist schon etwas Besonderes. Dass im Unternehmen eine gute Stimmung herrscht, hat man sofort gemerkt. Die Mitarbeiter glauben fest daran, dass sich ihr Engagement lohnt. Das ist nicht überall so", resümiert Jäkel-Schmidt.

Einigkeit herrscht bei allen Beteiligten auch beim Blick auf das INQA-Audit: "Es ist ein anspruchsvolles Programm. Die Art der Vorgehensweise, besonders die Einbeziehung von Mitarbeitern aus allen Ebenen und die Bildung von Projektgruppen ist ein Erfolgskriterium."

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