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21.03.2018

Fachtagung der Offensive Mittelstand Sachsen: Zwangsjacke Digitalisierung – Stolperfalle oder Zugpferd?

Diese provokative Frage stellten sich am 13. März 2018 Referenten und Teilnehmer auf der Fachtagung der Offensive Mittelstand Sachsen. Viele Hoffnungen sind mit der Digitalisierung verbunden: Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit, Vereinfachung von Prozessen bis hin zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität in Zeiten des Fachkräftemangels. Doch gerade kleine und mittlere Unternehmen sehen sich auch einem zunehmenden Druck und Unsicherheiten ausgesetzt. 40 Teilnehmende folgten der Einladung der FAW Akademie Chemnitz und der ATB in das Ausbildungszentrum Zwickau und diskutierten die gesundheitlichen Implikationen und Chancen der Digitalisierung.

Zwei Referenten sprechen zum Publikum. © MIKOMI

Frau Dr. Natalie Lotzmann, INQA-Themenbotschafterin im Handlungsfeld Gesundheit, rief in ihrem inspirierenden Vortrag dazu auf, jeden Einzelnen im Unternehmen mit seinem eigenen Erleben ernst zu nehmen, um so die Gesundheit in Zeiten der Digitalisierung zu fördern. Menschliche Grundbedürfnisse wie Vertrauen, Wertschätzung und Entscheidungsmöglichkeiten seien in ihrer Summe konstant. Das subjektive Empfinden lenke in starkem Maße das Verhalten. Eine gute Führungskraft muss damit umgehen und steuernd einwirken. Die Führungskraft der Zukunft muss sich als Dienstleister für die Mannschaft verstehen.

Dass der digitale Wandel keine rein technische, sondern im Wesentlichen eine kulturelle Frage ist, thematisierten auch die weiteren Vortragenden aus jeweils unterschiedlichen Perspektiven. Ist das kalendarische Alter wirklich relevant für die digitalen Kompetenzen einer Person? Was muss eine Führungskraft heute leisten? Wie können Unternehmen die eigenen Mitarbeiter stärken und so gemeinsam den digitalen Wandel gestalten? Wie verändern sich die Anforderungen an ein Betriebliches Gesundheitsmanagement?

Im Beitrag des INQA-Projektes GestalteMIT wurde betont, dass Digitalisierung die Messlatte der Personalarbeit auch in kleinen Unternehmen erhöht. Ein betrieblicher Kümmerer unterstützt ein professionelles und strukturiertes Vorgehen, um begehrte Fachkräfte zu binden und zu motivieren sowie die Gestaltungskraft der Organisation (Schwarmintelligenz) im digitalen Wandel zu nutzen.

Eine Führungskraft im digitalen Wandel, so der Tenor, muss die gesamte „Klaviatur“ zwischen digitalen und analogen Werkzeugen zur Information und Kommunikation beherrschen.

Die Vortragenden schickten die Teilnehmer mit großem Diskussionsbedarf in die Pause und die anschließenden Dialoge. Dort tauschten sie sich auch dazu aus, welche Vorteile Betriebsnachbarschaften zur Gesundheitsförderung und weitere Kooperationsfelder im Personalbereich bieten und wie man diese aufbaut. Hier flossen Input und Erfahrungen aus dem erfolgreichen, kürzlich abgeschlossenen INQA-Projekt GeMit ein. Weitere Themen waren der Einsatz von Social Media und die Digitalisierung von Berufsbildern: Social Media, als mächtiges Werkzeug zur direkten Kommunikation mit Kunden und potenziellen Mitarbeitenden, erfordert eine klare Konzeption und einen erheblichen Ressourceneinsatz sowie einen langen Atem bis zum Erreichen gewünschter Effekte. Und Berufsbilder werden stark durch den digitalen Wandel verändert. Zwar sind nicht alle der derzeit über 340 Berufsbilder in gleichem Maße betroffen, aber in vielen Berufen verändert die Digitalisierung Aufgaben sowie Tätigkeitszuschnitte erheblich. Neben einer Weiterentwicklung fachlicher Kompetenzen sind vor allem überfachliche und Medienkompetenzen von großer Bedeutung.

Die Fachtagung lieferte den anwesenden Wirtschaftsvertretern v.a. aus der regionalen Zulieferindustrie einen guten Überblick darüber, vor welchen – insbesondere gesundheitlichen – Herausforderungen Unternehmer und Unternehmen in Zeiten der Digitalisierung stehen und welche konkreten Chancen sich hier vor allem auch für kleine Unternehmen auftun. Individuell passende Ideen und Ansätze für das eigene Unternehmen rundeten den Tag ab.

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