Navigation und Service

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Link zur Startseite) Eine Initiative für
Arbeitgeber und Beschäftigte

Zukunft sichern, Arbeit gestalten

16.11.2018

Hochkarätige Gäste diskutieren beim Fachforum in der Duisburger MSV-Arena

Rund 200 Gäste kamen zur Veranstaltung „Kein Stress mit dem Stress – Psychische Gesundheit im Leistungssport erhalten und fördern“ in die Duisburger Schauinsland-Reisen-Arena. Die Novitas BKK hatte gemeinsam mit MentalGestärkt, einer Initiative der Deutschen Sporthochschule Köln und weiteren Experten ein Programm zusammengestellt, das Impulse für ein Umdenken und für mehr Akzeptanz im Umgang mit psychischen Belastungen im Sport lieferte. Viele Themen aus der Handlungshilfe zur psychischen Gesundheit im wettkampforientierten Leistungssport, die im INQA-Projekt psyGA entwickelt wurde, standen auf der Agenda.

Foto mit prominenten Gästen aus Wissenschaft, Sportpsychologie und Hörfunk sowie ehemalige Leistungssportler beim psyGA-Fachforum der Novitas BKK Prominente Gäste aus Wissenschaft, Sportpsychologie und Hörfunk sowie ehemalige Leistungssportler waren beim psyGA-Fachforum der Novitas BKK dabei © Novitas BKK

Mit Fußball-Proficlubs der ersten und zweiten Bundesliga, dem NRW-Schwimmverband, dem NRW-Triathlon-Verband und dem NRW-Kanuverband war die Veranstaltung hochkarätig besetzt. Prominente Redner des Tages waren unter anderem Sportjournalist und Buchautor Ronald Reng, Ex-Fußballprofi Martin Amedick und Olympiasiegerin Heike Henkel. WDR-Moderator Holger Dahl führte durch den Nachmittag.

„Für den Großteil der Gesellschaft“, so Frank Brüggemann, Vorstandsvorsitzender der Novitas BKK, „ist Stress etwas, das Managern oder Arbeitnehmern vorbehalten ist. Aber Sportler? Von Leistungssportlern dachte man doch lange, sie seien körperlich und mental so stark, dass sie unmöglich an psychischen Erkrankungen leiden können.“

Jüngstes Beispiel: Der ehemalige deutsche Nationalspieler Per Mertesacker. Als er im März dieses Jahres den enormen Druck im Fußballgeschäft beklagte, wurde dies in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Das Beispiel zeigt eindringlich, dass auch fast neun Jahre nach dem Selbstmord von Robert Enke Aussagen wie die von Mertesacker als vermeintliche Schwäche gelten – und die hat keinen Platz im Leistungssport.

Sportnachwuchstalente oft mit Situationen umgehen, die psychisch belasten können. „Nicht immer sind Depressionen die Folge“, so Ronald Reng, „auch Burnout, Angststörungen, Sucht oder Essstörungen können die Folge langfristiger Überlastung sein.“

In einem Impulsvortrag erzählte Ex-Fußballprofi Martin Amedick, der selbst depressiv war, schließlich offen von den schlimmsten Phasen seiner Erkrankung. Amedick: „Ich war zu dieser Zeit völlig gefühllos. Es war, als ob ich eine Maske tragen würde. Irgendwann war es für mich schon eine Riesenhürde, ans Telefon zu gehen. Meine Wahrnehmung war völlig verzehrt, ich fühlte mich ständig beobachtet.“

Doch was hält Sportlerinnen und Sportler, die hohen Trainingsbelastungen ausgesetzt sind, psychisch gesund? Professor Dr. Michael Kellmann, Leiter des Lehr- und Forschungsbereichs Sportpsychologie an der Fakultät für Sportwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum:
„Jeder muss sich persönlich fragen, was Erholung für ihn bedeutet. Und dann muss man diese Erholungsstrategien aktiv einplanen. Es braucht eine Art Erholungspuffer, auf den man in Stressphasen zurückgreifen kann. Wenn man diese Ressourcen im Vorfeld nicht aufgebaut hat, dann hat man ein Problem, wenn es stressig wird.“

Lothar Linz, Dipl.-Psychologe und Psychotherapeut, betonte in seinem Vortrag, wie wichtig es sei, Druck annehmen zu können: „Wenn wir Druck akzeptieren, dann wird es leichter. Sagen Sie ,Ja’ zu der Situation, lassen Sie sich darauf ein, statt dagegen anzukämpfen.“

Zum Schluss diskutierten die Olympiasiegerin Heike Henkel, Ulf Baranowsky, Geschäftsführer VDV – Die Spielergewerkschaft, und Uwe Schubert, Leiter des NLZ MSV Duisburg, bei einem Podiumsgespräch. Henkel: „Zu meiner Zeit war es leider noch verpönt, zum Psychologen zu gehen.“ Vorbehalte gibt es jedoch auch heute noch, wie Baranowsky weiß: „Die Angst von Spielern, von ihrem Club ausgesiebt zu werden, wenn sie zum Psychologen gehen, ist leider weit verbreitet.“ Doch es gibt auch Best Practice-Beispiele. Uwe Schubert: „Wir haben uns beim MSV schon vor zehn Jahren mit der Frage beschäftigt, wie wir unsere Spieler mental stärken können.“

Das Fazit der Gastgeber nach diesem gelungenen Fachforum fällt eindeutig aus: „Sportpsychologische Angebote sollten genauso selbstverständlich im Leistungssport dazugehören wie tägliches Training oder Physiotherapie,“ so Marion Sulprizio von MentalGestärkt. Und Frank Brüggemann ergänzt: „Es ist häufig auch eine Frage der Vereinskultur, ob psychologische Hilfsangebote in Anspruch genommen werden oder nicht – und daran kann jeder Verein - und auch jeder Betrieb - arbeiten zum Wohle seiner Nachwuchstalente“.

Die Novitas BKK ist Kooperationspartner von psyGA (Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt) und hat das Fachforum in Kooperation mit MentalGestärkt organisiert. PsyGA wird unter Federführung des BKK Dachverbandes durchgeführt. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) im Rahmen der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) gefördert und durch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BauA) fachlich begleitet.

Empfehlen und Drucken