Kompetenz 4 Minuten Lesezeit Wis­sen si­chern: Di­gi­ta­le Lern­in­hal­te bei STE­MA Me­tall­leicht­bau Startseite Angebote INQA-Coaching
  • Beim Anhängerhersteller STEMA Metallleichtbau wurde Wissen lange vor allem informell weitergegeben.
  • Um das Erfahrungswissen zu sichern, baute das Unternehmen mit INQA-Coaching ein Lernmanagementsystem auf und ermöglichte Mitarbeitenden aus verschiedenen Bereichen, eigene digitale Lerninhalte bereitzustellen.
  • Erste E-Learning-Kurse sind bereits im Einsatz und dienen als Vorlage für weitere Module. Schritt für Schritt entsteht so eine unternehmensweite Wissensdatenbank.

Ob Kastenanhänger, Dreiseitenkipper oder Motorradtransporter: In den Fertigungshallen der STEMA Metallleichtbau GmbH im sächsischen Großenhain entstehen die unterschiedlichsten PKW-Anhänger. Konstruktion, Montage, Qualitätskontrolle – jeder Arbeitsschritt verlangt präzises Fachwissen und viel Erfahrung. Oft sind es langjährige Mitarbeiter*innen, die genau wissen, worauf es ankommt: welche Handgriffe besonders wichtig sind, wo typische Fehler passieren können, wie etwas am effizientesten geht.

Doch wie in vielen kleinen und mittleren Unternehmen steckt dieses Wissen häufig vor allem in den Köpfen der Beschäftigten und wird informell weitergegeben. Meist funktioniert das über Jahre gut. Gleichzeitig birgt es ein Risiko: Wenn erfahrene Beschäftigte das Unternehmen verlassen, kann wertvolles Know-how verloren gehen.

Damit aus Erfahrung Wissen wird

Genau dem wollte STEMA entgegenwirken. Das Unternehmen gehört zu den führenden deutschen Herstellern für universelle PKW-Anhänger und Transportlösungen und beschäftigt rund 160 Mitarbeiter*innen. „Die demografische Entwicklung merken auch wir“, erklärt Marcus Antrack, kaufmännischer Leiter bei STEMA. „Viele erfahrene Kolleginnen und Kollegen werden in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen. Deshalb war für uns klar: Wir müssen unser Wissen systematisch sichern und für neue Mitarbeitende zugänglich machen.“

Die Idee: ein Lernmanagementsystem, über das die Belegschaft Schulungsinhalte abrufen kann und langfristig auch selbst erstellt. Eine zentrale Frage dabei war, wie sich die Inhalte so gestalten lassen, dass sie im Arbeitsalltag tatsächlich genutzt werden. „Ein Lernmanagementsystem allein reicht nicht“, sagt Antrack. „Die Inhalte müssen so aufbereitet sein, dass die Mitarbeitenden sich darin wiederfinden und Lust haben, sich damit zu beschäftigen.“

Der Impuls kam über eine Coachin, die das Unternehmen bereits aus dem Netzwerk des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW) kannte. Über sie wurde STEMA auf das ESF PLus-Förderprogramm INQA-Coaching aufmerksam – und entschied sich, das Thema Wissenssicherung im Rahmen des Programms systematisch anzugehen. Um die wichtigsten Perspektiven aus dem Betrieb einzubeziehen, stellte STEMA ein Team mit Beschäftigten aus verschiedenen Bereichen zusammen: neben Geschäftsleitung und Personal auch Konstruktion, IT, Qualitätswesen, Fertigung, Buchhaltung sowie der Betriebsrat.

Gemeinsam entwickelte das Team einen sogenannten Lernpfad: Welche Inhalte sollen langfristig in dem System verfügbar sein? Wo ist Wissen besonders kritisch für den Betrieb? Welche Themen haben Priorität? „Uns war wichtig, dass das System nicht nur Pflichtunterweisungen abbildet“, sagt Antrack. „Die Inhalte sollten den Mitarbeitenden wirklich im Arbeitsalltag helfen.“

Wissen aus dem Betrieb – von Mitarbeitenden für Mitarbeitende

Eine zentrale Entscheidung fiel bereits früh im Projekt: Statt auf externe Standardinhalte zurückzugreifen, wollte STEMA eigene Lernmodule bereitstellen. Der Grund dafür war einfach: Die Fachkenntnisse über Produkte und Abläufe liegen vor allem bei den Mitarbeitenden selbst. Im Coaching lernten die Beschäftigten, wie digitale Lernmodule methodisch aufgebaut und gestaltet werden können – ganz nach dem Prinzip Learning by doing. „Wir haben die Kurse gemeinsam entwickelt, getestet und immer wieder überarbeitet“, erinnert sich Antrack. „Die Coachin hat uns dabei begleitet und Rückmeldungen gegeben, was gut funktioniert und wo wir noch nachbessern können.“

Vier Kurse als Startpunkt

So entstanden zunächst vier digitale Lernmodule zu unterschiedlichen Themenbereichen im Unternehmen: ein Kurs zur Montage von Anhängern, eine Produktschulung am Beispiel einer bestimmten Anhänger-Produktgruppe, eine Schulung zum Produktionsplanung- und -steuerungssystem und eine digitale Jahresunterweisung für Verwaltungsmitarbeitende.

Die Inhalte wurden bewusst abwechslungsreich gestaltet. Neben Texten kommen auch kurze Videos, interaktive Aufgaben und Quiz-Elemente zum Einsatz. Ziel war es, vorhandenes Wissen möglichst praxisnah und verständlich aufzubereiten. „Die Mitarbeitenden sollen klicken, ausprobieren und sich aktiv mit den Inhalten beschäftigen. Es darf ruhig auch ein bisschen Spaß machen“, so Antrack.

Die Lernmodule sind webbasiert verfügbar und können über Computer, Tablet oder Smartphone abgerufen werden. Die ersten Kurse dienen inzwischen als Vorlage für weitere Inhalte. So lässt sich beispielsweise eine Produktschulung relativ einfach auf andere Anhänger-Modelle übertragen. Schritt für Schritt entsteht so eine wachsende Wissensbasis im Unternehmen. „Unser Ziel ist, dass Wissen dauerhaft verfügbar bleibt und dass neue Kolleginnen und Kollegen schneller den Einstieg finden“, erklärt Antrack.

Skepsis am Anfang – Rückenwind durch die Praxis

Ganz ohne Herausforderungen verlief das Projekt allerdings nicht. Gerade zu Beginn waren einige Mitarbeitende skeptisch, wie groß der Aufwand für die Erstellung der Lernmodule sein würde. „Die ersten Kurse haben natürlich Zeit gekostet“, berichtet Antrack. „Deshalb war es wichtig zu zeigen, wie sich das Ganze in den Arbeitsalltag integrieren lässt. Mit zunehmender Erfahrung wurde der Prozess dann auch einfacher.“

Gleichzeitig zeigte sich ein weiterer Effekt: Die Beteiligung der Mitarbeitenden zahlt sich aus. „Wenn die Inhalte aus der Praxis kommen, werden sie auch genutzt“, weiß Antrack. „Die Mitarbeitenden merken, dass ihnen das Wissen bei ihrer Arbeit wirklich hilft.“

Auch beim Thema Digitalisierung machte das Unternehmen positive Erfahrungen. Selbst Beschäftigte, die bislang wenig mit digitalen Lernformaten gearbeitet haben, konnten sich gut darauf einlassen. „Viele unserer Kolleginnen und Kollegen arbeiten in der Fertigung und stehen an der Maschine. Mit den passenden Inhalten und einer guten Einführung funktioniert digitales Lernen aber auch dort.“

Für STEMA steht deshalb fest: Das Lernmanagementsystem soll weiter wachsen – und mit ihm die Wissensbasis im Unternehmen.

FAQ: Das Lernen wir daraus

Wie können KMU das Erfahrungswissen ihrer Mitarbeitenden sichern?

STEMA Metallleichtbau setzt auf ein unternehmensinternes Lernmanagementsystem, in dem Mitarbeitende ihr eigenes Fach- und Prozesswissen in digitale Lernmodule überführen. So bleibt betriebliches Know-how dauerhaft verfügbar, auch wenn erfahrene Kolleginnen und Kollegen in den Ruhestand gehen.

Welche E-Learning-Formate eignen sich für Beschäftigte in der Produktion?

STEMA kombiniert kurze Videos, interaktive Aufgaben und Quiz-Elemente zu praxisnahen Lernmodulen. Die webbasierten Inhalte sind auf Computer, Tablet und Smartphone abrufbar, auch für Mitarbeitende, die bislang wenig Erfahrung mit digitalem Lernen hatten.

Wie hilft INQA-Coaching bei der Einführung digitaler Lernformate im Betrieb?

Im Rahmen des INQA-Coachings wurden Mitarbeitende aus verschiedenen Unternehmensbereichen befähigt, eigene Lernmodule zu erstellen . Eine begleitende INQA-Coachin unterstützte das Team beim Aufbau, Testen und Überarbeiten der Inhalte – nach dem Prinzip Learning by doing.

Wie lässt sich internes Wissen Schritt für Schritt in digitale Lernmodule umwandeln?

STEMA startete mit vier Modulen – darunter Montageschulungen und Produktschulungen. Die ersten Kurse dienen nun als Vorlage für weitere Inhalte und lassen sich auf andere Produkte und Bereiche übertragen. So wächst die Wissensdatenbank kontinuierlich.

Kompetenz Industrie & Produktion
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