Das Bundesarbeitsministerium hat den Job-Turbo zur Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten auf den Weg gebracht, damit Betroffene schneller eine Beschäftigung finden. Menschen mit Fluchthintergrund können als Fachkräfte für Unternehmen eine wichtige Rolle spielen. Das Krankenhaus Weilheim in Bayern gibt Einblicke, wie Arbeitgeber*innen und Geflüchtete gemeinsam die Integration gemeistert haben.
Intensive Integrationskurse, enge Kooperation mit den Jobcentern sowie beschäftigungsbegleitende Qualifizierungen sind Schlüsselfaktoren beim Job-Turbo. Geflüchtete sollen mit einem einfachen Sprachlevel in einen Beruf einsteigen und sich am Arbeitsplatz weiterentwickeln können. Das alles soll dabei helfen, Menschen mit Fluchthintergrund, beispielsweise aus der Ukraine, zügig in Arbeit zu bringen. Ukrainische Pflegekräfte sind oft hoch qualifiziert. Wer aus der Ukraine stammt und eine gültige Aufenthaltserlaubnis oder Fiktionsbescheinigung mit dem Vermerk „Erwerbstätigkeit erlaubt" besitzt, kann sofort auf dem deutschen Arbeitsmarkt einsteigen – der EU-Schutzstatus gilt bis zum 4. März 2027. Es gibt bereits viele Betriebe, die erfolgreich Geflüchtete aus der Ukraine eingestellt haben.
Mit der Integrationsexpertin besser ans Ziel
Als das Krankenhaus Weilheim in Bayern Inna Tkachenko und drei weitere ukrainische Pflegekräfte einstellte, lag bereits ein praxiserprobtes Onboarding-Konzept für ausländische Mitarbeiter*innen vor. Denn um dem Pflegenotstand entgegenzuwirken, hatte die Klinik im Jahr 2020 einen Personalplan entwickelt, der auch Fachkräfte aus dem Ausland miteinbezog. Da die Einarbeitung nicht nebenbei zu stemmen war, wurde eine Mitarbeiterin freigestellt, die sich seitdem als Integrationsbeauftragte engagiert – für den Start der Geflüchteten aus der Ukraine eine enorme Hilfe. „Die Integration der ukrainischen Krankenschwestern war schon etwas Besonderes. Inna und die anderen Kolleginnen flohen eine Woche nach Kriegsbeginn nach Deutschland. Sie waren natürlich traumatisiert", erinnert sich Pflegedirektorin Anne Ertel.
Arbeit als Mittel gegen das Trauma
Inna Tkachenko kam mit ihrem Ehemann und den drei Kindern hierher, das jüngste war damals zwei Jahre alt. Die Ausländerbehörde war vom Krankenhaus Weilheim informiert worden, dass sie dort Krankenpflegepersonal suchen. So kam der Kontakt zustande. „Ich war sehr dankbar", sagt Inna Tkachenko. „Die Klinik hatte alles vorbereitet, die Anmeldung im Kindergarten, in der Schule, es gab schon eine Wohnung für uns." Die gelernte Krankenschwester stammt aus Charkiw – eine der am härtesten umkämpften Städte in der Ukraine. In der Nacht vor dem Interview gab es wiederholt einen Angriff auf ihre Heimatstadt, berichtet sie. Doch die 40-Jährige versucht nach vorne zu schauen. „Für mich war es gut, vor allem aus psychischer Sicht, gleich wieder einen Job zu haben. Weil ich dadurch nicht so viel Zeit hatte, an die Situation in meiner Heimat zu denken. Ich hatte nur einen Monat Pause, wenn man so will."
Aus der eigenen Erfahrung schöpfen
Sadije Hoxha, die Integrationsbeauftragte des Krankenhauses, war ab Tag eins für die ukrainischen Kolleginnen da. „Zum Anfang sind viele Tränen geflossen, auch während der Arbeitszeit", sagt Hoxha. „Da muss man da sein, da muss man Empathie haben und die Leute auch mal in den Arm nehmen. Ich war immer da, auch wenn nachts das Telefon geklingelt hat. Denn ich weiß aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt, wenn man sein Land wegen Krieg verlassen muss." Sadije Hoxha ist Ende der neunziger Jahre aus dem Kosovo nach Deutschland geflüchtet. Damals gab es keine Integrationskurse, auch keine Deutschkurse. Sie hat mit Hilfe der Patient*innen Deutsch gelernt. Seitdem hat sich viel getan, es gibt viel mehr Fördermöglichkeiten für Geflüchtete. Inna Tkachenko aus der Ukraine konnte über ihren Arbeitgebenden einen Sprachkurs absolvieren. Jetzt lernt sie Deutsch bereits auf dem gehobenen B2-Niveau.
Der Weg zur anerkannten Fachkraft
Damit Inna Tkachenko im Krankenhaus so bald wie möglich als Pflegekraft eingesetzt werden konnte, hat die Integrationsbeauftragte zunächst einen Antrag auf Gleichwertigkeit der Ausbildung gestellt. In dem sogenannten Defizitbescheid wurden die Inhalte beschrieben, die ihr noch fehlen. In der Ukraine ist der Fokus einer Krankenschwester zum Beispiel stärker auf medizinische Betreuung ausgerichtet als auf Pflege. Mithilfe einer Schulung konnte Inna Tkachenko die Prüfung auf Gleichwertigkeit bestehen und gilt in Deutschland nun als Fachkraft. Somit kann sie auch nach Kriegsende hier weiterarbeiten. Die Integration in Beruf und Alltag hätte bei Inna Tkachenko nicht besser laufen können.
Persönliches Engagement zahlt sich aus
Damit Inna Tkachenko im Krankenhaus so bald wie möglich als Pflegekraft eingesetzt werden konnte, hat die Integrationsbeauftragte zunächst einen Antrag auf Gleichwertigkeit der Ausbildung gestellt. In dem sogenannten Defizitbescheid wurden die Inhalte beschrieben, die ihr noch fehlen. In der Ukraine ist der Fokus einer Krankenschwester zum Beispiel stärker auf medizinische Betreuung ausgerichtet als auf Pflege. Mithilfe einer Schulung konnte Inna Tkachenko die Prüfung auf Gleichwertigkeit bestehen und gilt in Deutschland nun als Fachkraft. Somit kann sie auch nach Kriegsende hier weiterarbeiten. Die Integration in Beruf und Alltag hätte bei Inna Tkachenko nicht besser laufen können.
Integration geflüchteter Pflegekräfte: Fragen aus der Praxis
Eine eigene Ansprechperson im Betrieb. Das Krankenhaus Weilheim hat eine Kollegin dafür vollständig für diese Aufgabe freigestellt – mit dem Ergebnis, dass alle vier ukrainischen Pflegekräfte dauerhaft blieben und heute examiniert arbeiten.
Ein Gleichwertigkeitsverfahren stellt fest, welche Inhalte fehlen (Defizitbescheid). Mit gezielten Schulungen können Betriebe diese Lücken schließen, damit die Fachkraft eine volle Anerkennung erhält.
Eine gültige Aufenthaltserlaubnis oder Fiktionsbescheinigung mit dem Vermerk „Erwerbstätigkeit erlaubt". Der EU-Schutzstatus gilt bis zum 4. März 2027 – bestehende Aufenthaltstitel wurden automatisch verlängert, kein neuer Antrag nötig.
Dieses INQA-Praxisbeispiel zeigt: Ja. Das Engagement zahlt sich in examinierten Fachkräften aus, die langfristig bleiben.