Reifenhaus Reber: Das Familienunternehmen blickt in die Zukunft

Familienunternehmen in der Automobilbranche sind stark vom Wandel der Zeit betroffen. Das Reifenhaus Reber in Murr (Baden-Württemberg) sieht die Veränderung als Chance, sich für die Zukunft aufzustellen. Das Unternehmen hat verstanden, wie Fachkräfte-Bindung im Jahr 2021 funktioniert: nämlich digital.

Digitalisierung, Elektromobilität, neue Ausrüstung: Die ständige Veränderung der Automobilbranche kann manche überfordern. Um seine Beschäftigten auf diesem Weg zu unterstützen, hat sich der Inhaber der Werkstatt Reifenhaus Reber entschlossen, an der uWM plus-Beratung der Initiative Neue Qualität der Arbeit teilzunehmen.

Elektromobilität als Chance begreifen

Von außen betrachtet sieht das Reifenhaus Reber wie jede andere Autowerkstatt aus. Doch der Eindruck täuscht: Im Innern versteckt sich hochmoderne Technik und spezialisierte Ausrüstung, die Elektromobilitätsfans aus ganz Deutschland anzieht. Die meisten Interessierten informieren sich online. „Täglich erhalten wir bis zu hundert Anfragen per E-Mail, Chat und soziale Medien“, erzählt Angelika Scholz, die seit 2009 im Betrieb arbeitet. „Wir haben Kund*innen, die sogar aus dem Ausland zu uns kommen.“

Ob Hauptuntersuchung, Felgenaufbereitung, Achsvermessung, Getriebespülung oder Auswuchten – das Angebot des Reifenhauses Reber ist breit gefächert. In der Firma sind sieben Menschen tätig, davon vier in der Werkstatt. Scholz ist als einzige Beschäftigte im Back-Office für die Buchhaltung zuständig.

Sie erinnert sich noch an die Zeit, als Reifenhaus Reber ein traditionelles Reifengeschäft war. Das Unternehmen wurde 1948 gegründet und wird seit vier Generationen von Familie Reber betrieben. 2011 hat Marcus Reber die Zügel in die Hand genommen, nachdem sein Vater in Rente gegangen war. Seitdem liegt der Fokus auf Elektromobilität. Der Betrieb bietet spezialisierte Reparaturen an, auch Reifen, Felgen und entsprechendes Zubehör für Elektroautos sind immer vorrätig. Die Produkte können entweder versandt oder vor Ort montiert werden. Eine Stromtankstelle sorgt dafür, dass die Besucher*innen ihren Nachhauseweg antreten können.

Bessere Kommunikation zwischen Büro und Werkstatt

Die fortschreitende Digitalisierung der Automobilbranche war einer der Schwerpunkte der uWM plus-Beratung. Die schnelle Entwicklung hatte nämlich dazu geführt, dass der Teamgedanke an den Schnittstellen von Büro und Werkstatt unter den neuen Herausforderungen stark abgenommen hat.

„Wir hatten schon einige Schwierigkeiten in der Auftragsvergabe und Arbeitsorganisation gehabt“, gibt Angelika Scholz zu. Die Beschäftigten haben im Rahmen der Beratung innovative Wege finden können, diese Herausforderungen zu bewältigen. Eine neue, klare Struktur sowie Planungswände mit Namen und Aufträgen sorgen dafür, die Übersicht zu behalten und Abläufe zu optimieren. Regelmäßige Meetings dienen dazu, die Belegschaft auf die nächsten Schritte vorzubereiten und das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Die Belegschaft wurde von Anfang an in den Prozess einbezogen, was ihre Motivation stärkte.

Die Community direkt ansprechen

Das Reifenhaus Reber ist offen gegenüber neuen Entwicklungen. Marcus Reber hat nämlich ein Gespür für neue Trends – auch in Sachen Kommunikation und Marketing. Der Geschäftsführer ist selbst auf sozialen Medien und in Internet-Foren unterwegs, wo er potenzielle Kund*innen direkt anspricht. Und zwar multimedial: Reber hat einen Werbefilm im Stil eines Filmtrailers produziert, der Luftaufnahmen des Unternehmens sowie spannende Clips aus dem Alltag zeigt - begleitet von dramatischer Musik.

„Noch vor acht Jahren haben wir es mit Zeitungsannoncen versucht.“, lacht Angelika Scholz. „Doch wir haben schnell gemerkt, dass es nichts bringt. Seitdem haben wir unsere ganze Öffentlichkeitsarbeit ins Internet verlegt.“ Der rege Austausch mit der Community und der zeitgemäße Internet-Auftritt sorgen dafür, dass der Betrieb seine marktführende Position auch während der Covid-19-Pandemie halten konnte. Die Beratung findet telefonisch oder online statt, Reparaturen und Montage nach Terminvergabe. Weil die Firma im digitalen Bereich sehr gut aufgestellt ist, wurde der Kontakt zu den Kund*innen nicht unterbrochen.

Voneinander lernen

Viele kleine Betriebe stehen vor der Herausforderung, qualifizierte Fachkräfte anzuziehen. Doch auch in diesem Bereich konnte Reifenhaus Reber gut abschneiden. Um die Nachfolge für den Meister zu sichern, hat das Unternehmen einen jungen Mitarbeiter eingestellt, der gerade dabei ist, die Meisterschule zu absolvieren. Die beiden arbeiten Hand in Hand und tauschen sich über technische Neuigkeiten sowie Werkstatt-Tricks aus. „Da haben wir echt Glück gehabt“, freut sich Angelika Scholz.

Die Besetzung der offenen Stellen wird auch in Zukunft kein Problem darstellen. „Junge Menschen kommen oft auf uns zu und erkundigen sich nach Einstiegsmöglichkeiten. Das zeigt uns, dass wir dank unserer Anwesenheit im Netz von der Community wahrgenommen werden“, erzählt Frau Scholz.

Was können andere KMU vom Reifenhaus Reber lernen? „Man sollte die Veränderungen im Markt im Blick behalten und zum richtigen Zeitpunkt die richtige Entscheidung treffen“, empfiehlt Angelika Scholz. Und: ein professioneller und zielgruppengerechter Internet-Auftritt ist das A und O. Denn die Zukunft ist digital.

Das könnte Sie auch interessieren Zoom-Fa­tigue vor­beu­gen – mehr Le­ben in die vir­tu­el­le Ar­beit brin­gen

Vir­tu­el­le Kom­mu­ni­ka­ti­on be­stimmt seit ei­nem Jahr den All­tag von Füh­rungs­kräf­ten und Be­schäf­tig­ten. Da­bei zeigt sich: Häu­fi­ge Vi­deo­kon­fe­ren­zen kön­nen dem Kör­per scha­den. Das Phä­no­men wird Zoom-Fa­tigue ge­nannt. Die IN­QA-Bot­schaf­te­rin und Ex­per­tin für Per­so­nal­ma­na­ge­ment Prof. Dr. Jut­ta Rump und Fran­zis­ka Stieg­ler, Lei­te­rin des IN­QA-Pro­jek­tes „Psy­chi­sche Ge­sund­heit in der Ar­beits­welt“ (psy­GA) er­klä­ren, wie sich die On­line-Mü­dig­keit auf die Ge­sund­heit aus­wirkt.

Mo­der­ne Füh­rungs­kul­tur baut auf Ver­trau­en und Team­geist

Wie funk­tio­niert mo­der­ne Füh­rung? Jo­se­phi­ne Hof­mann vom Fraun­ho­fer-In­sti­tut für Ar­beits­wirt­schaft und Or­ga­ni­sa­ti­on (IAO) teilt zehn span­nen­de Lear­nings aus dem IN­QA-Ex­pe­ri­men­tier­raum „Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on“ bei der AOK Ba­den-Würt­tem­berg.

Mehr Frei­heit, mehr Ver­ant­wor­tung: So sieht mo­der­ne Füh­rungs­kul­tur aus

Ei­ne Ar­beits­welt im Wan­del ver­än­dert auch das Ver­ständ­nis von Füh­rung – mit Per­spek­ti­ven auf mehr Ar­beits­fle­xi­bi­li­tät, Chan­cen­gleich­heit und neue Kar­rie­re­kon­zep­te. Die Er­fah­run­gen wäh­rend der Co­ro­na-Pan­de­mie ha­ben dies noch wei­ter­be­för­dert. Die In­itia­ti­ve Neue Qua­li­tät der Ar­beit (IN­QA) hat da­zu mit zwei Ex­per­tin­nen ge­spro­chen.

Bleiben Sie mit uns in Verbindung

Tra­gen Sie sich in den IN­QA-Ver­tei­ler ein und wer­den Sie Teil der Pra­xis­platt­form für Ar­beits­qua­li­tät und den Wan­del der Ar­beit

Mit aktuellen Tipps, Handlungshilfen und Studien von INQA machen Sie Ihren Betrieb fit für die Arbeitswelt von morgen.

Informieren Sie sich über neue Entwicklungen aus der Arbeitswelt sowie Nachrichten und Hintergründe von INQA und aus dem Partnernetzwerk.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen gelesen. Über einen Link in den Benachrichtigungen der Initiative kann ich diese Funktion jederzeit deaktivieren.