Kompetenz 2 Minuten Lesezeit So pro­fi­tie­ren KMU vom neu­en Aus- und Wei­ter­bil­dungs­ge­setz Startseite Themen Kompetenz Personalentwicklung
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Christine Ueding ist Qualifizierungsberaterin im Arbeitgeber-Service bei der Bundesagentur für Arbeit. Im Interview erklärt sie, was das neue Gesetz zur Stärkung der Aus- und Weiterbildungsförderung kleinen und mittleren Unternehmen konkret bringt.

Warum ist Weiterbildung gerade heutzutage so wichtig für kleine und mittlere Unternehmen und ihre Mitarbeitenden?

Weiterbildung ist deswegen ein großes Thema, weil sich die Arbeitswelt komplett wandelt. Das merken wir im Moment sehr stark, zum Beispiel durch beschleunigte Veränderungsprozesse, die digitale Transformation und den Einsatz von KI. Unternehmen müssen sich der Entwicklung stellen, dass sich Geschäftsprozesse und auch ganze Arbeitsabläufe verändern. Und durch neu entstandene Aufgabenfelder werden auch andere Kompetenzen erwartet. Beschäftigte müssen viel offener für neue Technologien sein und deutlich eigenständiger und kreativer arbeiten. Es sind also nicht nur die Hard Skills, die sich verändern, sondern Mitarbeitende müssen auch mehr Soft Skills mitbringen. Außerdem ist es für Beschäftigte etwas Positives, unterstützt zu werden, neue Fähigkeiten und Kenntnisse zu erwerben. Sie sind zufriedener und engagierter, da sie sich wertgeschätzt fühlen. Für die Unternehmer*innen zahlt es sich sowieso aus, weil sie dadurch bessere Qualifikationen und mehr Produktivität erwarten können.

Im April 2024 sind verschiedene Maßnahmen des neuen Gesetzes zur Stärkung der Aus- und Weiterbildungsförderung in Kraft getreten. Was ist für Unternehmen wichtig zu wissen?

Das Gesetz besteht aus zwei Säulen. Die eine Säule bezieht sich auf den Bereich der Weiterbildung. Hier wurde der Förderrahmen stark vereinfacht, transparenter gestaltet und auch die Planbarkeit für die Arbeitgeber verbessert. Bisher erfolgte die Unterstützung individuell – je nach Voraussetzungen. Wir von der Agentur für Arbeit haben darüber entschieden, in welcher Höhe die Qualifizierungsmaßnahme gefördert wird. Jetzt weiß der Arbeitgeber genau, wie viel erstattet wird. Das kann er sich anhand einer Förderübersicht anschauen. Die andere Säule umfasst den Bereich der Ausbildung. Dabei sind zum 1. April 2024 Elemente der Ausbildungsgarantie in Kraft getreten. Neben einem geförderten Berufsorientierungspraktikum für Schulabgänger*innen wurde ein Mobilitätszuschuss eingeführt, der es jungen Menschen erleichtern soll, in einer anderen Stadt oder Region einen Beruf zu erlernen. Im August wird außerdem ein Rechtsanspruch auf Förderung einer außerbetrieblichen Berufsausbildung eingeführt.

Christine Ueding ist Qualifizierungsberaterin im Arbeitgeber-Service bei der Bundesagentur für Arbeit.

Was verbessert sich mit dem Gesetz vor allem für kleinere Betriebe?

Die Cluster für die Unternehmensgrößen wurden neu zugeschnitten. Das bedeutet vor allem für KMU höhere Fördermöglichkeiten. Das erste Cluster umfasst Betriebe, die unter 50 Mitarbeiter*innen beschäftigen, diese Unternehmen bekommen 100 Prozent der Lehrgangskosten erstattet. Zusätzlich erhalten sie 75 Prozent Zuschuss zum Arbeitsentgelt für die Zeit, in der Mitarbeitende aufgrund der Weiterbildung ausfallen. Die Förderung bei mittleren und größeren Unternehmen findet anteilig statt: Bei Cluster zwei, das beinhaltet Unternehmen, die zwischen 50 und 500 Mitarbeitende haben, werden 50 Prozent und bei Cluster drei, mehr als 500 Mitarbeitende, 25 Prozent der Lehrgangskosten und des Arbeitsentgelts erstattet.

Welche Neuerungen gibt es bei den Voraussetzungen?

Bisher mussten für eine Förderung bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein: dass die Unternehmen vom Strukturwandel betroffen sind oder es sich um Engpassberufe handelt. Die Bedingungen entfallen nun. Ab sofort ist eine Förderung nur noch davon abhängig, dass die Beschäftigten durch einen zertifizierten Träger mit einer anerkannten Bildungsmaßnahme qualifiziert werden und diese Maßnahme mindestens 120 Unterrichtseinheiten dauert. Voraussetzung ist auch, dass Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt werden, die über kurzfristige Anpassungsfortbildungen hinausgehen oder Berufsabschlüsse vermitteln. Außerdem haben sich die Wartezeiten verkürzt, man kann jetzt alle zwei Jahre gefördert werden, anstatt alle vier Jahre. Denn auch die Inhalte von Qualifizierungsmaßnahmen verändern sich immer schneller.

Das Gesetz enthält auch ein Qualifizierungsgeld für Unternehmen, die stark vom Strukturwandel betroffen sind. Wie sieht diese Unterstützung konkret aus?

Das Qualifizierungsgeld ist ein ganz neues Instrument. Es funktioniert als Lohnersatzleistung für Arbeitnehmer*innen in einem Unternehmen, das vom Strukturwandel betroffen ist. Damit werden Betriebe angesprochen, die sagen: Wir stellen uns komplett neu auf und strukturieren um. Dabei reden wir von einer größeren Gruppe, vielleicht ein ganzes Team oder Teile der Belegschaft, die qualifiziert werden müssen. Das können Arbeitgeber mit dem Qualifizierungsgeld abfedern, welches 60 bis 67 Prozent des Netto-Gehalts beträgt, ähnlich wie beim Kurzarbeitergeld. Der Arbeitgeber trägt dafür die Weiterbildungskosten. Dadurch hat er jedoch den Vorteil, dass die Qualifizierungsmaßnahme nicht zertifiziert sein muss. Dies erhöht die Flexibilität für den Arbeitgeber.

Sie möchten Weiterbildung strategisch in Ihrem Unternehmen verankern? Der Arbeitgeber-Service der Bundesagentur für Arbeit bietet umfassende und kostenlose Beratung an – von Qualifizierungsplänen bis Fördermöglichkeiten. Weitere Informationen, auch zum neuen Gesetz zur Stärkung der Aus- und Weiterbildungsförderung, finden Sie hier: https://www.arbeitsagentur.de/news/weiterbildungsgesetz

Einen ersten Überblick zum Thema Weiterbildung bietet das neue digitale Angebot der Bundesagentur für Arbeit: www.mein-now.de

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