Wie Sie die Entwicklung von Netzwerken innovativ gestalten
  • Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt rasant– und trotz Coronakrise klagen viele Arbeitgeber über Fachkräftemangel.
  • Insbesondere im ländlichen Raum haben es Firmen oft noch schwerer, die richtigen Fachkräfte zu finden.
  • Zwei konkrete „Experimentierräume für Netzwerkentwicklung“ erproben neue Konzepte zur regionalen Fachkräftesicherung in „Lokalen Innovationslaboren“.

Vielleicht kann man in Zeiten wie diesen ganz Deutschland als Experimentierraum bezeichnen. Seit Jahren stellen insbesondere die demografische Entwicklung und der rasante technologische Wandel vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) vor Herausforderungen, seit einem Dreivierteljahr kommt nun noch die Covid-19-Pandemie hinzu. Diese beschleunigt nochmals den Wandel der Arbeit: Homeoffice und Videokonferenzen sind angesagt, Teams sehen sich plötzlich nur noch per Bildschirm, Auszubildende erleben ihren Berufsstart per Webinar.

Vieles verändert sich gerade. Doch eines ist in vielen Betrieben trotz der Krise geblieben: der zunehmende Fachkräftemangel in vielen Branchen und Regionen. Vor allem KMU in ländlicheren Regionen tun sich schwer damit, die passenden Bewerber*innen zu finden und auf sich aufmerksam zu machen. „Für diese Firmen und damit letztlich für die gesamte regionale Entwicklung ist es von entscheidender Bedeutung, dass sich alle relevanten Akteure vor Ort vernetzen, ihre Kräfte bündeln und Konzepte zur regionalen Fachkräftesicherung entwickeln, erproben und umsetzen“, betont Markus Müller, Referatsleiter für Grundsatzfragen der Arbeitskräftesicherung und -qualifizierung im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS).

Wie Netzwerke in den Regionen die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen stärken können

Viele Jahre hat das Innovationsbüro Fachkräfte für die Region im Auftrag des BMAS regionale Netzwerke zur Fachkräftesicherung unterstützt, sich zu professionalisieren, voneinander zu lernen und innovative Ansätze auszuprobieren. Inzwischen sind mehr als 400 derartige Netzwerke bundesweit aktiv, sehr viele in ländlichen Regionen. In diesem Zusammenhang bekam das Innovationsbüro vom BMAS den Auftrag, einen Prozess auf den Weg zu bringen, aus dem sich sogenannte „Experimentierräume für Netzwerkentwicklung“ entwickeln sollen. Sie sollen als Modell dienen, wie Netzwerke in den Regionen die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen stärken sowie die Qualität der Arbeit für die Beschäftigten verbessern können.

Entstanden ist der Prototyp eines „Lokalen Innovationslabors“

In einem mehrmonatigen Design Thinking-Prozess entwickelte das Team des Innovationsbüros gemeinsam mit Vertreter*innen von Netzwerken, dem BMAS sowie der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) Modelle für derartige Experimentierräume.

Der letztlich finalisierte Prototyp ist ein „Lokales Innovationslabor“. Dessen Arbeit könnte zum Beispiel so aussehen:

  • Unternehmen mit aktuellen Herausforderungen suchen diesen Ort auf und erreichen direkt Ansprechpersonen mit breitem Informationswissen.
  • Die Ansprechpartner*innen sind Lots*innen und kümmern sich um die Anliegen und bringen die Betriebe mit den entsprechenden Anlaufstellen in Kontakt.
  • Fachleute von Kommunen, Agentur für Arbeit, Dienstleistern, Verbänden, Vereinen bieten dort regelmäßige Sprechstunden an.
  • Es gibt Coworking-Möglichkeiten, Seminar- und Besprechungsräume sowie Veranstaltungen (analoge Angebote), aber auch
  • digitale Räume und Events – von einer Austausch- und Wissensplattform über Chat und Webinare bis zu Online-Sprechstunden, vielleicht aber auch
  • die Bibliothek, die Touristeninformation oder ein Cafe.
Innovativ erfolgreich netzwerken

Lokale Innovationslabore in Mecklenburg-Vorpommern und Stuttgart

Seit Anfang 2020 läuft die Umsetzungsphase des Projekts. An zwei Orten wird seitdem exemplarisch an der Realisierung gearbeitet: In Feldberg in Mecklenburg-Vorpommern entsteht eine Anlaufstelle für KMU. Das heißt: mit dem „Werkraum Feldberg“ gibt es sie schon, zumindest als realen Ort. Dieser beherbergt eine Werbeagentur, einzelne Coworking-Arbeitsplätze und einen Second-Hand-Laden und bietet regelmäßig Veranstaltungen an. Parallel erweiterten die Betreiber, Robert und Susan Gardlowski, ihr Netzwerk, knüpften immer mehr Kontakte. So entstand auch ein Netzwerk zur Fachkräftesicherung, das mit einem Projekt längst weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt ist: mit seinem erfolgreichen Talent-Recruiting-Event „Löwenpitch“, für das es 2020 vom BMAS als „Innovatives Netzwerk 2020“ ausgezeichnet wurde.

Robert Gardlowski wirkte an dem „Design Thinking“-Prozess mit und wird gemeinsam mit den anderen Akteuren den Werkraum nun weiterentwickeln. „In Zukunft wird die gerade entstehende gemeinsame Serviceagentur ‚Werkraum Feldberg‘ die Bedarfe der regionalen KMU und Solo-Entrepreneur*innen mit den Unterstützungsangeboten der Arbeitsmarktexpert*innen noch gezielter matchen“, kündigt er an. Das stärke die ländliche und strukturschwache Region Feldberger Seenlandschaft als Arbeits- und Lebensraum.

Eine neutrale und digitale Anlaufstelle, die Interaktion fördert

Seit einigen Monaten nennt sich auch die Wirtschaftsförderung der Region Stuttgart „Experimentierraum für Netzwerkentwicklung“. Richtiger: ihr Onlineportal fachkraefte.region-stuttgart.de. „Unser Ziel ist es, die bisher eher statische Fachkräfte-Website zu einer zentralen, neutralen und digitalen Anlaufstelle für KMU weiterzuentwickeln“, erläutert Dr. Sabine Stützle-Leinmüller, Leiterin Geschäftsbereich Fachkräfte der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH, die auch die Projekte der Fachkräfteallianz Region Stuttgart koordiniert. Die Nutzer sollen mit wenigen Klicks die Informationen und Ansprechpersonen erhalten, die für ihre individuelle Frage zur Fachkräftegewinnung oder -sicherung wirklich relevant sind. Dazu sieht das Konzept etwa eine intelligente Suchfunktion, einen Chatbot oder eine direkte Terminbuchung über eine Online-Kalenderfunktion vor. Zudem sollen Informationen multimedial aufbereitet werden – vom Podcast bis zum Webinar.

„Wir wollen hin zu einer dynamischen Website, einem digitalen Lern- und Arbeitsraum, der die Interaktion der Nutzer*innen fördert“, fasst Stützle-Leinmüller das Konzept zusammen.

Gewonnene Erkenntnisse als Inspiration für andere Netzwerke

„Das BMAS sieht in den „Lokalen Innovationslaboren“ die Chance, noch individueller und lokaler zur Fachkräftesicherung, Regionalentwicklung und Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen zu wirken“, sagt Markus Müller aus dem BMAS. „Die vom Innovationsbüro Fachkräfte für die Region mit den Akteuren der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA), den Regionen und Unternehmen entwickelten Handlungsempfehlungen für die lokalen Innovationslabore zeigen, wie das gelingen kann. Wir hoffen, dass sich viele andere Netzwerke davon inspirieren lassen, selbst zum lokalen Innovationslabor zu werden!“

Fotograf: David Biene

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