Wie einige andere Regionen in Deutschland steht auch Südwestfalen vor tiefgreifenden strukturellen Veränderungen. Unternehmen müssen sich auf technologische Veränderungen, Digitalisierung, neue Nachhaltigkeitsanforderungen, veränderte Lieferketten sowie moderne Arbeits- und Führungskulturen einstellen. Betroffen sind alle fünf Landkreise der Region: Märkischer Kreis, Olpe, Siegen-Wittgenstein, Hochsauerlandkreis und Soest.
Gerade in diesem Wandel ist es zentral, Fachkräfte zu sichern. „Viele Arbeitgebende der Region punkten dabei zwar mit einer verlässlichen, menschlich geprägten Unternehmenskultur und hoher Ausbildungsqualität. In der Sichtbarkeit und im Arbeitgebermarketing müssen sie jedoch noch deutlich stärker werden“, sagt Saskia Haardt-Cerff, Koordinatorin des Netzwerks Arbeitgeberschmiede Südwestfalen.
Gleichzeitig steigen die Erwartungen jüngerer Generationen und internationaler Talente an moderne Arbeitsformen sowie Unternehmenskultur, Sinnorientierung oder Vielfalt. Viele Unternehmen in der Region stehen daher vor der Aufgabe, ihre Arbeitgeberattraktivität gezielt weiterzuentwickeln – durch einen Kulturwandel und professionelles Arbeitgebermarketing.
Südwestfalen auf dem Weg zur Region der Top-Arbeitgeber
Hier setzt die Arbeitgeberschmiede Südwestfalen an – und greift dabei auf die bereits vorhandenen Ressourcen zurück, wie zum Beispiel die hohe Zufriedenheit und Bindung der Mitarbeitenden in der Region, eine stark ausgeprägte Familienorientierung in den Unternehmen und gemeinsame Strukturen. Das Ziel ist es, die Region als attraktive Arbeitgeberregion zu stärken und sichtbar zu machen.
Das Netzwerk steht allen Interessierten offen und wird durch die Südwestfalen Agentur GmbH sowie sechs Verbundpartner umgesetzt: die Fachhochschule Südwestfalen, die Universität Siegen, die Hochschule Hamm-Lippstadt, die agentur mark GmbH, die Wirtschaftsförderung Kreis Soest GmbH und die Wirtschaftsförderung des Kreises Siegen-Wittgenstein. Finanziert wird das Projekt durch Mittel der Europäischen Union und des Landes Nordrhein-Westfalen.
Den Tatsachen ins Auge sehen: das Spiegel-Angebot
Gemeinsam gibt das Netzwerk Unternehmen vielfältige Impulse zur Steigerung ihrer Arbeitgeberattraktivität. Ein zentrales Praxisangebot der Arbeitgeberschmiede Südwestfalen ist das Spiegel-Angebot, das Unternehmen eine kostenfreie Analyse ihres Arbeitgebermarketings und Recruitings ermöglicht.
Die Analyse verläuft in zwei Teilen. Mittels eines Online-Selbsteinschätzungstests erfahren Betriebe zunächst, wie ihre Maßnahmen und Werkzeuge zur Mitarbeitergewinnung, Personalmarketing und Arbeitgeberattraktivität wirken.
Im zweiten Schritt wird die digitale Kommunikation aus der Außensicht eines Bewerbenden bewertet. Ein Kriterienkatalog mit über 180 Items stellt dabei eine objektive Datenerhebung sicher. Im Fokus stehen die wichtigsten Plattformen für digitales Recruiting und Personalmarketing. Das Unternehmen bekommt im Anschluss die Analysenergebnisse. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, ein Auswertungsgespräch zu führen.
Über 200 Unternehmen haben das Angebot bereits genutzt und sehr positive Rückmeldungen gegeben. Auf der Internetseite des Netzwerks werden viele von ihnen vorgestellt. Die Praxisbeispiele bieten gute Ideen, echte Erfahrungen und jede Menge Potenzial zum Nachmachen.
Weitere Praxisangebote für Unternehmen
Außer dem Spiegel-Angebot hält das Netzwerk eine breite Palette an weiteren kostenlosen Praxisangeboten für KMU bereit, wie zum Beispiel das Online-Tool Kulturelle Diversität zur eigenständigen Überwachung und Analyse des eigenen Fortschritts. Es ermöglicht Unternehmen, ihre Stärken und Schwächen im Bereich der kulturellen Diversität auf Basis individueller Eingaben zu erkennen.
Die Hochschul-Lotsin wiederum unterstützt Betriebe dabei, sich an regionalen Hochschulen und Universitäten als Arbeitgebende zu präsentieren. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der Begleitung von Unternehmen zur Übernahme von internationalen Studierenden.
Das Gap Year Südwestfalen ist ein Programm für junge Menschen, die praktische Erfahrungen bei verschiedenen Arbeitgebenden sammeln möchten. Innerhalb eines Jahres können die Teilnehmenden bis zu drei Praktika in unterschiedlichen Unternehmen und Berufsfeldern absolvieren.
Gemeinsam voran für die Zukunft der Region
„Zudem gibt es bereits eine breite Akteurslandschaft in Südwestfalen, die den Unternehmen unterschiedliche Unterstützungsmöglichkeiten bieten, sich als Arbeitgebende besser aufzustellen oder attraktiver und sichtbarer zu werden“, sagt Haardt-Cerff. „Dies haben wir zum Beispiel bei der Südwestfälischen Fachwoche für Arbeitgebermarketing gezeigt, die im März 2026 das erste Mal stattfand.“
In über 40 kostenlosen Veranstaltungen stellten zahlreiche Akteur*innen wie Kammern, Regionalagenturen, Kompetenzzentren für Frau und Beruf, Wirtschaftsförderungen, Agenturen für Arbeit, Arbeitgeberverbände oder regionale Dienstleister ihre vielfältigen Aktivitäten in der Region vor. „Denn das gemeinsame Ziel ist es, Südwestfalen gut für die Zukunft aufzustellen“, so Haardt-Cerff.