Kurzportrait: Giuseppe S. (58), Gastronom

Vom Tellerwäscher zum Restaurantbesitzer: Giuseppe S. hat in Deutschland ein erfolgreiches Geschäft aufgebaut. Der „Lockdown“ aufgrund der Coronavirus-Pandemie trifft ihn besonders hart.

In Süditalien geboren, kam ich mit 16 Jahren nach Deutschland, weil es in meiner Heimat keine Arbeit für mich gab. Ich begann als Tellerwäscher und kam in den folgenden Jahren in der Küche und im Service verschiedener Restaurants zum Einsatz. Eine formelle Ausbildung habe ich nicht. Meine Fähigkeiten eignete ich mir ganz praktisch an und unter meinen Lehrmeister*innen gab es einige richtig gute Köch*innen.

Seit 1991 bin ich mit meinem „Sportpark Restaurant Da Giuseppe“ eine feste Institution in der Gemeinde Wachtberg – das liegt südlich von Bonn. Meine Gäste kommen nicht nur wegen der leckeren Gerichte. Sie schätzen auch die typisch italienische Gastfreundschaft und die gemütliche Atmosphäre. Doch seit dem „Lockdown“ ist es damit erst einmal vorbei. Da die Corona-Krise eine Kontaktsperre erforderte, mussten deutschlandweit alle Betriebe des Gastgewerbes schließen. Die Gäste können nirgendwo hin und damit auch nicht zur Konkurrenz.

Wie viele meiner Kolleg*innen biete ich einen Abholservice an, in meinem Fall von 12 bis 15 Uhr und von 18 bis 21 Uhr. Den organisiere ich so, dass immer nur ein*e Kund*in vor dem Tresen erscheint, um die frisch zubereiteten, verpackten Speisen an sich zu nehmen. Ich achte darauf, dass dabei stets ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen uns gewahrt bleibt. Die ohnehin strengen Hygienevorschriften in meiner Branche sind in Zeiten von Corona wichtiger denn je. Nach der Zubereitung jeder Mahlzeit wasche ich mir gründlich die Hände. Den Desinfektionsspender auf dem Tresen können auch die Kund*innen nutzen. Bei der Herausgabe der Ware und beim Bezahlen trage ich Einmalhandschuhe. Auf eine Gesichtsmaske verzichte ich, solange das noch gestattet ist. 

Viel lässt sich mit dem Abholservice nicht verdienen, ich hole damit gerade mal die Unkosten für Strom, Wasser und ein paar kleinere Versicherungen heraus. Mein Umsatz ist um rund 80 Prozent eingebrochen. Mehrere geschlossene Gesellschaften mit 30 bis 60 Personen, darunter drei Kommunionsfeiern, wurden abgesagt. So habe ich, sobald das möglich war, Corona-Soforthilfe beantragt. Ich beschäftige vier Mitarbeiter*innen, die ihrerseits Kurzarbeitergeld beziehen. Deshalb wurden mir 9.000 Euro für drei Monate bewilligt, die ich nicht zurückzahlen muss. Ich hoffe, dass das Geld bald auf meinem Konto eintrifft, wobei es meine Ausgaben bei weitem nicht deckt. Immerhin fallen monatlich allein 3.000 Euro Krankenkassen-Beiträge für meine Angestellten an. Mit meinen Rücklagen lassen sich gerade mal zwei Monate überbrücken. Zu meiner Erleichterung verzichtet mein Verpächter, ein Energieversorger, auf die Miete, bis mein Betrieb wieder anläuft.

Ich bin zuversichtlich, dass das spätestens im Mai der Fall sein wird – auch wenn die Einschränkungen dann noch nicht vollends aufgehoben sein sollten. Ich habe 90 Plätze. Wenn ich nur 40 Personen einlasse, ist gewährleistet, dass alle in genügendem Abstand voneinander sitzen. Einen Ansturm erwarte ich erst einmal ohnehin nicht. Hauptsache, es tritt wieder etwas Normalität ein.

Ich freue mich schon darauf, wieder am Herd zu stehen und einer bzw. einem Mitarbeiter*in das Pizzabacken beizubringen, während ein*e Kolleg*in sich um die Zubereitung von Gemüse, Salaten und Desserts kümmert und zwei weitere im Service unterwegs sind.

Nahezu 30 Jahre war es für mich selbstverständlich, sie zu bewirten. Durch die Corona-Krise ist mir bewusst geworden, wieviel mir das bedeutet. Ich bleibe positiv und gehe davon aus, dass das Schlimmste bald überstanden sein wird. Und natürlich bin ich dankbar und glücklich, dass wir hier keine italienischen Verhältnisse haben!

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