Kreativ in der Krise: Teamwork in Virtual Reality

Timon Vielhaber ist Gründer des Start-Ups World of VR in Köln. Wie sein Unternehmen die Krise genutzt hat, um ein neues Produkt für virtuelle Meetings zu entwickeln, berichtet er im Interview.

In den Zeiten vor Corona: Welche Leistungen hat Ihr Unternehmen erbracht und wie sah ein „normaler“ Arbeitstag aus?

Wir sind ein Team von Entwickler*innen, das zusammen an digitalen Projekten arbeitet. Evolve Humanity Virtually – das ist unsere Mission. Als Start-Up entwickeln wir Virtual Reality (VR)- und Augmented Reality-Lösungen für Geschäftskunden und auch für öffentliche Einrichtungen wie z.B. Kliniken. Mit unseren VR-Anwendungen können sich die Mitarbeiter*innen eines Betriebes weltweit online in einer virtuellen Welt treffen und zusammen Lerninhalte schulen. Unsere Lern-App für den Klassenraum InnoClass erlaubt es wiederum Lehrer*innen, mit dem Tablet per Augmented Reality zu unterrichten, wie z.B. den Aufbau einer Nervenzelle. Als Firma haben wir auch schon vor der Krise viel kommuniziert. So gab es jeden Tag um 10 Uhr ein kurzes Team-Meeting, das sogenannte „Stand-up-Ritual“, um uns gegenseitig auf dem Laufenden zu halten. Aktuell findet es als Videokonferenz statt. Vor der Krise haben wir außerdem zusammen Sport gemacht und es gab andere gemeinsame Aktivitäten. Die tolle Teamatmosphäre in unserem wunderbaren Kölner Büro ist ein wesentlicher Bestandteil unserer DNA und ein Grund, mit Spaß zur Arbeit zu kommen.

Was hat sich durch die Corona-Krise verändert?

Als die Kontaktsperre kam und Geschäfte geschlossen wurden, sah es zunächst so aus, als wenn wir als IT/VR-Firma nicht betroffen sind. Aber die indirekte Welle der Investitions-Stopps in allen Firmen hat auch uns erwischt. Innerhalb weniger Tage brachen links und rechts viele Aufträge weg und Projekte wurden gestoppt. Als kleines Team von 15 Leuten haben wir jedoch schnell auf die Krise reagieren können und schon früh ins Home Office gewechselt. Alle Mitarbeiter*innen waren technisch gut ausgestattet, denn auch vorher haben einzelne Kolleg*innen immer wieder mobil gearbeitet. Dennoch hat diese Umstellung anfänglich jeden einzelnen von uns gefordert und Probleme aufgeworfen: Instabile und langsame Internet-Verbindungen, keinen ruhigen Platz zum Arbeiten, Ladegeräte im Office vergessen usw. haben auch uns nicht verschont. Besonders fehlte uns der intensive persönliche Austausch mit den Kolleg*innen, die gute Atmosphäre im Team und das schnelle "über die Schulter gucken" oder mal eben "zum anderen Tisch kommen". Aber mit der Zeit hat die Krise uns mehr und mehr die Augen geöffnet. Denn neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit haben sich dadurch ergeben ...

Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen, um die Krise zu überstehen und vielleicht sogar gestärkt aus ihr hervorzugehen?

Wir haben jeden Tag mehrfach online miteinander kommuniziert. Dabei ging es viel um gesundheitliche Fragen und darum, wie wir unsere Liquidität sichern. Außerdem haben wir überlegt, wie wir unsere Kunden in der aktuellen Situation unterstützen können. Da auch unserer Firma Umsatzeinbußen drohten, haben wir uns vor allem darüber ausgetauscht, wie wir die Krise als Chance nutzen können. Auf der Suche nach neuen Ideen haben wir uns in der Virtual Reality-Welt getroffen und dafür sogar eine eigene Software programmiert. Dabei haben wir festgestellt: Meetings in virtuellen Räumen sind um einiges wirkungsvoller als beispielsweise Videokonferenzen, bei der alle Teilnehmer*innen starr vor ihrem PC sitzen. Mit der VR-Software wird auf einer virtuellen Leinwand präsentiert. Der oder die Vortragende kann virtuell vor die Leinwand treten, um die Präsentation vorzuführen. Das ist für alle Teilnehmer*innen ein Gewinn: Die vortragende Person kann ihre Präsentationskompetenz besser herausstellen und die Zuschauer erleben eine „echte“ Präsentation, weil alles nahezu realistisch nachgespielt wird. Diese Effekte haben uns so begeistert, dass wir aus der Idee nun ein neues, spannendes Produkt für unsere Kunden entwickeln wollen.

Wenn Corona mal nicht mehr unseren Alltag dominiert: Was nehmen Sie aus dieser Zeit mit für die Zukunft Ihres Unternehmens?

Wir freuen uns schon sehr auf die Zeit nach Corona. Dann gibt es wieder andere Themen und etwas weniger Ausnahmezustand. Wir erwarten ein digitaleres Zeitalter mit weniger Terminen vor Ort. Eins ist schon abgemacht: Wenn wir uns als Team bald „in echt“ wiedersehen, dann feiern wir ein großes Fest. Gründe gibt’s genug und einen ganz triftigen noch dazu: Denn 2020 wird World of VR fünf Jahre alt und darauf wollen wir mit allen Partner*innen, Freund*innen und Kolleg*innen anstoßen.

Herr Vielhaber, besten Dank!

Timon Vielhaber ist Gründer des Start-Ups World of VR. Das Kölner Unternehmen hat sich auf die Konzeption und Entwicklung von Virtual- und Augmented Reality-Lösungen spezialisiert.

Hinweis

Das Interview wurde vor den kürzlich beschlossenen Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen geführt.

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