Gesundheit 4 Minuten Lesezeit Ge­mein­sam für ge­sun­de Ar­beit: Wie Un­ter­neh­men im Netz­werk von­ein­an­der ler­nen Startseite Vernetzen Netzwerke Aus der Netzwerkpraxis
  • Krankheitsbedingte Ausfälle treffen kleine und mittlere Unternehmen besonders stark. Ein betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) kann dabei helfen, Belastungen frühzeitig zu erkennen und Arbeitsbedingungen gesund zu gestalten.
  • Das Netzwerk Betriebliches Gesundheitsmanagement Hochrhein-Bodensee unterstützt Unternehmen beim Einstieg ins BGM und fördert den Erfahrungsaustausch über die betriebliche Gesundheitsförderung.
  • Die Erfahrungen aus dem Netzwerk zeigen: Mit kleinen Maßnahmen und der vielfach vorhandenen externen Unterstützung kann auch kleinen und mittleren Unternehmen ein einfacher Einstieg ins BGM gelingen.

Fallen Beschäftigte krankheitsbedingt aus, hat das in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) oft unmittelbare Auswirkungen auf den Betrieb. Aufgaben müssen umverteilt werden, Abläufe geraten unter Druck, Teams und Mitarbeitende arbeiten an ihrer Belastungsgrenze.

„Je kleiner die Unternehmen sind, desto stärker wirken sich Ausfälle aus gesundheitlichen Gründen aus“, betont Verena Riesterer, die an der IHK Hochrhein-Bodensee in Konstanz das Netzwerk Betriebliches Gesundheitsmanagement Hochrhein-Bodensee betreut.

Ein betriebliches Gesundheitsmanagement kann dabei helfen, Belastungen frühzeitig zu erkennen, Arbeitsbedingungen zu verbessern und ein positives Betriebsklima zu fördern, so Riesterer. Viele Unternehmen wissen um diese Vorteile. Im betrieblichen Alltag rückt das Thema jedoch häufig aus dem Fokus: „Wenn im Betrieb viel los ist, fällt die Thematik BGM oft hinten runter.“ Gerade kleine Betriebe stehen vor der Frage, wie sie auch mit begrenzten Ressourcen ins BGM starten können.

Das Netzwerk unterstützt KMU beim Einstieg ins BGM

Hier setzt das Netzwerk an, das von der IHK Hochrhein-Bodensee koordiniert wird. Es fördert den Erfahrungsaustausch auf dem Gebiet der betrieblichen Gesundheitsförderung zwischen Unternehmen in den Landkreisen Lörrach, Waldshut und Konstanz.

„Wir wollen die Betriebe miteinander vernetzen, ihnen Impulse geben und im besten Fall ein Gespräch in Gang bringen“, erzählt Dr. Alexander Graf, Geschäftsführer und Leiter des Bereichs Standortpolitik an der IHK Hochrhein-Bodensee in Konstanz. Er begleitet das 2010 gegründete Netzwerk fast von Beginn an.

Die Mitgliedschaft im Netzwerk ist kostenfrei. Das zentrale Format sind die zweimal jährlich stattfindenden Netzwerktreffen. Diese werden inzwischen meist digital abgehalten. So werden auch kleinere Unternehmen erreicht, für die die Teilnahme an Präsenzveranstaltungen im Alltag schwer zu organisieren ist. Im Fokus der Treffen steht jeweils ein Thema, das oft aus den Reihen der Mitgliedsbetriebe vorgeschlagen wird – zuletzt etwa das Thema Fehlzeiten oder die Unterstützung durch digitale Anwendungen und Apps.

Nach einem fachlichen Impuls bieten die Treffen viel Raum für den direkten Erfahrungsaustausch zwischen den Betrieben. Aus Sicht des Netzwerks liegt genau darin die Stärke des Formats, so Graf: „Wir wollen bei den Betrieben die wichtige Bereitschaft fördern, in einen offenen Austausch zu gehen und den anderen etwas von sich zu erzählen: Was machen wir, was funktioniert, welche Erfahrungen habt ihr damit, wie seid ihr mit dieser Herausforderung umgegangen?“

Gemeinsam statt allein: Erfahrungsaustausch hilft insbesondere kleinen Betrieben

Für kleinere Unternehmen ist dieser Austausch besonders hilfreich. Sie müssen nicht jede Idee selbst entwickeln, sondern können auf den Erfahrungen anderer aufbauen oder vom Wissen der größeren Unternehmen im Netzwerk profitieren. Das betrifft sowohl grundlegende Fragen zum Einstieg und zu Unterstützungsangeboten als auch ganz praktische Themen.

„Beim Thema Hitzeschutz hat beispielsweise ein Unternehmer mal erzählt, dass er vorhat, Wasserspender in der Produktionshalle aufzustellen“, erzählt Graf. „Da gingen bei den anderen sofort die Hände hoch – sie berichteten von Problemen, die etwa durch eine falsche Reinigung der Spender entstehen können. Der Tipp war dann, einfach Wasser in Kästen hinzustellen. Damit war das Thema erledigt.“

So entstehen im Netzwerk nicht unbedingt formale Kooperationen, wohl aber Orientierung, Ermutigung und konkrete Anregungen für den eigenen Betrieb – „und das ist der Nutzen, den die Betriebe aus unserem Netzwerk ziehen“, so Graf.

Praxisnah und machbar: kleine Schritte mit großer Wirkung

Viele Unternehmen verbinden BGM zunächst mit großen Programmen oder umfangreichen Konzepten. Die Erfahrungen aus dem Netzwerk zeigen jedoch, dass gerade für KMU auch ein kleiner und pragmatischer Einstieg sinnvoll sein kann. Wichtige Schritte sind dabei:

Ausgangssituation analysieren
„In einem Erstgespräch frage ich immer zuerst: Habt ihr schon Kontakt zur Krankenkasse aufgenommen?“, erzählt Graf. Diese können auf Anfrage anonyme Auswertungen zum Krankenstand im Betrieb erstellen. Auch Ergebnisse aus Gefährdungsbeurteilungen können Anhaltspunkte für Belastungen im Betrieb liefern. Mit dem kostenlosen Online-Check „Gesundheitsbewusster Betrieb“ der baden-württembergischen Industrie- und Handelskammern können Betriebe testen, wo sie beim Thema Gesundheitsförderung stehen und welche Möglichkeiten sie haben.
Zuständigkeiten festlegen

„Ganz wichtig ist es, im Unternehmen festzulegen, wer für das Thema BGM verantwortlich ist, in welchem Rahmen, mit welchem Budget – und das auch in die Belegschaft zu kommunizieren“, betont Riesterer. Ein kleines BGM-Team oder eine verantwortliche Person sorgt dann dafür, dass Maßnahmen koordiniert und weiterentwickelt werden, und steht als Ansprechpartner für die Mitarbeitenden zur Verfügung.

Führungskräfte und Mitarbeitende einbeziehen

BGM funktioniert am besten gemeinsam. „Führungskräfte haben da eine entscheidende Rolle“, so Riesterer. „Werden sie abgeholt und mitgenommen, können sie das Thema auch zu den Mitarbeitenden transportieren.“ Werden diese wiederum nach ihren Ideen und Wünschen befragt und an der Umsetzung beteiligt, entstehen praxisnahe Lösungen mit einer hohen Akzeptanz.

Klein anfangen

Bereits einfache Maßnahmen können viel bewirken: ergonomische Anpassungen am Arbeitsplatz, kurze Bewegungsangebote in den Pausen, das Bereitstellen von Wasser und Obst. Ein einmaliger oder jährlicher Gesundheitstag kann ein guter Einstieg sein, um das Thema im Unternehmen sichtbar zu machen. „Auch mit wenig finanziellen Möglichkeiten können Betriebe zeigen: Die Gesundheit der Mitarbeitenden liegt uns am Herzen“, betont Graf.

Externe Unterstützung nutzen
Für fast jedes Thema im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung gibt es entsprechende Angebote: Kurse, Apps, Informationen – und das oft kostenfrei, betont Dr. Alexander Graf. Erste Anlaufstellen können neben den Kammern auch die BGF-Koordinierungsstelle, Krankenkassen oder die Deutsche Rentenversicherung sein. Diese bieten Know-how, Materialien, Beratung, Kursangebote – oder unterstützen bei der Organisation eines Gesundheitstages im Betrieb.
Dranbleiben und austauschen

BGM ist ein Prozess. Rückmeldungen aus dem Team und der Austausch mit anderen Betrieben oder Akteuren helfen dabei, Maßnahmen weiterzuentwickeln.

Gesundheitsschutz betrifft alle Generationen

Ergänzt wird die Arbeit des Netzwerks durch weitere Angebote der IHK Hochrhein-Bodensee – neben Beratung und Webinaren wird zum Beispiel seit vielen Jahren sehr erfolgreich ein vierteiliger Azubi-Workshop angeboten, der Auszubildenden Grundwissen zum gesunden Verhalten im betrieblichen und privaten Alltag vermittelt.

„Beim Thema Gesundheitsschutz geht es ja nicht nur um die Älteren, die möglichst lange fit bleiben sollen. Das betrifft auch die Auszubildenden, die vielleicht irgendwann bis 70 arbeiten müssen. Denen müssen wir heute schon sagen: Hey, kümmert euch um euch. Ihr habt ein langes Arbeitsleben vor euch. Jetzt legt ihr den Grundstein, um da gesund durchzukommen“, betont Graf.

Deutlich wird: Betriebliches Gesundheitsmanagement muss weder kompliziert noch teuer sein. Netzwerke wie das in der Region Hochrhein-Bodensee können dabei eine wichtige Rolle spielen. Sie geben Impulse, erleichtern den Zugang zu Informationen und Unterstützungsangeboten und ermöglichen den Austausch mit anderen Unternehmen. Gerade für KMU kann dieser Austausch der entscheidende Anstoß sein, um eigene Gesundheitsmaßnahmen Schritt für Schritt im eigenen Betrieb umzusetzen.

Gesundheit
Feedback-Modul War dieser Beitrag für Sie hilfreich?

Herzlichen Dank! Gerne können Sie uns auch kontaktieren unter feedback@inqa.de!

Schön, dass Sie den Text hilfreich finden. Was genau hat gestimmt? Bitte wählen Sie mindestens eine Antwort aus. Mehrfachnennungen sind möglich. Durch den Text verstehe ich das Thema besser. Dieser Artikel hat einen Mehrwert für meine tägliche Arbeit. Der Text liefert mir neue Anregungen, die ich in meinem Arbeitsbereich umsetzen kann. Es tut uns leid, dass dieser Artikel für Sie nicht hilfreich ist. Woran liegt das? Bitte wählen Sie mindestens eine Antwort aus. Mehrfachnennungen sind möglich. Ich habe andere Inhalte erwartet. Der Text ist schwer verständlich geschrieben. Der Text enthält keine neuen Erkenntnisse für mich. Der Text liefert mir keine neuen Anregungen, die ich in meinem Arbeitsbereich umsetzen kann. Bitte wählen Sie Ihre Rolle aus. Es ist nur eine Antwort möglich. Vertreter*in eines kleinen Unternehmens (bis 9 Beschäftigte) Vertreter*in eines mittleren Unternehmens (10 bis 250 Beschäftigte) Vertreter*in eines großen Unternehmens (ab 250 Beschäftigte) Vertreter*in einer Verwaltung Unternehmensberater*in Berater*in einer Institution (zum Beispiel BA, IHK, HWK) Vertreter*in eines Verbandes oder einer Gewerkschaft Sonstige Möchten Sie uns noch individuell etwas zu diesem Artikel mitteilen? Helfen Sie uns, INQA mit ihrem Feedback zu verbessern!  Es ist noch nicht alles gesagt? Sie möchten sich direkt mit uns austauschen und Ihre Praxiserfahrung über INQA teilen? Dann geben Sie Ihre E-Mail-Adresse an. Die INQA-Redaktion wird sich zeitnah bei Ihnen melden. Ich habe die Datenschutzbestimmungen gelesen. * Pflichtfeld Vielen Dank!
Mit Ihrem Feedback helfen Sie uns, INQA.de besser zu machen.

Jetzt unseren INQA-Newsletter abonnieren und keine Neuigkeiten aus der betrieblichen Praxis verpassen: Zur Anmeldung

Das könnte Sie auch interessieren
Kompetenz Di­gi­ta­lum Witt­gen­stein: di­gi­ta­le Trans­for­ma­ti­on mit dem Bus

Das Netz­werk Di­gi­ta­lum Witt­gen­stein bringt di­gi­ta­le Bil­dungs- und Mit­ma­ch­an­ge­bo­te di­rekt zu den Men­schen – in ei­nem um­ge­bau­ten Li­ni­en­bus.

3 Minuten Lesezeit
Gesundheit Be­trieb­li­che Ge­sund­heit im Netz­werk för­dern

Im Nord­hes­sen Netz­werk Be­trieb­li­che Ge­sund­heit ar­bei­ten zahl­rei­che Ak­teu­re ge­mein­sam dar­an, klei­ne und mitt­le­re Un­ter­neh­men in der Re­gi­on bei der Ein­füh­rung und Um­set­zung ei­nes be­trieb­li­chen Ge­sund­heits­ma­na­ge­ments zu un­ter­stüt­zen.

3 Minuten Lesezeit
Kompetenz At­trak­ti­ve Un­ter­neh­men Trier: Im Dia­log über die Fach­kräf­te­si­che­rung

Mit dem Netz­werk „At­trak­ti­ve Un­ter­neh­men Trier“ för­dert die Wirt­schafts­för­de­rung Trier den Aus­tausch zwi­schen den Un­ter­neh­men in der Re­gi­on – und bie­tet ei­nen kur­zen Draht in die Ver­wal­tung an.

3 Minuten Lesezeit
Jetzt für den Newsletter anmelden

Tra­gen Sie sich ein in den IN­QA-Ver­tei­ler und ma­chen Sie mit uns Ar­beit bes­ser!

Hier finden Sie unsere Datenschutzerklärung. Über einen Link im INQA-Newsletter können Sie sich jederzeit abmelden. Frühere Newsletter-Ausgaben sind abrufbar in unserem Archiv.