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Zufriedene Pflegekräfte "Ü 55" im Krankenhaus St. Joseph-Stift Bremen

Unter intensiver Beteiligung der Beschäftigten wurden im Krankenhaus St. Joseph-Stift Bremen viele konkrete Maßnahmen umgesetzt, um den Folgen des demografischen Wandels in der Belegschaft zu begegnen. Mit Erfolg: Die Arbeitszufriedenheit steigt, gesundheitliche Belastungen sinken - und damit auch die Fehlzeiten.

Ausgangslage

Was war die Herausforderung?

Das Krankenhaus St. Joseph-Stift Bremen (SJS) wurde 1869 gegründet. Es verfügt heute über knapp 460 Betten und weit über 800 Beschäftigte, davon rund 450 im Pflegebereich. Das SJS ist ein akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Göttingen.
Immer mehr medizinische und pflegerische Fachkräfte sind älter als 55 Jahre: Das Unternehmen hat das Problem erkannt und ermöglicht ihnen ein altersgerechtes Arbeiten.

Als Einstieg ins Projekt "demogra-fitte Pflege" erfolgte die Erfassung des demografischen Ist-Zustandes im Pflegebereich in Form einer vertieften Altersstrukturanalyse. In Kombination mit einer Mitarbeiterbefragung brachte diese Analyse u.a. folgende Ergebnisse:

  • Hoher Altersdurchschnitt im Bereich Gynäkologie und den Fachpflegebereichen Zentral-OP und Anästhesie
  • Das Renteneintrittsalter liegt im Durchschnitt bei 60,5 Jahren. Die Folge: In zehn Jahren verlässt ein Drittel der Pflegekräfte das SJS.
  • Die Bewerbungssituation in der Pflege ist rückläufig.

Vor diesem Hintergrund soll das Projekt eine altersgerechte Arbeitsplatzgestaltung für Pflegekräfte ermöglichen.

Aktivitäten

Was wurde wie gemacht?

In einem Strategieworkshop wurde die gemeinsame Zielrichtung erarbeitet. Aus dem frühen Renteneinstiegsalter, der unterschiedlichen Fehlzeitensituation, der hohen Examinierten-Quote und dem regionalen Nachwuchsthema resultierten drei wesentliche Handlungsfelder:

  • "Wissensmanagement und Qualifizierung"
  • "Gesundheitsmanagement" und
  • "demografie-feste Personalstrategie".

Die hierzu gebildeten Projektgruppen hatten von Beginn an Rückhalt beim Krankenhausdirektorium. 23 Projektmitglieder suchten nach altersübergreifenden Lösungsansätzen. Die Projektgruppen wurden extern durch zwei Demografieberaterinnen begleitet. 

Das Projektteam "Wissensmanagement" etabliert eine Wissensstafette als Instrument zur gezielten Übergabe zwischen berufsjungen und demnächst ausscheidenden Mitarbeitern. Im Fokus stehen dabei die über 55-Jährigen. Zudem werden Rotationsmodelle zwischen Partnerstationen erprobt und eine Checkliste für ungeplante Funktionswechsel in wissensrelevanten Bereichen erstellt.

Im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements werden für die Beschäftigten des SJS kostengünstige und umfangreiche Kurse als Betriebssport aus den Gesundheitssportbereichen Allgemeiner Präventionssport (z.B. Power-Gymnastik), Muskel-Skelettsystem (Gerätetraining) und Entspannung und Stressbewältigung (Yoga) angeboten, die ein Viertel der Pflegekräfte auch nutzt. In der Schichtdienstgestaltung laufen verschiedene Erprobungen und die Einführung eines Springerpools ist in Vorbereitung,  ebenso eine Pilotphase für ein gesundes Essensangebot für den Spät- und Nachtdienst. Und um älteren Mitarbeitenden eine Perspektive bieten zu können, wurde ein betriebliches Eingliederungsmanagement eingeführt.

Die Projektgruppe Demografie-feste Personalstrategie brachte alle Maßnahmen zur Akquise von Auszubildenden auf den Prüfstand. Stationsbezogen werden die Qualifikationsprofile neu definiert und Perspektiven für einen vermehrten Einsatz von Hilfskräften (KPH, Serviceassistenten), spezifischen neuen Berufsfeldern (OTA, ATA) sowie Expertenfunktionen erarbeitet. Zudem wurde eine stationsbezogene Qualifikationsmatrix entwickelt und Arbeitsspitzen ermittelt.
Ein hoher Anteil der ausscheidenden Mitarbeitenden äußerte bereits Interesse an einer Tätigkeit nach der Berentung. Auch hierfür wird die Beratungskompetenz in der Personalabteilung gezielt auf Ü-55-Themen geschult.
Dreimal im Jahr findet mit allen Pflege-Leitungskräften ein Demografiedialog statt. Ziel ist der Transfer der in den Teilprojekten erarbeiteten Themen, die Arbeit an ihrer Einstellung zur alternden Belegschaft sowie die Anpassung der Maßnahmen an die bereichsspezifischen Abläufe. Leitungskräfte lernen sowohl die körperliche als auch organisatorische Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit der Pflegekräfte wahrzunehmen. Ein Personalkonzept zum lebensphasengerechten Arbeiten ist erstellt.

Ergebnisse

Was konnte erreicht werden?

Der größte Erfolg ist die Akzeptanz des Projektes und seiner Ziele sowohl auf Führungsebene als auch bei den Beschäftigten.
Trotz anfänglicher Zweifel hat die beteiligungsorientierte Gestaltung des Projektes die Grundeinstellung der Belegschaft zu den Folgen des demografischen Wandels geändert. Heute gehen alle Beschäftigten aktiv mit den damit verbundenen Herausforderungen um.

Erfolgsfaktoren

Was können andere davon lernen?

  • Eine beteiligungsorientierte Arbeitsweise schafft breite Akzeptanz
  • Bereitschaft der Führungskräfte zum Haltungswandel ermöglicht den Prozess einer lernenden Organisation
  • Erarbeitung von Zielen für jeden speziellen Bereich
  • Wertschätzung
  • Bereichsübergreifendes Denken und Handeln

Hinweis

Das Projekt wurde im Rahmen des bundesweiten Ideenwettbewerbs "Land der demografischen Chancen" in den Demografie-Atlas aufgenommen und ist damit offizieller Partner des Wissenschaftsjahres 2013 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

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Zusatzinformationen

Logo

Logo von St.Joseph-Stift Bremen

Ansprechpartner/in

Carsten Ludwig

Pflegedirektor

Krankenhaus St. Joseph-Stift GmbH
Schwachhauser Heerstraße 54
28209 Bremen

Telefon: 0421 - 347 1704

Steckbrief

Themen

  • Führung
  • Chancengleichheit & Diversity
  • Demografie

Branche

  • Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen

Bundesland

  • Bremen

Unternehmensgröße

  • mehr als 250 Mitarbeiter

Standort des Unternehmens

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