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Handwerksbetrieb 4.0: Digitale Fertigung in der Tischlerei Eigenstetter

Das Roboterzeitalter macht auch vor traditionellen Handwerksbetrieben nicht halt. Mit dem Kauf eines Roboters allein ist es jedoch nicht getan. Die Tischlerei Eigenstetter in Mecklenburg zeigt, wie die neue Technologie erfolgreich in ein bestehendes Unternehmen integriert werden kann.

Das Bild zeigte einen Tischler bei der Arbeit.
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Mitarbeiter der Tischlerei bei der Arbeit

Ausgangslage:

Was war die Herausforderung?

Seit mehr als 25 Jahren ist die Tischlerei Eigenstetter im strukturschwachen Nord-Westmecklenburg tätig. 21 Mitarbeiter sind spezialisiert auf Innenausbau, Treppenbau und die Herstellung von Möbeln. Ein komplexer Kundenauftrag, der allein mit den vorhandenen handwerklichen Mitteln nur schwer umzusetzen war, gab den Anstoß zur digitalen Fertigung. Da der Betrieb keine neuen Beschäftigten für die Bedienung des Roboters einstellte, musste das Stammpersonal für den Umgang mit der neuen Technik entsprechend qualifiziert werden.

Aktivitäten:

Was wurde wie gemacht?

Digitale Fertigung mit Hilfe eines Roboters erfordert Kenntnisse und Qualifikationen, die nicht von vornherein vorhanden sind. In dem Mehrgenerationen-Unternehmen verfügte der Sohn durch sein Studium über Kontakte zum Fraunhofer Institut in Rostock. Gemeinsam mit dem Unternehmen wurde ein bislang einzigartiges Roboterfräszentrum entwickelt. Damit sind komplexe und hochwertige Einzelanfertigungen von Holzprodukten realisierbar. Der Roboter deckt heute ein breites Fertigungsspektrum ab und steigerte die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens. Er konnte ohne großen Aufwand in die vorhandenen Werkstatträume eingebaut werden.

Neues Personal sollte nicht eingestellt werden, also mussten die vorhandenen Mitarbeiter entsprechend weiterqualifiziert werden. Eigenstetter verwendete viel Zeit darauf, seine Stammbelegschaft auf diesem neuen Weg mitzunehmen und das notwendige Know-how aufzubauen. Bereits vor dem Start der Planung des Roboterzentrums wurden sie miteinbezogen und aktiv beteiligt. Dies baute auch Vertrauen auf und Ängste vor einem möglichen Arbeitsplatzverlust ab.

Zur Bedienung des Roboters wurden zu Beginn einige wenige Schulungen mit allen in Frage kommenden Mitarbeitern durchgeführt. Mit dieser Grundqualifizierung setzte ein Prozess des kontinuierlichen Lernens ein. Dabei werden Fähigkeiten durch in die Arbeit integrierte oder parallel laufende Forschungs- und Entwicklungsprojekte ständig erweitert. Der Lernprozess ist vor allem durch den Austausch zwischen Jung und Alt und traditionellem Handwerk und Digitalisierung geprägt. Ältere Kollegen geben insbesondere ihr Erfahrungswissen über die sinnvolle Konstruktion von Produkten mit langer Überlebensdauer weiter. Jüngere Tischler sind für die Umsetzung in die digitale Softwareumgebung zuständig. Aus dieser Zusammenarbeit entstehen Synergien, die zu neuen innovativen Produkten führen.

Vorbildlich bei Eigenstetter ist auch der Blick für gesundheitliche Herausforderungen, die bei den Beschäftigten durch die Digitalisierung entstanden sind. Die steigende Komplexität und Intensivierung von Arbeitsschritten und die zeitliche Verdichtung führte zu mehr psychischen Belastungen bei der Arbeit. Um dem entgegenzuwirken, setzt das Unternehmen vor allem auf vollintegrative und wenig entfremdete Arbeitsprozesse. Ein Kollege oder ein Team betreuen ein Projekt von der Kalkulation über die Beratung und das Engineering bis hin zur Fertigung.

Aber auch die Belange außerhalb des Arbeitsplatzes hat das Unternehmen als guter Arbeitgeber im Blick, um die Zufriedenheit der Beschäftigten zu steigern. Dazu gehören Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie eine lebensphasenorientierte Personalpolitik.

Ergebnisse:

Was konnte erreicht werden?

  • Traditionelles Handwerk und Digitalisierung ergänzen und bereichern sich gegenseitig.
  • Es findet ein kontinuierlicher Wissenstransfer zwischen Alt und Jung statt.
  • Schwere und gefährliche Arbeit muss nicht mehr von Hand erledigt werden.
  • Der Kundenstamm konnte deutlich erweitert werden.
  • Das Spektrum der klassischen Tischlerei wurde erweitert, die Qualität der Produkte erhöht.
  • Die Attraktivität des Ausbildungsberufs wurde erhöht, das Stammpersonal hat Gelegenheit, sich weiterzuentwickeln.
  • Es wurde ein Experimentierraum im Unternehmen geschaffen.

Erfolgsfaktoren:

Was können andere davon lernen?

  • Gegenseitiger Respekt zwischen Alt und Jung und Zusammenarbeit auf Augenhöhe.
  • Der frühzeitige Einbezug aller Mitarbeiter baut Ängste und Hemmnisse gegenüber technischen Neuerungen ab.
  • Die Fördergelder des Zentralen Innovationsprogramms (ZIM) des Bundeswirtschaftsministeriums halfen, die Entwicklungskosten (ohne die Hardware) zu finanzieren. Kofinanziert wurde unter anderem auch über Landesmittel (TBI).
  • Die Chancen der digitalen Welt können für mehr Wertschöpfung im Unternehmen nutzbar gemacht werden.
  • Die Öffnung des traditionellen Handwerks gegenüber der Digitalisierung bietet Chancen, die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.
  • Herausforderungen, wie z.B. psychische Belastungen, die die Digitalisierung mit sich bringt, müssen angesprochen und durch individuelle Ansätze bewältigt werden.

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Zusatzinformationen

Logo

Logo der Tischlerei Eigenstetter

Ansprechpartner/in

Unternehmen

Martin Eigenstetter

Geschäftsführer

Tischlerei Eigenstetter GmbH
Gletzower Landstraße 3
19217 Rehna

Telefon: 038872 - 9230

Netzwerkpartner

Volker Jödicke

Projektleiter " LoB in Aktion"

FAW gGmbH Akademie Lübeck
Elisabeth-Haseloff-Str. 3
23564 Lübeck

Telefon: 0451 – 384 448 718

Steckbrief

Themen

  • Wissen & Kompetenz

Branche

  • Verarbeitendes Gewerbe

Bundesland

  • Mecklenburg-Vorpommern

Unternehmensgröße

  • 1 - 49 Mitarbeiter

Standort des Unternehmens

Abbildung des Unternehmensstandortes auf der interaktiven Karte