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Ausbildung ohne Grenzen - Die Erfolgsgeschichte der HBS Elektrobau über die Suche nach Lehrstellenbewerbern in der EU

Die Azubis von heute sind die Fachkräfte von morgen. Auszubildende aus anderen EU-Staaten können helfen, Lücken zu schließen. Das Beispiel der HBS Elektrobau GmbH aus Thüringen zeigt, welche Voraussetzungen notwendig sind, um Lehrstellenbewerber erfolgreich im Ausland zu aquirieren.

Ausgangslage:

Was war die Herausforderung?

Die HBS Elektrobau GmbH ist mit 450 Mitarbeitern an fünf Standorten in Mitteldeutschland eines der größten und leistungsstärksten Unternehmen im Bereich der Elektrotechnik. Ein sehr breit gefächertes Leistungsspektrum und Einsatzorte in der gesamten Bundesrepublik sowie im Ausland stellen hohe Anforderungen an die Beschäftigten. Der Mangel an qualifizierten Fachkräften wurde für das Unternehmen 2011 spürbar und begann, die wirtschaftliche Entwicklung zu hemmen: Es fehlte an Bauleitern und Monteuren.

So ergriff die Geschäftsführung die Initiative und erhöhte deutlich die Zahl der Ausbildungsplätze. Diesem Angebot stand zunächst nicht das erhoffte Angebot an Auszubildenden gegenüber. Auch Übernahmegarantien, Prämien und die Erstattung von Fahrkosten reichten nicht aus, um die ca. 60 Ausbildungsplätze zu besetzen. Genau diese Situation bewog die Unternehmensleitung, das Pilotprojekt "Auszubildende aus dem Ausland" zu starten.

Aktivitäten:

Was wurde wie gemacht?

Auf Empfehlung der Arbeitsagentur sah man sich zunächst auf dem tschechischen und polnischen Arbeitsmarkt um, musste aber feststellen, dass die Bereitschaft, eine Ausbildung in Deutschland zu beginnen – wegen der guten Ausbildungssituation in den genannten Ländern – nicht sehr ausgeprägt war.

So suchte sich die HBS Elektrobau GmbH Partner in Ungarn, Rumänien, später auch in Spanien und Bulgarien, die sie bei der Suche nach geeigneten Lehrstellenbewerbern unterstützen.

Im Zuge der Vorbereitungen wurden alle Länder von den Ausbildern des Unternehmens und dem Geschäftsführer besucht. Dabei waren zu Beginn persönliche Beziehungen von Vorteil, später kamen Partnerverträge mit Sprachschulen und Berufsschulen hinzu. Die Partner betreiben Akquise vor Ort, etwa durch Inserate und Flyer, nehmen Bewerbungen entgegen, sichten diese und treffen eine erste Vorauswahl.

Kern des Ausbildungskonzepts ist es, Spracherwerb und Ausbildung miteinander zu verzahnen. Dabei erhalten die Azubis vor Beginn der Ausbildung Sprachunterricht in ihrem Heimatland. Inzwischen stehen 360 Stunden Deutsch auf dem Lehrplan, daran schließt sich ein zweiwöchiges Vorpraktikum in Deutschland mit weiteren 80 Deutschstunden und einem ersten Kennenlernen in der HBS-Lehrwerkstatt an. Der gesamte Zeitaufwand für die Akquise der Auszubildenden ist erheblich. Bevor die Lehre beginnen kann, vergehen ca. 14 bis 18 Monate.

Alle bisherigen Kosten werden im wesentlichen vom Unternehmen getragen. Dies betrifft sowohl den Aufwand für die Partner vor Ort, Sprachkurse und Zertifizierungen, Reisekosten für Vorstellungsgespräche, Kosten während des Praktikums, Unterbringungskosten, Vorschüsse und Problemlösungskosten. Lediglich für die Spachkurse in Deutschland besteht eine finanzielle Unterstützung durch staatliche Mittel. Die Kosten von 1,5 Millionen Euro für das firmeneigene Wohnheim hat das Unternehmen selbst aufgebracht.

Viel zum Gelingen des Projekts tragen auch die sehr guten Rahmenbedingungen bei, die HBS für seine Auszubildenden aus dem Ausland schafft:

  • die Berufsschulen sind bereits vorab informiert und können sich so auf einen Unterricht mit Anfängern in deutscher Sprache einstellen
  • die Azubis werden im Unternehmen möglichst gleichmäßig verteilt, so dass die einzelnen Arbeitsteams genügend Zeit für sie haben, auch wenn es einmal Sprachschwierigkeiten geben sollte
  • Elternabende im Heimatland vor Beginn der Ausbildung und ein firmeneigenes Wohnheim mit Internetanschluss und Skype-Verbindung unterstreichen das Engagement des Unternehmens und schaffen das notwendige Vertrauen

Ergebnisse:

Was konnte erreicht werden?

Die Suche nach Auszubildenden aus dem EU-Ausland hat sich für die Unternehmen ausgezahlt. 2012 wurden 23 Auszubildende eingestellt, von denen noch 13 im Unternehmen sind. 2013 konnten sogar 29 ausländische Bewerber eingestellt werden.

Insbesondere die Auszubildenden im 2. Lehrjahr sind gut integriert, kennen die Erwartungen des Unternehmens und werden ihnen auch gerecht. Voraussetzung dafür ist der Spracherwerb, bei dem das Unternehmen die Stundenzahl von ursprünglich 240 auf 360 erhöht hat. Dadurch konnte die soziale Bindung im Unternehmen und außerhalb verbessert werden.

Dass am Ende eine erhebliche Anzahl neuer Fachkräfte für das Unternehmen gewonnen werden wird, zeigt eine weitere Zahl: 12 Azubis im 2. Lehrjahr haben bereits mit der örtlichen Wohungsbau-Gesellschaft einen Vorvertrag für eine Wohnung abgeschlossen.

Erfolgsfaktoren:

Was können andere davon lernen?

  • Mitarbeiter und Betriebsrat rechtzeitig, also ca. ein Jahr vorher informieren und in die Vorbereitung einbeziehen
  • Gespräche mit der IHK und der Berufsschule führen
  • Unternehmenskultur überprüfen: ausländische Azubis sind keine Azubis zweiter Klasse
  • Realistische Kalkulation des Zeitaufwands: 14 bis 18 Monate vergehen von der ersten Vorauswahl bis zum Lehrbeginn
  • Realistische Erwartung hinsichtlich der Fluktuation: Von 100 Kandidaten im Sprachkurs bleiben am Ende der Lehre 25 Ausgebildete übrig
  • Bereitschaft, finanzielle Mittel dafür einzusetzen

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Zusatzinformationen

Logo

Logo von HBS-Elektrobau

Ansprechpartner/in

Danny Schindler

Geschäftsführer

HBS Elektrobau GmbH
Werner-Seelenbinder-Straße 12
07907 Oettersdorf

Telefon: 03663 - 48 170
Fax: 03663 - 40 03 91

Steckbrief

Themen

  • Wissen & Kompetenz
  • Demografie
  • Inklusion

Branche

  • Baugewerbe

Bundesland

  • Thüringen

Unternehmensgröße

  • mehr als 250 Mitarbeiter

Standort des Unternehmens

Abbildung des Unternehmensstandortes auf der interaktiven Karte